Tibet wehrt sich…

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…und die Welt schweigt

Erinnert euch später dran: Wir schreiben das Jahr 2008. Mit einer massiven Militärpräsenz in Lhasa versucht China, die für mehr Unabhängigkeit protestierenden Tibeter einzuschüchtern und nach den schweren Unruhen in der tibetischen Hauptstadt für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Paramilitärische Truppen patrouillieren. Zuvor war es zu gewaltsamen Protesten in dem von China annektierten Land gekommen. Die Reaktionen darauf halten sich weltweit in Grenzen. Es gibt da offensichtlich einen Zusammenhang zwischen der Größe eines potentiellen Marktes und der Duldung von dem, was man Verbrechen nennt…

Das geistige Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, hat in einer Pressekonferenz sich dazu geäußert und weiß im Grunde nun auch, dass seine Aufrufe zur Besonnenheit nichts nützen werden. Der Dalai Lama hatte eigentlich immer nur eine Mission: Er forderte mehr Selbstbestimmung für sein Land und das tat er seit seiner Flucht ins indische Exil mit schwindendem Erfolg.

Am Anfang tönte es noch von überall „Freiheit für Tibet“ … mittlerweile will man nur noch einen Bruchteil dieser Freiheit haben, denn längst ist die gewaltsame Umstrukturierung unumkehrbar.

Dass der Chef Tibets auf besagter Mission die Herzen der nicht an den Machtspielen beteiligten Menschen erobert hat, ist ein Ärgernis aus der Sicht Chinas und sicherlich auch ein Problem für jene, die mit China ins Geschäft gekommen sind. Fest steht, dass der Dalai Lama buddhistische Lebensweisen nach Europa getragen hat und es schaffte, viele Menschen für sein Land und seine „Religion“ zu sensiblisieren.
Jetzt machte China den Sack zu, schmeißt alle Ausländer aus dem Land raus und wird ein für allemal aufräumen. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten kann das Regime die Presse ganz außen vor lassen. Es werden also noch viel mehr Menschen sterben, als in den letzten Tagen, viel mehr Leid, als wir es bislang in anderen Kriegen im Fernsehen sehen durften. Es werden die Reste eines eh schon malträtierten Kulturgutes zerstört werden und es wird eine der letzten geistigen Zufluchten dieser Welt endgültig untergehen.

Und „Die Welt“ schweigt. Eine Milliarde potentielle Endkunden für Konsumgüter können nicht irren. Wir bzw. unsere Repräsentanten halten die Mäuler, weil sie sie nicht voll genug bekommen. Das System fordert seinen Tribut. Wer im Gernangel um das ewige MEHR überleben will, muss gnadenlos ein. Dass wir dennoch emsig weiter so tun, als ob wir als Nation oder Staatenunion Anstand hätten, ist einfach nur erbärmlich. WARUM SPRICHT KEINER DARÜBER? WARUM HALTEN ALLE POLITIKER STILL? DER WELTSICHERHEITSRAT SCHWEIGT! ER HAT ANGST! VOR DER WIRTSCHAFTSMACHT VON EINER MILLIARDE CHINESEN.

Weil mein Laserdrucker aus China ist, und auch der Computer, mit dem ich das hier schreibe, weil in drei Jahren es mein Auto auch sein wird. Weil wir dann nur noch damit beschäftigt sind, uns selbst zu verwalten und uns gegenseitig den Arsch abzuputzen. Eine Dienstleistungsgesellschaft, die sich auf den sinnlosen, hirnlosen Gebrauch von Konsumgütern spezialisiert hat, die in den neuen Industrieländern für einen Apfel und ein Ei hergestellt werden, von Menschen, die alle Coca Cola trinken, Pommes essen und dicke Autos fahren wollen und die sich dafür in allen erdenklichen Positionen penetrieren lassen werden.

Heute sterben deshalb Menschen und eine spirituelle Kultur in Tibet, die Seelenheil zur Abwechslung mal nicht nur versprochen, sondern die den Weg dorthin gepflegt und bewahrt hat, bis heute. Diese Kultur wird heute ausgerottet. Und wir schauen zu.

Und ich frage mich, wieviel Menschenleben dieser neue Markt noch wert ist. Was jetzt in Tibet kaputt geht, ist unwiederbringlich.

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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