2011- Eine kleine Utopie

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

2011 wird ein tolles Jahr. Die Medien verbreiten die frohe Botschaft vom Aufschwung, der „breit ist und tief verankert“. Wir Bibliophilen sind da skeptisch, denn somit beginnt das Jahr mit einer falschen Metapher. Ein Aufschwung kann nicht breit sein. Dafür müsste er wenigstens rauchen. Und tief verankert schaukelt es sich schwer. Zudem müssen wir Konsumenten beim Aufschwingen mit weniger Schwungmasse auskommen. Die Krankenkassenbeiträge, die Strompreise und die Lebensmittelpreise steigen.

Beweisfoto
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Und Salz wird teurer. Selbst in großen Mengen. Sie erinnern sich? Im Herbst kosteten 1000 kg Salz noch 65 EUR. Im Januar 2011 kostet die selbe Menge des weißen Goldes 300 EUR. Und dennoch wird es in Unmengen achtlos auf die Straße geschmissen.

Die Dekadenz hat uns also wieder. Die Banken sind saniert, die Griechen müssen nicht verhungern. Die Spanier erhöhen freiwillig das Renteneintrittsalter und hören auf zu rauchen und auch Island hat den Vulkan wieder abgestellt. Haiti braucht dank Cholera weniger Erdbebenhilfe, als erwartet und auch der Krieg in Afghanistan wird zumindest partiell – dank 55plus-Quotenhengst Kerner – mit den Fernsehgebühren querfinanziert. Deshalb brauchten die Topsanierer der Krise nicht all unsere Ersparnisse und so dürfen, nein sollen wir nun wieder Geld abheben und umverteilen. Wir streben der Vollbeschäftigung entgegen. Immer mehr Deutsche machen zehn Jahre nach Fight Club wieder „Jobs, die sie hassen und kaufen sich dafür Scheiße, die sie nicht brauchen.“ Deshalb geht es uns wieder gut.

Der Aufschwung breiter, verankerter Menschen, denen man vor der Luftschaukel nach Leibesvisitation und Tomografie das versteckte Geld aus der Tasche zieht und die Geschwüre verschweigt, die sich durch das Dioxin gebildet haben. Wer nicht schwindelfrei ist, versucht sein Glück an der Schießbude. Zielt auf Rosen und weiß nicht, dass er nur mit Platzpatronen schießt, wegen der Sicherheit.

Der Konsument fühlt sich trotz weniger Netto vom Brutto überhaupt nicht verschaukelt, denn sein Glaube an das, was die Medien sagen, ist tief verankert, oder besser gesagt verwurzelt… Er grub seine Füße tief in den salzigen Sumpf der korrupten Meinungsmache und klammerte sich an weiße Kittel, akademische Titel, Silikontitten und an jedes Mittel, das von seinem Zweck geheiligt wird. Die Schecks, mit denen man in unserem Namen die Zeche der Zocker zahlt, sind immer noch ungedeckt und vermehren sich doch auf unerklärliche Weise.

Aber es gibt massive Bestrebungen, die Inflation voranzutreiben, auf dass unser Geld bald so wenig wert ist, dass wir uns die Tilgung wieder leisten können. Dank Eurocard muss dann auch niemand mit dem Wäschekorb zum Bäcker, so wie einst die Uroma. Das Rauchen wird immer teurer, und faktisch europaweit illegal- und dennoch dürfen wir nicht damit aufhören, da sonst die Tabaksteuereinnahmen der Regierung wegfallen würden. Wie man dieses Problem lösen will, ist noch ungeklärt, zumal die wachsende Schar der Nichtraucher gute Chancen hat, auch die Rente mit 70 zu erleben. Auch der Lungenkrebstod von Nichtraucher Schlingensief ändert da nichts an den medizinischen Tatsachen.

Beim Glühlampenverbot wird man 2011 mit einer europaweiten Tageslichtpflicht für Autofahrer zumindest mittelfristig die Lampenproduktion aufrechterhalten können. In 30 Jahren wird dann der Einbruch der Energiesparlampenproduktion mit den Gewinnen der Rentenversicherung gegenfinanziert. Denn die Lebenserwartung der Deutschen wird durch fortlaufende Quecksilbervergiftung durch Energiesparlampen endlich wieder sinken. Die Rentenversicherungspflicht wird deshalb jetzt schon gelockert. Der Staat zahlt sie jedenfalls für seine Hartz 4 Empfänger nicht mehr. Damit sie dann später auch ja nicht in die Verlegenheit kommen, entsprechende Zahlungen zu benötigen, geht man auf Nummer sicher. Hartz 4 Empfänger können sich die lebenszeitverkürzenden Quecksilberlampen nämlich nicht leisten. Deshalb kürzt man ihnen vorausschauend die Heizungskosten und verschiebt die Erderwärmung auf das Jahr 2040. Die bevorstehenden harten Winter bringen auch der Reifenindustrie eine Gnadenfrist, in der sie die Winterreifenüberproduktion abverkaufen kann. Die Winterreifenpflicht wird aber wegen sinkender Unfallzahlen die Autoverkäufe massiv einbrechen lassen. Deshalb dürfen ab sofort auch 17jährige schon Auto fahren.

Aber der Deutsche ist hart im nehmen. Nachdem unsere drei Umweltplaketten nichts gebracht haben, außer viel Verwaltung und ein paar Bußgelder, wird man eine vierte Plakette einführen. Und wehe, der Deutsche beschränkt sich wieder nur aufs Umrüsten! Ein Rußpartikelfilter ist doch sinnlos. Wenn Sie sich in ihrem Auto in einer geschlossenen Garage mit Auspuffgasen umbringen wollen, werden sie eher verhungern, als ersticken. Wenn wir nicht bald wieder in die Neuwagenendabnahme einsteigen, ist es vorbei mit dem Aufschwung! Damit die Autos nicht mehr so lange halten, versetzt man den Sprit schrittweise mit immer mehr Bioethanol und garantiert so auch dann noch einen kontinuierlichen Fahrzeugabsatz, wenn China bereits kollektiv im Stau steht. Durch die Raffinerierung von Sprit aus Lebensmitteln kann man die Nahrungsmittelüberproduktion regional viel besser abbauen und muss sie nicht kostenintensiv in Afrika entsorgen.

Denn auch das Fliegen wird teurer 2011. Schon wegen des erhöhten Personalaufwandes. Bald  rekrutieren die Flughäfen Heerscharen von Frauenärzten und Urologen für die Inspizierung sämtlicher Körperöffnungen bei allen Reisenden. Mag sein, dass nicht jeder Fluggast ein Arschloch ist, aber er hat eins. Und in die breiten Gesäße derer, die sich das Fliegen noch leisten können, passt mindestens ein Knallfrosch.

Nachdem im vergangenen Jahr, trotz weiträumiger Absperrungen, sich kein muselmanischer Gastarbeiter bereit erklärte, das vorletzte Relikt unserer düsteren deutschen Vergangenheit zu sprengen und auch am 31. Dezember die flächendeckende Verteilung von Sprengkörpern an das ganze Volk ohne nennenswertes Ergebnis blieb, wird es 2011 die größte Herausforderung sein, den längst überfälligen Glaubenskrieg vom Zaun zu brechen. Der Papst hat wohl deshalb vorsorglich nur den schwulen Entwicklungsländerinsassen erlaubt, Kondome zu benutzen.

Denn Gotteskrieger entstehen nicht in satten Ländern, nicht mal für Geld. Wir verhüten weiter und erziehen die Getränkeunfälle auch weiterhin linientreu zu christlich liberalen Konsumenten und Umsatzhuren. Wir zahlen brav unsere Steuern, füllen Formulare aus und halten die pauschale Erhebung der höchstmöglichen Fernsehgebühr für einen Fortschritt, so lange alle gleich dafür bluten müssen. Wir schieben uns keine Knallfrösche in den Hintern, so lange uns die Sonne aus dem Arsch scheint und so lange es Antidepressiva gibt… Nichtmal dann, wenn Autos in die Luft fliegen und es Bekennerschreiben regnen würde, wie tote Vögel in Arkansas.

Nur dort, wo das Rauchen  und das Schnüffeln von den Abgasen brennender Plastikfolien noch erlaubt ist, nur dort ist man auch noch bereit für Zigaretten und H&M-Einkaufstüten zu töten oder eben für Gott. Wir würden niemals für Gott töten, höchstens töten lassen, für Geld. Das ist zwar auch nicht besser, aber eben viel schwieriger zu beweisen.
Auch 2011.

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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