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Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Der Traum ist aus. Die Erschließung der deutschen Geldbörsen durch hübsche Frauen, die Bällen nachlaufen, ist gescheitert.  Die Deutschen Mädels sind draußen. Gegen Japan. Was für eine Bla…

Nö, Moment, da ist keiner, der trauert, außer den Frauen selbst. Das bisschen public viewing wird viewing ohne public… Die Fahnen werden eingerollt. 

FrauenfußballAch, wenn doch die Frauen an den Bällen der Fashionweek, also den Frauen ohne Bällen, etwas Paroli hätten bieten können – es wäre zu schön gewesen… für die Fußballverbände und Sponsoren…. Schon träumte man von geilen, durchtrainierten Mädels, die Werbung für Turnschuhe machen und sich in den Spots herumräkeln. Im Gegensatz zur Männerwelt tummeln sich ja bei den Frauen viel mehr hübsche Gesichter herum, die obendrein noch ganze Sätze sprechen können. Aber der Spuk ist vorbei, die Frauen in Deutschland laufen wieder über den Catwalk und spielen gegebenenfalls Tennis. Es ist bitter, dass die Berliner Fanmeile für die Fußballerrinnen ausgerechnet wegen der Fashionweek nicht stattfand und nun, durch das unerwartete frühe Scheitern im Turnier, alle Zweifler recht behielten. Ich hätte es ihnen von Herzen gegönnt, mit Heiratsanträgen und Werbeverträgen überschüttet zu werden und ein Endspiel mit Rekordeinschaltquoten… und dicke Platzhirsch-Manager, die es schon immer gewusst haben…

Es wäre kein Wunder, wenn ein paar IdealistInnen 🙂 angesichts des Schmierentheaters um balls & equality einfach auf den Rasen kotzen würden. Aber bei Frauen bringt das nur Gerüchte um eine ungewollte Schwangerschaft. Schon der Name: Frauenfußball-WM! Was für ein Wort!
Erstmals spielten Frauen vor so einer riesigen Kulisse Fußball. Was für ein Privileg! Und erstmals wurden sie dabei auch so vehement damit konfrontiert, dass dieser Brot-und-Spiele-Wahnsinn von allen Beteiligten so viel Klüngel, Politik und Scheinerei abverlangt und das Spielen an sich zur Nebensache wird. Dabei wollten die Frauen eigentlich alle nur kicken und gewinnen. Ersteres haben sie auch – und wie! Ich war, ehrlich gesagt, wirklich überrascht, was ich da zu sehen bekam. Gleich-dingens hin oder her, man kann zu dieser Aussage stehen. Nicht nur, weil es Frauen in einer Männerdomäne sind, sondern weil sie ihren Sport zu ganz anderen Bedingungen trainieren und ausüben müssen. Sie sind den Kerlen ebenbürtig. Ja, und das macht Angst. Wenn ein Kerl auf dem Rasen ingesamt 10 Kilometer hin und her rennt, in einer Geschwindigkeit, in der man es keine 2 Minuten aushält, dann bewundert mann ihn, tut es eine Frau, bekommt mann Komplexe. Sorry, aber das ist wohl genetisch bedingt. Jedenfalls bei den meisten Männern, die sich Fußball anschauen… Und  wie es „unsere“ Frauen schaffen, nach 45 Minuten Leistungssport an der Lederkugel immer noch wunderschön aussehen, ist eines der Geheimnisse, die wir Männer niemals begreifen werden.

Aber warum der Fußball, den Frauen spielen, „Frauenfußball“ heißen muss, warum die öffentlichen Fernsehaufführungen mit „Frauen-WM“ angekündigt wurden und die sich ernsthaft um Gleichberechtigung bemühenden Moderatoren auch mal „Frauenfußballerinnen“ sagten… das entzieht sich meiner Kenntnis. Frauen laufen ja auch keine Frauenhundertmeter oder fahren Frauenschlittschuh. Frauenfußball klingt wie Behindertensport und Frauenboxen. Und ist auch so gemeint. Man hätte es am liebsten oben Ohne. Oder als Freakshow. Am besten irgendwas dazwischen… Ausziehn, ausziehn…

An der sportlichen Leistung jedenfalls kann es nicht liegen, dass fußballspielende Frauen nicht genau so akzeptiert werden, wie fußballspielende Männer. Spätestens hier, in den Männerdomänen, hört die Toleranz füreinander auf.

Vielleicht sollten sie endlich im Bikini kicken oder wenigstens im Röckchen, wie es beim Tennis üblich ist… Schließlich hat die Mehrheit erst über den Playboy erfahren, dass es „echte“ Frauen gibt, die Fußball spielen.

Oder einfach mehr auf den Rasen rotzen.

Ja, genau, das war es, was mir gefehlt hat…

ToM

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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