Was gesagt werden muss

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Grass für einen Tag

Ich hab auch ein Gedicht geschrieben, schon vor Jahren, fast zum selben Thema. Und kein Arsch hat sich dafür interessiert. Niemand fand es so Scheiße, dass ich damit auf den Titelseiten der Nachrichtenmagazine landen konnte. Wer ist eigentlich dieser Günter?

Noch nie gab es so viel Wirbel um ein Gedicht. Das Problem dabei ist, dass es keins ist. Die Rede ist von Günters angeblich krassen Verlautbarungen über Israel, die gerade inflationär durch die Medienmaschine getrieben werden. Es ist geradezu lächerlich, wer da was und wieviel darüber zu sagen hat.  Inhaltlich hat Günter ungefähr so viel neues, brisantes und unkorrektes wiedergegeben, als hätte er anno 2012 im Bundestag vor laufender Kamera behauptet, die Erde sei eine Kugel und sie würde sich drehen…

Und jetzt sind alle empört. Die einen, weil sie wissen, dass die Erde eine lehmhaltige Substanz ist, aus der die Pflanzen sprießen und die anderen, weil sie wissen, dass die Erde ein Elypsoid ist, das rotiert.

Dass Israel ein Atomwaffenprogramm hat, wissen alle. Und 2006, als MEIN GEDICHT entstand, hat Olmert  es in Berlin auch der Welt mitgeteilt. Dass Israel den Iran nicht leiden kann, wissen wir auch, und wir wissen auch, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Was die Menschen denken, die dort wohnen, wissen wir allerdings nicht. Warum regen sich alle über die Meinung eines Mannes auf?

Und Günter? Der hat so nebenbei die Lyrik endgültig zu Grabe getragen und sich mit weitaus weniger Aufwand, als noch vor einem Jahr ein gewisser Thilo Sarrazin, das Maximum an Aufmerksamkeit eingeheimst. Die Rentner dieses Landes werden immer gewiefter. Und die Konsumenten immer anspruchsloser. Es würde mich nicht wundern, wenn Günter jetzt gleich noch ein Buch hinterherschiebt.

So, hier kommt jetzt MEIN Gedicht. Das reimt sich sogar ein bisschen. Und das Buch dazu gibt es auch schon. Vielleicht klappt es ja. Und berücksichtigen Sie bitte, ich war jung … und ich könnte das Geld wirklich gut gebrauchen.

Laudatio

Kann man sagen, dies ist das gleiche Niveau, wenn die Iraner nach Atomwaffen streben, wie Amerika, Frankreich, Israel, Russland? Ehud Olmert 2006

In Palästina sterben Kinder
wie bei uns Fliegen an den Scheiben,
wissend, fliehen ist gesünder;
müssen aber liegen bleiben.

In Israel wird auch gestorben,
lauter zwar, doch auch nicht besser,
wird mit reinem Blut geworben,
das man mit importierten Messern
aufs Butterbrot uns schmieren mag!

Schon redet man vom jüngsten Tag,
enthüllt ein Denkmal, küßt die Wangen,
anstatt das Denken anzufangen
über ein Ende dieser Qual.

Ein Raunen geht ganz unbefangen
hinter der Wahrheit durch den Saal:

In Palästina sterben Kinder.
Bei uns müssen die Flieger bleiben,
wissend, es ist viel gesünder,
als vom Himmel dann, in Scheiben…

Ja, dann wär es auch egal,
wer mit welchem Messer
die Leichen schält und Brote schmiert,
wer wegen wem die Kinder quält
und wer für fremden Wohlstand friert.

Schon redet man vom jüngsten Tag,
enthüllt ein Denkmal, küßt die Wangen,
anstatt das Denken anzufangen,
wie wohl der Wahnsinn enden mag.

In Palästina sterben Kinder,
doch wir lassen uns nicht stören,
lassen unsere fetten Schinder
Eide auf die Bibel schwören,
geben Massenmördern Mächte,
lassen Blut für Öl vergießen,
um dann in der Nacht der Nächte
Diktatoren zu erschießen.

In seiner Herrenmenschenrolle
wächst der Überwachungsstaat
als freiwillige Selbstkontrolle.
Schon redet man vom heißen Draht,
enthüllt ein Denkmal, küßt die Wangen,
anstatt das Denken anzufangen.

Thomas Manegold 2006

Aus Himmelsthor

ToM bei Periplaneta

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

2 Kommentare zu „Was gesagt werden muss“

  1. Tja, so ist das leider. Da können unbekannte Blogger eindrucksvolle Texte und Gedichte schreien, und die gehen ziemlich unter. Veröffentlicht ein bekannter Schriftsteller oder gar Nobelpreisträger ein schlechtes gedicht, dann mag das Echo ktitisch sein, ist aber vor allem laut und weithin hörbar.

    1. Macht aber nichts, es gilt dies zu durchschauen – wer will schon wegen eines schlechten Gedichtes ein Einreiseverbot nach Israel. Auch bekannte Menschen können arm dran sein 🙂 Ich glaube fest an die Kraft der Basis.

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