Andreas Keck „Untreu“

"untreu"

Andreas Keck dritter Roman war eine schwere, weil lange Geburt. Der Sorgfalt des Autors und seiner Selbstkritik fielen zwei Veröffentlichungstermine zum Opfer. Die Arbeit an „Untreu“ erstreckte sich somit über zwei Jahre. Aber das Ergebnis ist wunderbar. Der Kecksche Gedankenkosmos scheint nun vollständig. Ich bezeichne „Untreu“ gern als das Ende der „Südstaatentrilogie“ des Autors, denn seine drei Romane „Schneeblind“, „Ruhm!“ und „Untreu“ haben Berührungspunkte. Und nicht nur geografische. Kecks Werke sind metaphernreiche Psychogramme ambivalenter Charktere, die sich in und um München, mit endeffektlich ähnlichen Problemen herumschlagen müssen. Matthias (oder Franz), die zentrale tragische Gestalt der ersten beiden Bücher, taucht in „Untreu“ in einer Nebenrolle ebenfalls wieder auf.

Der neue Roman dringt in den Mikrokosmos einer mittelständischen Familie ein. Und der besteht aus dem typischen Zusammenleben einer im Wohlstand gefangenen Familie mit beinahe erwachsenen Kindern. Christine, Mutter und Hausfrau, kompensiert die chronische Langeweile mit Putzzwang und neurotischen Ritualen, während ihr Mann eigentlich nur über Karriere und Besitz reflektiert. Ihre beiden Töchter könnten gegensätzlicher nicht sein. Laura, die jüngere, ist gewissermaßen das aus der Art geschlagene, aufbegehrende, intelligente Kind, während Patricia die angepasste, naive Mustertochter verkörpert. Als Markus seinen neuen Freund und späteren Geschäftspartner Ludwig mit in sein trautes Heim nimmt, gerät einiges Durcheinander. Christine verliebt sich. Allerdings eben nicht auf die kitschige Art, sondern unnachahmlich rationell.

Überhaupt wird in „Untreu“ nicht etwa das Klischee der spießigen neureichen Familie geritten. Andreas Keck ist viel zu nah dran, eher in den Charakteren drin. In der Beschreibung eher surreal und reduziert, wird aus der innerfamiliären Auseinandersetzung eine Gesellschaftsstudie und eine Auseinandersetzung über Moral, Bildung, Tristess, Besitz und den Sinn des Lebens. „Untreu“ ist, wie auch die anderen Romane von Andreas Keck, durchsetzt mit Symbolismen, metaphorischen Szenen und sprachlichen Andeutungen, die den Leser immer wieder eigene Interpretationen abfordern.

Das Cover zeigt ein Bild von Veronika Engelmann, das wie kein anderes wunderbar zum Inhalt passt. Falk Strehlows Engagement für „Untreu“ ging über das eines Lektros hinaus und so entstand eine mehrmonatige intensive Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Autor. Mir oblag das Projektmanagement, Gestaltung, Satz sowie die Konvertierung in die verschiedenen Ausgabeformate. Das Buch wird im Rahmen einer Lesung mit dem Autor am 30.06.2012 bei Periplaneta Berlin vorgestellt.

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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