Bald sind wir alle arbeitslos. Und ihr habt Langeweile.

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

„Die Welt wird zu Recht erbost sein über diese Unmenschlichkeit, und ein Hass wird brennen, der niemals gelöscht werden kann. Wie lange wird diese Herrschaft des Terrors noch weitergehen?“ – Friedrich Kellner

The roof is on fire!  – We don´t need no water, let the motherfucker burn“ Bloodhoundgang (Bitte das Zitat nicht laut singen.)

Na, ihr Revoluzzer? Wie war die Demo? Mal wieder ordentlich empört?

2013 beginnt ein neues Zeitalter. Das Zeitalter, in dem wir mehr GEMA zahlen werden, als Saal-Miete, falls es nicht schon vorher so war. Ein Zeitalter in der die GEMA-Kosten die Produktionskosten von CD-Pressungen in den Schatten stellen werden. Ein Zeitalter, in dem die GEMA-Gebühren pro USB-Stick (40 ct pro GB!) die Herstellungskosten überholen. Ein Zeitalter, in dem eine zentrale Institution überwachen wird, was wir hören und womit wir es abspielen. (Es wird auch das Zeitalter der Rundfunksteuer, die wir nicht mehr pro Gerät, sondern pro Kopf zahlen. In einer Zeit, wo keiner mehr Rundfunk braucht…., aber das ist noch eine andere Geschichte.)

2013 wird das Jahr, in dem die Clubs sterben. Jede Kultureinrichtung, die nicht von Almosenverteilern auserkoren wurde und die nicht nebenbei Drogen vercheckt oder Alkoholiker produziert, steht vor dem Aus. Jeder noch so freie Jugendclub e.V. oder jedes ach so alternative Zentrum ist jetzt schon auf Gedeih und Verderb einer Illegalität, einer Duldung oder einer Finanzierung von außen ausgeliefert. Es gibt ihn längst nicht mehr, den Raum für freie Kunst und Musik. Und die Clubs, in denen ich derzeit noch auflege, wird es 2013 alle nicht mehr geben. Es sei denn, jemand erinnert sich, wie die das damals mit dem Stasi-Hauptquartier gemacht haben…

Musik war mein Leben. Ich habe wohl 1000 Rezensionen für Tonträger geschrieben und Hunderte Interviews geführt. Ich habe Bands zu mir auf die Bühne eingeladen, weil sie mir gefielen und sie auf eigenes Risiko einem Publikum vorgestellt. Ich habe Internetmagazine mit mehreren GB Inhalten, mit Tausenden Besuchern pro Tag kosten- und werbefrei der Welt angeboten. Ich war 20 Jahre lang im Dienst dieser Sache unterwegs. Für die Musik. Für die Szene. „Für die Liebe, für die Kunst „:-)

Ich bin DJ und ich liebte diese Arbeit. Ja, ich opferte mich regelrecht auf. DJ war und ist aber ein Knochenjob. Bis auf ein paar wenige Menschen, die damit für eine kurze Zeit in ihrem jeweiligen Musikgenre berühmt wurden, ist er auch schon immer schlecht bezahlt gewesen. Ebenso, wie die Tätigkeit eines Musikjournalisten.

Seit die eigene Platten- und CD-Sammlung keinen Wert mehr hat und im Grunde jeder, der nicht tanzen will und trotzdem zur Party geht, sich DJ nennt, ist dieser Job ungefähr so bezahlt, wie Putzen, Kinderhüten oder Gurkenernten ohne Arbeitserlaubnis. Und gerade in den Independent-Szenen war sowieso nie viel zu holen. Fakt ist, dass ich 20 Jahre als Künstler und Journalist wirklich viel für Kunst und Kultur beigetragen habe. Ich habe Bands groß gemacht, sie immer und immer wieder gespielt, sie unterstützt, weil sie mir gefielen, ich habe vielen Menschen zu ihrer Lieblingsmusik verholfen. Ich habe ganz viele Menschen Nacht für Nacht glücklich gemacht  – und Ordnungsämter, Vermieter, GEZ, GEMA, KSK- und wernichnochalles haben die Hand aufgehalten. Das ist Zuhälterei – in Anbetracht dessen, was da mittlerweile an Geld fließt und was schlussendlich bei denen hängenbleibt, die dafür arbeiten. Musiker eingeschlossen. Denn wenn man mal mit ansieht, was Musikanten von diesen Halsabschneidern ausgezahlt bekommen, fragt man sich, wo die das ganze Geld eigentlich bunkern.

Ich bin Idealist und ich weiß, dass es eine ganze Menge solcher Leute gibt. – Die alle genau so pleite sind wie ich. Nicht, weil sie verschwenderisch gelebt haben, sondern weil sie sich mit Haut und Haaren einer Sache verschrieben hatten, für die sie brennen wollten. Aber leider gilt es in unserer Gesellschaft als naiv und gefährlich, wenn man brennt, wenn man hinter dem Sinn, dem Inhalt, „der Seele“ einer Sache steht und diese Arbeit für die Sache auch mal über die Wirtschaftlichkeit stellt. Das heißt nämlich nicht, dass man grundsätzlich Dinge tut, die vor den Baum gehen, sondern dass man, so lange man die Kraft hat, auch Dinge tut, die sich nicht rechnen. Die meisten Menschen, die kein Geld haben und Dinge bewegen, müssen sehr genau kalkulieren. Denn sie bekommen keinen Kredit und können auch kein Geld verbrennen, was ihnen nicht gehört. Es gibt Opern, Kulturzentren und Theater, die mit über 100,- € pro Sitzplatz, pro Vorstellung vom Staat gestützt werden. Es gibt regelrechte Kurse darüber, wie man an Fördergelder kommt, wie man wen belügen muss und wie man sich wo einkauft, ohne dass es nach Einkaufen aussieht.

Die DJs und Kleinveranstalter haben keine Lobby und eine Konzertveranstaltung ist, egal wie solide man wirtschaftlich kalkuliert und wie professionell man es durchzieht, immer ein Lottoschein, den man ausfüllt. Die Chance, dabei nicht draufzulegen, wurde seit der Jahrtausendwende auf Grund von explodierenden Abgaben und Kosten immer kleiner.

Ebenso verhält es sich jetzt, mit den neuen Forderungen der GEMA, auch mit sogenannten Tanzveranstaltungen. Sie werden ab 2013 in einem für mich akzeptablen Rahmen nicht mehr realisierbar sein. Wenn man über 3/4 seiner Grundfläche mit zahlendem Publikum zustellen muss, um die Musik anmachen zu  können und wenn sich davon die Hälfte wirklich zusaufen muss, damit man die anderen Rechnungen bezahlen kann, dann ist eine Grenze erreicht, die ich nicht überschreiten werde. Ich finde Ballermann Parties abstoßend und ich bin es leid, ständig zu sehen, wie Unsummen hin- und hergeschaufelt werden und alle Beteiligten zu wenig bekommen, um überleben zu können. Wir sind längst erfolgsabhängig geworden. Die Künstler gehen drauf oder hängen an einem Tropf, der ihnen schlussendlich auch die Inhalte ihrer Kunst vorschreibt. Der Staat fördert nämlich keine Inhalte, die ihm nicht gefallen und Wirtschaftsunternehmen bevorschussen auch nur noch Dinge, die sich im großen Stil verkaufen lassen.

Die Kunst wird in Deutschland längst schon reglementiert und gesteuert. Die neuen GEMA-Tarife sind nur ein weiterer Schritt in die totale Kontrolle. Und der Protest gegen die Gebührenerhöhung 2013 ist einfach nur ein Witz. Diese Petition ist lächerlich und wird nichts verändern. Den hier verlangt ein Monopolist 1000% um 500% zu bekommen. Niemand will eine „vernünftige“ Reform.

Es darf gar keine Erhöhung mehr geben, weil sie keiner mehr bezahlen kann, weil alle bei der „Verwertung“ von Musik weniger verdienen. Es darf keine „GEMA Vermutung“ mehr geben, die besagt, dass man die GEMAfreiheit eines Liedes beweisen muss, wenn man es jemanden vorspielt.  Weil niemand beweisen kann, dass es etwas nicht gibt. Und weil die Menge GEMAfreier Musik rasant wächst. Und die GEMA muss erstmal ihren Verteilerschlüssel offenlegen und reformieren. Wer flächendeckend zulangt, sollte auch flächendeckend ausschütten.

Es darf nicht sein, dass alle Geräuschemacherei im öffentlichen Raum zuvor detailiert beantragt werden muss.  Wer zahlt, zahlt nicht an die Künstler die er spielt und wer nicht zahlt und sich auf Gemafreie Musik beschränken will, muss Titellisten (inkl. „Klarnamen“ der Komponisten, Texter und Interpreten) einreichen.

Nieder mit der GEMA Vermutung! und Nieder mit der Tariferhöhung! Und wenn das eben nicht passiert, dann… ach schaut euch doch mal diese historischen Aufnahmen an, was man früher, also nicht ganz früher, sondern 1989 mit solchen Institutionen gemacht hat…

Ja, das ist kriminell: 2013 will die GEMA bei einem Eintritt von 5 EUR pro Person in eine Diskothek von nur 250 qm …
321,00 € Netto.
Pro Veranstaltung.

Clubs die 1x wöchentlich öffnen, zahlen dann 1300 € GEMA netto monatlich. Und ein Club dieser Größe, der Freitag und Samstag Party machen möchte,  würde im Jahr über 35 000 EUR GEMA zahlen. Natürlich unabhängig davon, wie viele Menschen zur Party kommen.

Und Clubs, die die Frechheit besitzen, täglich offen zu haben, um sich den gegenwärtigen Gebührenwahnsinn leisten zu können, zahlen dann adäquat pro Veranstaltung diese Wucherbeträge, die sie natürlich auf die Getränke umschlagen müssten, weil eine Eintrittpreiserhöhung die Gebühren weiter in die Höhe treibt. Hinzu kommen Miete und Nebenkosten. Soviel könnt ihr gar nicht saufen! Also wehrt euch gefälligst. Und hört endlich mit diesem Empören auf, das ist einfach nur lächerlich.

 

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

33 Kommentare zu „Bald sind wir alle arbeitslos. Und ihr habt Langeweile.“

    1. Der Anfang ist, dass man die Gegen-Forderung eben mal nach oben schraubt. Anstatt: Nicht so dolle zuhauen bitte! sollte es heißen: Keine Gewalt. Ich habe beschrieben, wie ich es sehe und 20 000 haben es am ersten Tag gelesen. Wir bei Periplaneta können z.B. die Tarife als Kleinstveranstalter gar nicht bezahlen und deshalb suchen wir uns Alternativen. Unterstützen Künstler, die diesem System noch nicht beigetreten sind usw.
      In meiner Clubumwelt geht nichts mehr und das muss man auch sagen. Es gibt keine gerechte Tariferhöhung. Weil pro qm Fläche nicht mehr rauszuholen ist, als im Moment. Wenn die Gema das mit den 10% wirklich ehrlich gemeint hätte, wäre das kein Problem. Hat sie aber nicht, sie will nach qm und nach Eintrittspreis zulangen, unabhängig wieviele Menschen Eintritt zahlen. Und das hat bereits in der Vernagenheit vielen Kleinen den Kopf gekostet.

  1. bei aller zustimmung zu den allermeisten punkten: 1. was ist denn das hier anderes als eine empörter aufschrei? und 2. woher willst du wissen, dass nicht noch zahlreiche andere dinge geschehen neben petitionen, schiedsgerichtsverfahren, demo usw.? ich gebe dir recht, dass mehr geschehen muss. was ist deine aktive rolle dabei – denn was du von anderen einforderst, wirst du ja auch selber vorleben, oder?

    1. Anstatt: Nicht so dolle zuhauen bitte! sollte es heißen: Keine Gewalt. Das ist die Message. Meine aktive Rolle ist dieser Artikel, denn mir sind die Gegenforderungen einfach zu lasch, denn sie werden das Sterben nicht verhindern. Meine aktive Rolle ist, Künstler, die noch frei sind, zu unterstützen. Und Alternativen zu diesem veralteten System zu fördern und mit ihnen zu arbeiten. Mich zu verweigern, für die oberen 3000 das Geld einzusammeln. Ich will hier niemanden anpissen. Aber offensichtlich wissen noch viel zu wenige, was da eigentlich gerade passiert.

  2. So sehr ich die GEMA und ihr Modell etc auch hasse, kann ich trotzdem bei den Gebühren noch kein direkt kriminelles Verhalten erkennen. Zu Deiner Rechnung oben: 321€ bei 250m² – Bei einer durchschnittlich besuchten Veranstaltung hab ich ca 250 Leute im Durchlauf (wenns gut läuft, können das auch gern 50o oder mehr werden über den ganzen Abend, aber davon sollte man ja nicht ausgehen) – Berlin typisch steht 20% auf der GL oder kommt sonst irgendwie billiger/für umm rein. Heisst aber immer noch 200 zahlende Gäste = 1000€ Rohertrag. Dasseleb Geld bleibt erfahrungsgemäss an der Bar als Rohertrag hängen. Macht 2000€. Klar haut die neue Tarifreform da nen ordentlichen Zacken rein, aber es bedeutet nicht automatsich das Aus von allen Clubs, das ist übertrieben. Klar werden die Clubs das irgendwie auffangen müssen, da viele Veranstaltungen heute schon grad mal +/-0 ausgehen (ich kann ein Lied von singen, hab das jahrelang gemacht) – aber ehrlich gesagt musst Du „nur“ deine Getränkepreise um 15% erhöhen und hast das aufgefangen. Heisst halt einfach: Kein Bier mehr für 2,50 – die Zeiten sind vorbei, auch auf Offkulturveranstaltungen. 3€ wird der normale Preis werden. Longdrinks wirds nicht mehr unter 6€ geben. Schade -definitv, weil das eben die ganzen underground und Offplaces zurückdrängt und nur noch der Kommerz übrigbleibt. aber weisst du was da meine Reaktion wäre? Das zu machen, was wir früher auch gemacht haben (und ja liebe GEMA, ich weiss ihr lest diesen Kommentar und versucht meine Identitärt rasuzufinden, wird Euch zum Glück nicht gelingen) – Wir haben jahrelang NICHTS an die GEMA bezahlt, dafür alle musikalisch beteiligten ausnahmslos direkt ausgezahlt. Wir selber sind mit 0€ aus jeder Party rausgegangen -während sogar der warmupDJ minimum nen fuffi mit nachhause nehmen durfte. Die Hauptacts gingen nicht unter 300 raus (waren aber auch noch andere Zeiten, heute wäre das vermutlich mehr – wuir haben nur nen 5er Eintritt genommen bei 2 Floors und ca 1000 Leuten im Druchlauf) – Naja: Lange Rede kurzer Sinn: Wenn ich heute noch Off-Parties im grossen Stil veranstlaten würde, würd ich weiterhin nichts an diese Penner zahlen. Als „offizieller“ Club würd ich andere Wege finden, die ich jetzt hier nciht beschreiben werde … 🙂 Es gibt da einige Lücken im System… Und nebenbei: Ne Alternative zur Gema aufbauen. Diese Behörde ist reformunfähig und gehört aufgelöst. Das geht aber nur wenn eine Alternative bereitsteht – und die wirds irgendwann geben.

    So long …

    1. Das ist genau der Fehler. Was mache ich, wenn nur 30 kommen? Kann passieren. Wenn beispielsweise Konkurrenzveranstaltungen sind oder in der Provinz die Anfahrt wegen Glatteises unmöglich wird? GEMA wird pro qm fällig, nicht pro Person. Und es ist bekannt, dass die 300 EUR pro Veranstaltung noch nichtmal in Bruchteilen bei den Bands ankommen, die gespielt werden, jedenfalls in jeder Independent Disko. Und alles nach dem Smiley kommt, kann ich so unterschreiben 🙂

    2. „Kein Bier mehr für 2,50 – die Zeiten sind vorbei, auch auf Offkulturveranstaltungen. 3€ wird der normale Preis werden. Longdrinks wirds nicht mehr unter 6€ geben.“
      Diese Zeiten sind doch schon seit ca. 4 Jahren vorbei. In Hamburg auf dem Kiez zahlt man locker 2,80€ für Plörrbräu und 3+€ aufwärts für Bier, Longdrinks unter 7€ undenkbar, und das alles VOR der „Tarifreform“. Wenn man jetzt also nochmal um 15% erhöht, dann wird nur eines passieren, alle kaufen ihr Bier/Longdrink/whatever beim Kiosk gegenüber, der auch die ganze Nacht aufhat, keine Musik spielt, keine GEMA zahlt und Bier heute schon für 1,20 anbietet…

  3. Ich war DJ in den Anfängen der 80er. Da gab es Schallplatten und Kasetten. Es gab zwar die Gema, aber es ging immer um Musik. Heute geht es nur um Geld. Ums Geld und nochmal ums Geld. Schade eigentlich… Aber ich kann Dich trösten… Ausser Empörung wird da nichts sein. Dann rutschen die Tanzveranstaltungen halt in private Parties ab. Da darf dann auch noch geraucht werden. Und wenn es nicht in Facebook steht ist auch keine bewaffnete Polizei zu erwarten.
    Die Kids dröhnen sich dann mit harten Sachen zu und alle sind sich wieder einig… Jugendliche sind asozial und illegal. Mal schaun wo wir dann das Geld aus der Tasche gezogen bekommen.

  4. Ist es wirklich kriminell, wenn bei einer Veranstaltung, die auf der Musik (den immateriellen Gütern) anderer basiert, auch Gelder an diese fließen sollen? Wieviele Besucher sind denn in einer Diskothek von 250qm an einem Abend zu erwarten? Bei tieferer Recherche wirkt das alles wie eine inszenierte Kampagne. GEMA-Bashing scheint allen spaßzumachen. Dass dahinter die Urheber stecken und keine „Halsabschneider“ ist gesetzlich verankert. Natürlich gehören Verteilschlüssel und auch Tarife reformiert. Dafür ist die GEMA auch bereit – aber wieso sträubt sich der DEHOGA Bundesverband dagegen? Weil er nur die großen der Branche vertritt, die hier endlich mehr zahlen müssten im Vergleich zu anderen?

    Im Übrigen bekommen Musikanten ihr Geld nicht von der GEMA sondern von der GVL. Warum geht da niemand auf die Barrikaden?

    Lesenswert ist hier auch folgender Artikel: http://www.mtmediaportal.de/die-neuen-gema-tarife-2013-oder-heute-schon-gejammert/

    Also Bitte – informieren, bevor hier Clubsterben und Arbeitslosigkeit prophezeit werden….

    1. Aha. Es ist gesetzlich verankert, dass dahinter die Urheber stecken? Naja, jedenfalls nicht die Urheber der Lieder, für die ich 400 EUR pro Abend einsammeln soll. Echt nicht. Die GVL wir %ual auf die GEMA draufgeschlagen. Und auch der Club muss GEZ zahlen und KSK, auch wenn die Künstler nicht in der KSK sind. Wenn man das alles umrührt und „Ungerchtigkeit“ draufschreibt, trifft man auch den Kern der Sache, aber dann blickt gar keiner mehr durch. Wieso keiner auf die Barrikaden geht, weiß ich auch nicht. 🙂

  5. He Tom, vielleicht erinnerst du dich, Seehausclub, ewig her. Verdammt guter Artikel, der wohl genau so ungehört verpuffen wird wie jede andere halbwegs anständige Meinung heutzutage.

  6. Guter Beitrag. Wird von mir weiter gereicht. Du hast die Problematik sehr gut erfasst. Aber leider ist das was die Gema macht nur die Spitze des Eisbergs. In 2 Tagen ist der ESM und der Fiskalpakt durch wenn Deutschland ihn unterschreibt. Und dann ist so leid mir das tut der künstlerische Kahlschlag der entsteht nicht mehr das größte Problem. Denn den gesellschaftliche Kahlschlag in den Sozialleistungen wird keinen mehr kalt lassen außer man gehört zufällig zu den guten 1%

  7. Es ist an der Zeit, sich gegen all das hier beschriebene zu wehren!

    Die fortwährende Schaffung von Gesetzen und Beschränkungsmaßnahmen,die mit den byzantinischen Formalitäten die unbedeuntendsden Lebensakte umgeben, hat zur notwendigen Folge die zunehmende Einengung der Spähre, in der sich die Bürger frei bewegen können. Ein Opfer der Illusion, die Freiheit und die Gleichheit würden durch Vermehrung der Gesetze besser gesichert, werden die Menschen immer mehr dadurch gehämmt. Sie nehmen diese Hemmungen nicht ungestraft auf sich. Gewohnt, jede Art von Joch zu ertragen, suchen sie ein solches bald auf und büßen zuletzt alle Spontanität und Energie ein. Sie sind dann nur wesenlose Schatten, passive Automaten, willen-, widerstands- und kraftlos.

  8. gerade spartenveranstaltungen in kleineren clubs werden bluten müssen.
    kleine rechnung: club mit bühne und sitzplätzen 300qm
    veranstaltung mit spartenmusik 150 gäste
    eintritt 4.-
    da werden knapp 300.- an die gema fällig.
    wenn ich dann noch werbung und miete abziehe bleibt nicht mehr genug den dj zu zahlen.
    sollten nicht gerade die kleinen clubs und veranstalter entlastet werden?
    alles eine grosse lüge und abzocke

    1. Und wie bezahlst bei 150 Leuten mit 4 EUR, Eintritt Miete und Werbung?
      Und was machst Du, wenn wegen schlechten Wetters oder FUSSBALL mal nur 75 kommen. Dann kostet es ja genau so viel.

  9. Thomas, ich finde deinen Beitrag großartig. Er lässt spüren, wie sehr dir das wirklich an die Substanz geht.

    Ich habe selbst diverse Rezensionen (kostenlos) zu Gothic- und Mittelalter-Bands geschrieben und Interviews mit ihnen geführt (ebenfalls kostenlos). Ich habe auch schon als „Hobby-DJane“ in meiner Lieblingskneipe aufgelegt (selbstverständlich kostenlos). Es macht mir Spaß, andere Menschen für „meine“ Musik zu begeistern.

    Aber seien wir doch mal ehrlich: Wie viele Leute interessieren sich gerade für „Nischen-Musik“? In meiner Lieblingskneipe gibt es hin und wieder Konzerte. Da passen aber höchstens 150 Leute rein. Wie soll sich das in Zukunft tragen?

    Und auch bei großen Festivals wie Amphi, WGT, Blackfield und ähnlichen: Vergleicht man, was die jetzt zahlen müssen und was in Zukunft fällig wird, wird doch deutlich, dass das nicht mal eben über höhere Getränkepreise (die Gastronomie liegt in der Regel sowieso in völlig anderen Händen) reingeholt werden kann. Und selbst wenn dem so wäre: Schon jetzt stöhnen die Besucher des Amphi regelmäßig über die horrenden Preise für Essen und Getränke auf dem Messegelände. Wovon der Veranstalter nicht einmal etwas hat. Um das Gelände nutzen zu können, muss er den Gastro-Betrieb in Kauf nehmen. Er kann das also nur auf den Ticket-Preis umlegen:. Fazit: Für viele werden solche Veranstaltungen zu teuer. Es gibt weniger Teilnehmer. Das Festival trägt sich nicht mehr und wird eingestellt.

    Noch zwei Beispiele:

    Mein Vater war Heilpraktiker. Im Warteraum ließ er anfangs (frühe 80er Jahre) Musik von der Kassette laufen. Z.B. Julian Bream (Gitarrenmusik). Oft wurde meine Mutter danach gefragt, was das denn sei, und die Leute notierten sich den Namen, weil sie sich „von dem etwas kaufen“ wollten. Dann kam die GEMA und forderte einen entsprechenden Beitrag. Der rechnete sich für meinen Vater nicht. Also wurde keine Musik mehr gespielt. Und auch keine Werbung für selbige gemacht. (Viele Ärzte und Heilpraktiker gingen damals dazu über, nur noch Radiosendungen laufen zu lassen, weil das günstiger ist).

    Mein Mann und ich haben ein Stadtführungsunternehmen. Vor einigen Jahren boten wir öffentlich eine Stadtführung an mit einem kölschen Sänger, der eine Reihe bekannter Songs (z.B. „Dat Wasser vun Kölle“, „Viva Colonia“, „Heimweh no Kölle“ („Ich möch zo Fooß no Kölle jonn“ ) etc. auszugsweise bzw. als Potpourrie darbot.

    Plötzlich stand die GEMA bei uns auf der Matte und wollte etwa das Aequivalent eines Rosenmontagsumzugs für die Veranstaltung haben. Mit der Begründung: „Das ist öffentlich, quasi ein Umzug durch die Stadt. Da kann jeder reinhören.“

    Mit viel Mühe und Argumentation gelang es uns damals, zumidest FÜR DIESES EINE MAL das Damoklesschwert abzuwenden. Fazit; Wir bieten diese Veranstaltung, obwohl sie sehr beliebt war, nicht mehr an.

    Das sind so Bereiche, wo, glaube ich, vielen Menschen gar nicht klar ist, was ihnen über die Jahre schon von GEMA & Co. geklaut worden ist. Es war halt oft ein schleichender Prozess …

    1. Ich sagte es ja, viele sind schon jetzt massiven Repressalien ausgesetzt, bzw. könnten Stories erzählen, über die man nur mit dem Kopf schütteln würde. Aber wenn jeder seine Stories mal öffentlich macht, dann würden wir mla merken, wie dieser Verein bereits unser Leben reglementiert. Es massiv einschränkt. Und unverschämt zulangt. Die Vorstellung, dass man 400 EUR bezahlen soll, damit man 200 Menschen 7 Stunden lang Musik vorspielen darf, ist einfach absurd, zumal keine der Bands davon etwas nennenswertes sieht.

  10. Wer sich 2 Euro für 7 Stunden Musik nicht leisten kann (das basiert auf der Berechnung von Silberstreif), der hat doch im Leben etwas grundverkehrt gemacht. Auch wenn ich mein Geld mit geschriebenen Texten und nicht mit Kompositionen verdiene: Meiner Beobachtung nach haben die meisten Club-Besucher einen deutlich höheren Lebensstandard als das Gros der Musiker. Die Frage ist, wer hier auf wessen Kosten leben bzw. sich amüsieren will…

    1. Ich würde gern die „geforderten 10%“ vom Einlass an die Künstler bezahlen. Nur leider bekommen die Künstler, die gespielt werden, von den 400 EUR fast nix. Außerdem kostet eine Veranstaltung nicht nur Aufführungsrechteabgabe. Zudem bemessen sich die Gebühren auf Größe des zu beschallenden Raumes und auf den Eintrittspreis und keineswegs auf die Summe der Einnahmen. Die Forderungen machen in nicht subventionierten Clubs eine Kulturveranstaltung ohne Drogenmissbrauch unmöglich. Es geht auch nicht darum, wer einen höheren Lebensstandard hat. Und es geht nicht um solche Spaltereien. Ich teile die Welt nicht in Musiker und Kneiper ein. Es gibt viele Kulturschaffende, egal ob Musiker oder Veranstalter, die in diesem System ausbluten werden.

  11. Naja, das Problem ist ja wohl ein pan-gesellschaftliches, wenn ich es so sagen darf. Ich bin nicht ganz so tief drin in der Materie,wie ich es vielleicht sein sollte, aber: Die GEMA agiert hier natürlich aus dem Blickwinkel der Macht. Das ist nicht neu. So wie sich Politiker die Diäten munter selbst erhöhen, reißen auch GEMA und GEZ die Fresse immer weiter auf. Und aus deren Blickwinkel ergibt das auch Sinn, denn die Mächtigen sehen immer nur die Mächtigen. Und kriegen dann das Toben. Warum hat der Große mehr als ich Großer? Nach unten schaut da keiner.
    Natürlich wird es mehr als genug Clubs und Insitutionen geben, wo die GEMA vollkommen zurecht hinlangt. Der Fehler: Kunst und Kultur waren noch nie geschaffen für Pauschallösungen. Apparate aber kennen nur pauschale Vorgehensweisen, Gleichmacherei. Wie oben gesagt: Die GEMA sieht ein Gerechtigkeitsdefizit in ihren Finanzerträgen. So gesetzt mag das sogar stimmen. Was sie nicht sehen ist ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die GEMA ist eben nicht ein reines Abrechnungssystem, sondern könnte ein guter und integraler Bestandteil unseres Kulturwesens sein. Denn der Grundansatz ist ein guter: Wie kommen Musiker an ihre Knete, wie ist ihr Urheberrecht gewahrt?
    Leider persifliert und perversiert es die GEMA aber. Denn sie hat sich von der Kultur entkoppelt und arbeitet – wie so viele Apparate – nur noch an der eigenen Arterhaltung. Ich erspare mir an dieser Stelle mal den vollkommen berechtigten Verweis auf diverse totalitäre Dreckssysteme – so linksalternativ bin ich denn auch wieder nicht.
    Aber – das ist eben auch nicht neu: Jeder Aparat, der das Gefühl hat gerade überflüssig zu werden – beginnt zu strampeln. Und auf Teufel komm raus zu beweisen, wie ertragsreich er doch ist. Zig Ministerien und Ämter haben diese Verhaltensweise schon an den Tag gelegt. Wie, die Regierung überlegt uns einzusparen? Großoffensive!!!
    So jetzt halt die GEMA.
    Die gute Nachricht also:Der Riese liegt im Sterben, Himmel ist die GEMA am Röcheln. Die schlechte Nachricht: Um Gulliver umzustürzen braucht es viele Zwerge.
    Der GEMA ist die Kultur in unserem Lande drecksegal – das ist der harte und untragbare Punkt. Und Kultur – wieder nicht neu – beginnt bei den vermeintlich Kleinen. Denen, die vor 3 Leuten auftreten, die 20 qm Saalfläche haben.
    Liebe Grüße!

  12. Sehr differenzierte Meinung, die ich fast ausnahmslos so unterschreiben würde. Außer: „Diese Petition ist lächerlich und wird nichts verändern.“ – sie zu unterschreiben tut 1. nicht weh und 2. wurden schon ganz andere Institutionen anahnd solcher Petitionen (zumindest teilweise) in die Knie gezwungen, bzw. mussten in ihren Forderungen weit zurückrudern.

    Natürlich wäre es noch wirksamer, wenn diese ca. 200.000 Personen, die die Petition bisher unterzeichnet haben, direkt auf die Straße gingen und lautstark gegen die GEMA Widerstand leisteten; eine Petition im Internet ist aber ja schon mal ein Anfang. Man muss die einzelnen Proteste jeweils für sich honorieren und hoffen, dass daraus demnächst eine große Protestwelle entsteht. Und nicht zuletzt die Entscheidungsträger innerhalb der Politik müssen den verbrecherischen Methoden dieses Vereins ein Ende setzen.

    Ein Anfang ist gemacht.

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