Let´s talk about Sex

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Na siehste, funktioniert doch immer noch. Willkommen. Mach Dir nichts draus. Jeder Biologe kann das erklären. Auch wenn wir diesen Mechanismus durchschauen, so ist da irgendetwas in uns, was uns, je nach sexueller Orientierung, auf die entsprechenden Ärsche und Möpse starren lässt. Nur  ist Gucken und Grapschen so eine Sache. Es entblöst das Triebhafte in uns und deshalb lieben die Zivilisierten die Kompensation. Zudem finden alle den Sex, bei dem sie nicht mitmachen dürfen oder können oder wollen, immer ziemlich Scheiße.

Die Verpackung ist wichtig, … nein, nicht der Bikini oder das Dessous. Wichsvorlagen kann man am besten anstarren, wenn sie beispielsweise singen oder andere Kunst machen. Halbnackte Frauen kann man am besten auf Auto-Messen fotografieren. Wir geben massenhaft Geld aus und nehmen jedwede Erniedrigung in Kauf – für den Sex, den wir gern hätten. Aber nichts erregt uns so sehr, wie der Sex, den andere haben. Sex sells, beschäftigt, lenkt ab. Egal ob wir machen, zusehen oder eben drüber sprechen. Die beste Form, mit Sex klarzukommen, ohne anzuecken, ist der Voyeurismus aus der Anonymität der Medien. Man kann andere prima belauschen, ohne dabei erwischt zu werden, Sprachsekrete absondern, ohne erkannt zu werden… Das ist, ich muss es jetzt auch mal sagen: leider geil.

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Beweisfoto: Verlinkung des Skandals durch Bruno Kramm mit sage und schreibe 64 Kommentaren in nur 15 Stunden. Wenn Bruno über so unsexy Sachen schreibt, wie Umwelt, Urheberrecht oder seine Kandidatur bei den Piraten, haben meistens deutlich weniger Menschen eine Meinung.

Jetzt hat eine Politikerin es doch tatsächlich geschafft, mit ein paar Twittereien über ihre Fickereien in die Bild zu kommen. Im 21. Jahrhundert! Außerhalb Amerikas! Ich finde das großartig. Natürlich ist es eine Piratin. Andere Politikerinnen haben keinen Sex, jedenfalls will sich das keiner… aber lassen wir das…

Die neue Kraft in der Deutschen Politik beginnt also langsam, das „System“ zu durchschauen und es zu nutzen – sowohl den Primaten in uns allen, als auch die Medienlandschaft, die sich vergeblich auf die jungen Wilden einzuschießen versucht, seitdem sie Berlin geentert haben. Offensichtlich haben ein paar Piraten erkannt, dass die Allianz aus BILDs und ILLUs der berühmte „liebste Feind“ ist. Denn nichts geht innerhalb Deutschlands so an der Realität vorbei, wie die kollektive(n) Meinung(en), die wir uns über die Piraten gebildet haben (lassen). Und weder Nazivergleiche, Holocaustleugnung, Dilettantismus, Verfassungsfeindlichkeit, Linksradikalismus, Anarchie, Rechtradikalismus, noch Hartz4-Bezug bei gleichzeitiger Ausübung eines Ehrenamtes, Künstlerfeindlichkeit und andere Enthüllungen haben der Partei geschadet.

Dass Bekämpfen zudem sehr schwierig ist, hat ja beispielsweise Frau Holofernes von Wir sind Helden zu spüren bekommen, als sie die blöde Werbeaktion von BILD öffentlich ablehnte und damit mehr Wirbel für den „Feind“ verursachte, als sie vermeiden wollte…
BILD kann man nicht bekämpfen, nur ignorieren. Und das ist auf die Dauer sehr unbefriedigend, wenn man auch mal Meinung machen will. Weil die Massendompteure eigentlich, ob der Dummheit eines jeden Einzelnen, bei solchen Aktionen immer die lachenden Dritten sind, die am meisten davon profitieren, ist es auch vollkommen legitim, ab und an mal mitzumachen, um im Gespräch zu bleiben, wobei egal ist, was da über einen geredet wird. Und „im Gespräch bleiben“, das ist gar nicht so einfach, man muss immer tiefer in die Enthüllungskiste greifen, weil die Gescheiterten vor den Redaktionen der Revolverblätter mit runtergelassenen Hosen Schlange stehen.

Fazit: Genau diese platte Nummer ist genau jenes Entertainment, was wir alle so sehr lieben. Damit das funktioniert, muss sich immer erst einer zum Affen oder eine zur Äffin machen. Dann können alle anderen Primaten drauf einsteigen und lautstark behaupten, sie wären etwas Besseres. Birgit Rydlewski (42) ist also eine Heldin, eine Märtyrerin, denn sie opfert sich für ihre Partei und für uns alle. Wenn es solche Menschen nicht gäbe, dann gäbe es auch nichts, worauf wir uns, natürlich rein metaphorisch, einen runterholen könnten.

Weil Sex immer so ein dankbares Thema ist, bin auch ich eingestiegen. Nicht zuletzt habe ich auch ein Buch geschrieben, in dem Sex vorkommt.

Und jetzt guck mal, wieviele diesen Artikel schon gelesen haben…

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

1 Kommentar zu „Let´s talk about Sex“

  1. Mh, diese Frau soll nach Meinung des größten deutschen Schmierblatts einen gesamten Landtag erregt haben. In NRW kann ichs verstehen. Die eingeborenen Fraunen und Mädchen dort sind ja nicht gerade für ihre Schönheit berühmt. Man könnte den allergrößten Teil der dort lebenden Frauen als bestenfalls unauffällig bezeichen, nachdem sie ein halbes Jahr im Badezimmer versucht haben, sich aufzuhübschen. Als Ur- Thüringer bin ich in dieser Hinsicht sehr verwöhnt. Dort wuchsen und wachsen immer noch jede Menge wirklich attraktive Frauenzimmer auf. Aber ich schweife ab. Bei dieser ganzen Geschichte ist eher der Versuch zu missbilligen, die heutigen Moralvorstellungen und die fortgeschrittene Emanzipation systematisch zurückzurollen oder zumindest auszuhöhlen. Diese reaktionären Tendenzen im Lande haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aber auch wenn es den Meinungsmanipulatoren nicht passt: die Welt dreht sich weiter und wird letztendlich doch die Ewiggestrigen, Engstirnigen und Kleingeistigen überrollen. Und es bleibt die Hoffnung, dass nicht genausoviele wieder nachwachsen.
    „Der Sinn des Lebens ist das Streben nach Erkenntnis.“

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