Welt-Macht-Spiel

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Die Welt spielt verrückt. Gut, das tut sie schon immer. Nur überfordert sie die Menschen schon allein in der Anzahl der Spiele, die sie simultan verrückt spielt. Wenn wir sagen, dass die WELT verrückt spielt, so meinen wir nicht,  dass diese malträtierte Kugel, die wir als Species pießacken, so tut, als wäre sie gaga, sondern in erster Linie eine Reihe von Ereignissen, die wir in ihrer Intensität, Komplexität und mitunter auch Grausamkeit nicht verstehen. Diese Floskel „Die Welt spielt verrückt“ sagt auch, dass wir vor Tempo und Unüberschaubarkeit der Ereignisse kapitulieren und alles in den Kopfschütteltopf werfen. Sie bedeutet Kapitualtion, die Entsagung vor Verantwortung mit dem Wissen, dass wir zwar unsere Coins inserten, aber dann nicht an die Hebel dürfen…

Zumindest aber nehmen wir wahr, was da passiert:
Angelina Jolie lässt sich ihre Brüste abnehmen und neue dranbauen. Und sie sagt, dass das alle Frauen auch machen sollen, weil sie sonst sterben könnten. Viele Frauen glauben ihr und machen den Sponsor und seine Werbeträgerin noch reicher. Sie stehen Schlange, obwohl sich die meisten das Wiederdranschrauben gar nicht leisten können. Der Verteidigungsminister lügt, was ja nicht weiter schlimm ist, aber er lässt sich auch dabei erwischen, was natürlich so dämlich ist, dass alle Angst haben, er könnte die Armee nicht mehr befehligen.  Die Russen machen Homosexualität strafbar. Das katholische Weltbild folgt nunmehr einem homophoben Fußfetischisten und verbietet sich und somit einem Viertel des haptischen Buchmarktes in Deutschland Literatur über Schwule. Sex ist und bleibt in deren Weltbild eine Waffe, die die Schafe im monogamen Geschlechterkampf zum Zwecke der Erschaffnung neuer Schafe einsetzen dürfen. Und für die Schäfer bleibt Sex eine Freizeitbeschäftigung, wenn das Geschlecht des Schäfchens noch nicht so richtig feststeht. In Italien regiert bald wieder ein korrupter Päderast. Derweil versinkt Deutschland im dritten Jahrhunderthochwasser in nur drei Jahren. Griechenland schaltet, nachdem Bildungssystem, die Wirtschaft und die Krankenversorgung komplett zusammengebrochen sind, nun auch seine staatlichen Medien ab. Auch Spanien spart sich einfach tot. In der Türkei lässt ein von uns aufgeblasener Diktator sein Volk artgerecht mit Dönermessern jagen. In Syrien bekämpft ein von uns aufgeblasener Diktator sein Volk wie lästige Insekten. Und eine Diktatur, die uns aufgeblasen hat, lässt alle unsere Telefon- und Internetaktivitäten flächendeckend überwachen, während wir noch darüber streiten, ob unsere Regierung da mithören darf oder nicht. Bald schon wird der amerikanische Präsident ins eingezäunte, in den Ausnahmezustand versetzte Berlin kommen und uns in seiner unverwechselbar charmanten Art fragen, ob wir den totalen Krieg wollen.

Draußen vor meiner Tür verdienen halbkriminelle, verhaltensgestörte Psychopathen ihre paar Kröten damit, dass sie Menschen denunzieren, die ihr Auto mal abstellen müssen. Ich zahle jeden Monat mehr für „Wetten dass?“ und „Tatort“, als ich in meinen besten Zeiten für die Rente übrig hatte. Ich muss, wenn ich in der Öffentlichkeit ein Geräusch machen will, das vorher bei der GEMA beantragen und will ich ohne Schrammen einigermaßen durchkommen, ist mein Leben und Meinen gerade wegen eines verstümmelten Bildungssystems und einer penetranten Meinungsindustrie jeden Tag  noch genauer vorbestimmt.

Derweil wird in Bayern einem Menschen, der glaubhaft behauptet, nicht verrückt zu sein und der deshalb auch nach sieben Jahren nicht mehr eingesperrt sein will, der Prozess verweigert. Wenn das Beispiel Schule macht und sich alle meine Exfrauen gegen mich verbünden würden, bekäme ich mindestens 2x Lebenslänglich. Ich kann Gustl Mollath nur raten, sich das nochmal sehr genau zu überlegen, ob er als Nichtverrückter wirklich in eine Welt entlassen werden möchte, die verrückt … gespielt wird.

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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