Der Grufti ist tot…

… es lebe der Grufti!

Ich war ein Grufti 2006

Gerade mal ein Exemplar ist noch übrig vom „alten“ Grufti. Und jetzt zieht er endgültig um – in die Edition Subkultur. Die neue Auflage ist der allerersten auch äußerlich wieder ähnlicher geworden. Doch der Reihe nach, da blickt ja sonst keiner durch.
2004 las ich zum ersten Mal aus dem Pamphlet Ich war ein Grufti vor. Aus dieser Lesung wurde ein Buch, das 2005 bei Edition Paperone erschien. Dem folgte eine zweite, limitierte Auflage mit einer CD bei Periplaneta, die ziemlich schnell vergriffen war. Seit 2007 gab es das Buch dann bei Periplaneta als Softcover, die ursprüngliche Erstausgabe war inzwischen mit neuen Texten ergänzt worden. Bis heute höre ich schöne Anekdoten um dieses Buch, von jungen Leuten, die den Grufti ihren Eltern zu Weihnachten als Selbsterklärung geschenkt haben, von Eltern, die mich beschimpften – bis hin zu Müttern, die sich zwar angegriffen fühlten, aber dennoch ihren Umgang mit ihrem Nachwuchs überdachten.

Ich war ein Grufti 2008

Mittlerweile ist die damalige Rebellen-Generation erwachsen geworden, und viele der im Grufti angesprochenen Dispute mit der „normalen“ Gesellschaft sind längst beigelegt. Aus den Hadernden, Revoltierenden und Kämpfern sind mitunter Spießer, Bürgerliche, Leichen und Ewiggestrige geworden. Die Helden von einst stecken mitten im Midlifecrisis-Management. Mittlerweile haben Jugendbewegungen gegen die gesellschaftliche Akzeptanz zu kämpfen. Wir leben schließlich im Zeitalter der „Echtzeitassimilierung“ von Protest- in Modebewegungen.

Doch Schriften, die aufbegehren, sollten dieser Welt erhalten bleiben.Der Grufti ist nun in seiner wahrscheinlich letzten Auflage erschienen. Und irgendwie ist er, nach beinahe 10 Jahren, in meinen Augen immer noch keine „Jugendsünde“.

Ich war ein Grufti 2013

Auch wenn ich mich in den Jahren verändert habe, stehe ich noch dazu. Das ist, mit Verlaub, ein sehr gutes Gefühl. Es hätte ja auch sein können, dass man sich nach so einer Zeit plötzlich von sich selbst angepisst fühlt, weil man plötzlich dem damaligen „Feind“ mehr ähnelt, als dem „Rebellen“, der man glaubte, gewesen zu sein.

Doch immer noch lebt ein Teil des Protagonisten in mir. Er zornt immer noch aufrichtig, verteidigt trotzig sein Kindsein und predigt unermüdlich Opposition als heiliges Prinzip.  *schelmischgrins*

THOMAS MANEGOLD: “Ich war ein Grufti – Ein Pamphlet für Eltern und missratene Kinder”
Buch, Softcover 108 S., ISBN: 978-3-943412-10-9,

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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