Und Tschüss … Gravis

kauftnichtbeigravis

Ich lass mich scheiden. Vom einstigen Apple Händler  meines Vertrauens.

„Ich geb das so weiter“ sagt der scheinbar teflonbeschichtete Roboter mit dem Gravis-T-Shirt. Zum werweißwievielten Mal keine Reaktion auf meine Beschwerde. Ja, wohinweiter geht denn die Information, dass sich ein Kunde betrogen, abgezockt und schlecht behandelt fühlt? Von Europas „führendem Apple Service Provider“!

Am 26. Mai versagte der Hauptrechner meines Verlags, ein MacBook Pro, seinen Dienst. Die Tastatur streikte. Aufs Kaufdatum geschaut. Puh… ich hatte noch „Hardwareschutz“ (Eine Garantieverlängerung auf drei Jahre, dazu Ersatz bei Diebstahl, Havarie usw… ) Ich habe diese Garantieerweiterung nie gebraucht, bis vor nunmehr 59 Tagen. Da ich dafür rund 150 € beim Neukauf draufgelegt hatte, für genau solche Fälle, nahm ich an, dass die Garantieerweiterung die Reparatur abdeckte. Ich gab mein Hirn also in die Reparatur. Was danach passierte, ist schwer zu beschreiben.

Gravis diagnostizierte einen Flüssigkeitseintritt, den sich wirklich niemand erklären konnte. Der allerdings auch schon ein paar Monate her sein musste…. Danach gab es eine zähe Kommunikation mit verschiedenen  Gravis-E-Mail Adressen wie kundenservice@ oder hardwareschutz@ –  und schließlich mit einer in Österreich ansässigen Versicherung, die uns zunächst zwei Formulare schickte, die wir ausfüllten – um uns dann zwei Wochen später mitzuteilen, dass sie den Schaden nicht übernehmen würden, weil wir nunmal nicht wüssten, wie der Kaffee oder was auch immer da reingekommen ist und dass sie deshalb grobe Fahrlässigkeit nicht ausschließen könnten …

Wir widersprachen und das Procedere ging von vorn los. 2 Formulare, zwei Wochen … und dann kam eine Mail, dass man den Schaden nicht übernehmen würde, weil Flüssigkeitsschäden generell nur bei sofortigem Defekt übernommen würden und nicht, wenn es Spätfolgen gäbe… Wir wunderten uns erst, doch dann studierten wir mal achtsam das Kleingedruckte im Hardwareschutzvertrag, das über mehrere Seiten genau solche Ausnahmen auflistet. Und wir stellten fest, dass wir gar nicht kommunizierten, sondern eben aus jenen AGB  immer rauskopierte Auszüge per E-Mail serviert bekamen. Wahnsinn! Für einen führenden Händler einer Nobelmarke ist das einfach unglaublich.

Die Mitarbeiter von Gravis, die wir kontaktierten, waren immer sehr bemüht, glaubhaft zu versichern, dass sie für dies und jenes nicht zuständig seien und hier gerade nur das machten, was ihnen aufgetragen wurde. Entscheidungsfähige Menschen und Leute, die den Marionetten jene Befehle erteilten, die da ausgeführt wurden, waren ebenfalls nie zu sprechen. Ich reagiere auf Menschen, die nur Befehle ausführen und nicht zuständig sind, etwas allergisch. Wir wissen alle, wo das hinführt.

Auf unseren Hinweis, dass man diesen Vorgang rechtlich prüfen lassen würde … Schulterzucken. Auf den Hinweis, dass man das öffentlich machen würde … Schulterzucken. Der Hinweis, dass man hier schon viele Jahre werweißwieviele Rechner und überteuertes Zubehör gekauft hatte … keine Reaktion.

Kurzum: Gravis brauchte 8 Wochen, um eine Garantieübernahme abzulehnen! Auf die Frage, was denn die Reparatur kosten würde, erklärte man uns, dass eine Diagnose 60 € kosten würde. Ohne die Unterschrift, das man diese 60 € bezahlt, wenn man die Reparatur nicht durchführen lässt, wurde nichtmal eine unverbindliche Aussage getroffen, das dürfe man nicht… ich wusste also nicht, ob es mehrere Hundert oder mehrere Tausend Euro sein würden, die Gravis mir da aus der Tasche ziehen wollte.  Nun war ich genötigt, darauf hinzuweisen, dass dies nicht der erste Rechner war, den wir bei Gravis erworben hatten. (Mein erster neuer Mac war ein G3-Power Mac BW. Ich kaufte ihn mir 1999 bei … Gravis und dazu Monitor, Drucker usw. und bin seitdem niemals fremdgegangen. Und auch als ich 2007 begann, für Periplaneta zu arbeiten, habe ich für den Verlag eine Mac-Peripherie aufgebaut, und dabei ausschließlich bei Gravis eingekauft).

Ich, der langjährige Kunde, war also dran mit Schulterzucken, packte mein MacBook Pro wieder ein, dazu ein mehrseitiges Fallverlaufsprotokoll –  und ging direkt zu freakinmacstore, wo mir innerhalb von 24 Stunden mitgeteilt wurde, was mit meinem Rechner los ist und wieviel es kosten würde. Nach drei Tagen war der Fehler behoben. Kosten: 360 €. Das ist ein Kundendienst.

Gravis hielt sein unpersönliches, nichtssagendes Procedere bis zum bitteren Ende ein. Am Schluss bekamen wir sogar die E-Mail, mit der wir aufgefordert wurden, den Servicefall zu bewerten!

Es geht hier um extrem hochpreisige Computerhardware, in erster Linie von Apple, einer Marke, die zu den teuersten der Welt zählt, die Händlern hohe Auflagen macht, bevor sie ihnen gestattet, ihre Produkte zu veräußern. Um Qualität und Exklusiviät … bla bla. Meine finale Erfahrung ist: Gravis ist mittlerweile ein wunderschön eingerichteter Saustall, der mich als Kunden schlecht behandelt, der Verantwortung outsourced, Kunden abzockt und dem ich scheißegal bin. Als ich dem Personal das mitteilte, wurde nichts unternommen, diesen Eindruck zu ändern.

Die entgeltliche Garantieerweiterung entpuppte sich als Mogelpackung. So eine Zusatzleistung ist für mich nur dann sinnvoll, wenn mir im Fall einer Havarie schnell und zuvorkommend geholfen wird, denn manche Menschen kaufen sich in der Tat noch Rechner, die über 1500 € kosten, weil sie damit arbeiten. Ich will nicht, dass mir jemand wochenlang aus seinen AGB zitiert, die das Angebot soweit relativieren, dass sich der Sub-Sub-Subvertragspartner eigentlich immer rausreden kann. Der Schaden, den die lange Ausfallzeit verursacht hat, ist nicht messbar. Und ein Ende des Streits wegen einer kaputten Tastatur(!) ist nicht abzusehen. Nach 60 Tagen (!) ist der kalte Entzug nun vorbei 🙂 Und Gravis hat jetzt einen Kunden weniger … oder zwei … oder drei … Eher würde ich mir ein USB-Kabel selbst zusammenlöten, als noch einmal auch nur einen Cent diesem Unternehmen in den Rachen zu werfen.

 

PS: Bei ein paar Menschen weckte der Aufkleber auf dem Mac komische Assoziationen.

Deshalb, zum politisch korrekten Teilen , habe ich mir erlaubt zwei Alternativbilder zu gestalten … Wer eine andere Schriftart haben möchte, kann sie einfach beantragen.

 

 

kauftnichtbeigravis60s

 

kauftnichtbeigraviscomic

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

4 Kommentare zu „Und Tschüss … Gravis“

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