Urläubchen auf Usedom (Tag 4)

Ich war mutig. Ich war im Wasser. Kniestrumpfbundtief… Der Fuß ist immer noch unterkühlt. Meine Nachbarn hören NDR 1 und singen manchmal mit. Es sind alles Lieder, die mich an unrühmliche Dinge aus dem Kambrium meines Lebens erinnern, die ich glaubte, längst vergessen zu haben.

Zinnowitz ist auch für seine überall im Promenadenpark herumstehenden Holzskulpturen berühmt. Als verantwortungsbewusster Urlauber habe ich die besten fotografiert. Ohne jemanden danebenzustellen.

Skulptur auf Usedom

Ich weiß nicht ob der Mensch, der bei diesem Bild Modell gestanden hat, noch lebt, aber diese Skulpturen machen Staunen und wollen so gar nicht ins Klischee passen. Denn nirgendwo sonst hat die subventionierte Zivilisierung einer Region solche originiellen, mitunter kauzigen Touristenattraktionen geschaffen: Tauchglocken, die Urlauber versenken, ein Lift-Restaurant, dass alle Stunde zwei Meter nach oben fährt, damit man besser übers Flachland schauen kann, jemand, der die chinesische Terrakottaarmee nachgebaut hat… (für die agyptischen Pyramiden hatte es dann doch nicht gereicht) … ach, und dieser Park, wo die Häuser auf dem Kopf stehen…
Die Zeit ... ist das Feuer in dem wir verbrennen :-)Und auf dem Weg zu derlei zeittotschlagenden Sinnlosigkeiten rennt man jeden Tag an diesem Mann vorbei … oder man kann sich auf eine Bank setzen und sich wie ein kleiner Fisch fühlen.

Doch auch dieses Wunder hat eine irdische Erklärung: Seit 2004 findet im Mai hier das  „Holzbildhauer-Symposium“ statt. Es ist die einzige Veranstaltung seiner Art in Deutschland, bei der Holzbildhauer aus aller Welt sich hier zusammenfinden und Eichenstämme zerkleinern. Dann läuft hier Jazz und es entsteht große Kunst. Live.

Passend dazu plärrt Katja Ebstein gerade vom Balkon gegenüber „Wunder gibt es immer wieder“ gegen einen einsamen Laubbläser an, während unsere Nachbarn gerade den Familien-Van für den tagtäglichen Strandausflug beladen.  Von hinter den Dünen hört man das Schreien und Husten der Makrelen, die heute in den Brötchen enden werden – und ich weiß, es müssen noch sehr viele Eichenstämme zerstückelt werden, damit sich das ändert.

Usedom Holzskulptur

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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