Urläubchen auf Usedom (Tag 5)

UseToM Strandspaziergänge sind Balsam für die Psyche und richtig schlecht für den Teint. Wegen des Windes und der doch eher niedrigen Temperaturen merkt man nicht, wie die Sonne brennt. Weil man sich sehr lange in eine Richtung bewegt, fühlt man sich am nächsten Tag wie ein kleines ungewendetes Steak. Und sieht auch partiell so aus.  Dank Lichtschutzfaktor 33  und eines eher konservativen Kleidungsstils bin ich aber nach 10 Kilometern noch immer weiß wie Toastbrot.

Auf dem Weg nach Koserow begegneten mir nasse Hunde, viel nackte, rothäutige Menschen und eine Sprotte, die ganz offensichtlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Wir haben sie, wie man das im Fernsehen bei den Walen sieht, mit Wasser bespritzt, wiederbelebt und mit vereinten Kräften zurück ins Meer geschoben.

Gestrandeter Fisch UsedomIn Koserow hatten einst sogenannte Salzhütten gestanden, in denen das Salz gelagert wurde, in das man die Fische einlegte, die nicht eines natürlichen Todes gestorben waren … Eine Sturmflut zerstörte diese Gebäude und schwemmte das Salz in die Ostsee. Deswegen schmeckt diese immer noch ein bisschen salzig… Das ist natürlich nur eine urbane Legende. Jedes Kind weiß ja, dass die Ostsee beim ersten Klimawandel entstanden ist. Die Neandertaler hatten damals immer Salz auf das Eis gestreut, damit sie bei der Mammut-Jagd nicht ausrutschten. Irgendwann ist alles abgetaut und durch das Streusalz ist die Ostsee eben salzig geworden…

Startrampe OstAußerdem waren zwischen Zinnowitz und Koserow, in dem kleinen Örtchen Zempin, die Startrampen der V1, deren Reste man heute noch sehen kann. Die Schienen zwischen den Dünen gehören inzwischen zu einem Campingplatz. Back to nature. Die V1 war der erste Marschflugkörper. Und in den Händen der Nazis eine Terrorwaffe. Daraus bastelten sich die Amis dann ihre cruise missile, also ein Symbol für Frieden und Freiheit. Gegen deren Existenz sind dann die Friedensaktivisten demonstrieren gegegangen. In den 90ern hat man deshalb das Ballerspiel erfunden. Die Demonstranten hockten dann wieder daheim. Und aus der Mischung aus Marschflugkörper und Egoshooter wurde die Drohne …

Entgegen des landläufigen Klischees über die politische Einstellung Vorpommerns, hält sich aber die Verehrung der bleiernen 30er und 40er Jahre zumindest optisch sehr in Grenzen. Lediglich eine Depesche aus Greifswald ereilte uns via Volksempfänger. Nämlich, dass die rechten Parteien unter ihren Mitgliedern bereits 20% Frauenanteil haben. Ansonsten weniger Fahnen und Parolen als in Berlin. Das zeigt wieder einmal, dass der gemeine Volksfisch doch immer vom Kopf her das Stinken anfängt. Aber das sollte niemanden abhalten, ihm unablässig aufs Maul zu küssen, vielleicht wird ja irgendwann eine schnuckelige Prinzessin draus.

Usetom- fish kisses in zempin

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Autor: Thomas Manegold

Autor, Künstler, Mediengestalter, Periplanetaner

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