CORONA TAGEBUCH – Eintrag 4

Mittwoch Mittag. Zur Stunde sitzen ein paar Wissenschaftler und ein paar Politiker irgendwo herum und versuchen, ein paar Dinge zu entscheiden, ohne sich festlegen zu müssen. Gut, klingt jetzt ein bisschen tendenziell kritisch – und ist auch so gemeint.  Ich habe wegen meiner Meinung darüber schon viele Freunde verloren… gut, es waren jetzt Facebook-Freunde. Aber das sind halt die einzigen, die man im Moment hat.

Auch kritiklos Befürwortende der „Maßnahmen“ bemerken langsam Sehnsüchte und psychische Auffälligkeiten, die Isolationen so verursachen.  Ich mach mir zudem Sorgen ob der Entwicklung der frühkindlichen Phase meines Sohnes. Das wird aber jene, die da gerade zusammensitzen und „entscheiden“, nicht tangieren, denn das sind alles Soziopath…ierende. Also nicht per se gestört, aber mindestens während der Ausübung ihrer Tätigkeit … ok, ich merk schon, an der Kunst des Relativierens muss ich noch arbeiten … also Soziopathen. (Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Anteil der psychisch gestörten unter den Politikern und Führern und Entscheidern … )

Mir ist aufgefallen, dass die größte Lüge in der Krise die Behauptung war, dass COVID 19 die Menschen gleichmachen würde, weil Grenzen, Geld und Status die Krankheit nicht aufhalten. Doch nur das letzte Hemd hat keine Taschen. Nichts hatte mir zuvor die Unterschiede zwischen den Menschen so klar vor Augen geführt, wie jetzt diese Krise. Wir rotten uns noch mehr in Meinungsblasen zusammen und diese sind immer von erstaunlich ähnlichen Menschen bewohnt. Die Systemrelevanten sind allein unter sich, die Corona-Urlauber, die Gelangweilten, die mit Kindern und die, deren Existenz massiv bedroht ist. Achja, hab ich ganz vergessen, da gibts ja noch die, die sich freiwillig wegschließen, weil sie bedroht sind. Die mit dem Risiko, schwer zu erkranken. Die können mein Geseier über meine Luxusprobleme ganz sicher nicht verstehen.
Um diese Menschen ist es erstaunlich still geworden.
Glücklich können sie jene schätzen, die zwei oder mehr Bubbles bewohnen, denn bei denen ist im Denken noch ein bisschen Perspektive, … also räumlich, nicht zeitlich.

Der hier Sinnierende ist, wie man unschwer erkennen kann, derzeit teilzeitalleinerziehend und gehört weder zu denen, die systemrelevant sind, noch zu jenen, die sich langweilen … Er ist über 50, also auf dem Weg von der Midlifecrisis hin zur sogenannten Risikogruppe.

Wir Künstler waren vor der Krise auch noch die Rebellen, die gerngesehenen Provokateure, Visionäre, Selbszerstörer, die Clowns, Mahner oder die Erstbegehenden der neuen Wege. Ok, das wurde, mit Alkohol übergossen, ein riesiges Freudenfeuer, das, als man es mit Geld löschte, eine drei Komponenten-Asche ergab: Schlager, Comedy und Kabarett. Aber immerhin. Heute dürfen die Clowns sich nur noch ein bisschen über die Verlotternden lustig machen, wenn sie vorher mit den Händen ein Dreieck über den Kopf gebildet und #Wirbleibenzuhause getanzt haben. Systemkonformität ist nach vier Wochen existenzrelevant geworden. Nicht, weil wir in einer Diktatur leben, sondern weil wir uns gegenseitig umbringen. Natürlich nur rein virtuell… solange das Internet noch geht.

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Ratschlag für die Beratungen: Macht die Läden wieder auf. Macht die Spielplätze und Parks wieder auf. Schickt die Kinder wieder in die Schulen und Kitas. Meinetwegen langsam, schrittweise in 8 Wochen, mit Abstands- und Hygieneregeln und mit Auflagen, dass beispielsweise Desinfektionsmittel ausgeschenkt werden muss, sobald es wieder welches gibt …. Aber ein Fahrplan sollte halt Abfahrtszeiten beinhalten. Nicht nur das ungefähre Jahr. Und tut halt einfach so, als wäre es vollkommen sinnvoll gewesen, alles zu schließen. Verhängt meinetwegen euer Vermummungsgebot in ÖPNV, ÖPFV und in allen Banken und Sparkassen, so als Ausgleich. Niemand würde behaupten, das wäre noch genau so bescheuert, wie es vor drei Wochen noch ganz offiziell bescheuert war – und niemand würde behaupten, eine Mischung aus Instrumentalisierung, Inkompetenz, Entscheidungsfeigheit, Aktionismus und Machterhaltungstriebtäteritis würde die Gesellschaft spalten und kaputtmachen. Was ja auch so nicht stimmt. Denn schließlich machen nicht Söder, Laschet oder der Robert Koch uns kaputt, sondern wir selbst. Auch und vor allem deshalb, weil letztendlich alle versuchen, das Richtige zu tun.

P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. So oder so: Kauft bei den Erzeugern, bei den Urhebern und im Laden um die Ecke. Es geht um Leben und Tod.