Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

CORONA TAGEBUCH – Eintrag 4

Mittwoch Mittag. Zur Stunde sitzen ein paar Wissenschaftler und ein paar Politiker irgendwo herum und versuchen, ein paar Dinge zu entscheiden, ohne sich festlegen zu müssen. Gut, klingt jetzt ein bisschen tendenziell kritisch – und ist auch so gemeint.  Ich habe wegen meiner Meinung darüber schon viele Freunde verloren… gut, es waren jetzt Facebook-Freunde. Aber das sind halt die einzigen, die man im Moment hat.

Auch kritiklos Befürwortende der „Maßnahmen“ bemerken langsam Sehnsüchte und psychische Auffälligkeiten, die Isolationen so verursachen.  Ich mach mir zudem Sorgen ob der Entwicklung der frühkindlichen Phase meines Sohnes. Das wird aber jene, die da gerade zusammensitzen und „entscheiden“, nicht tangieren, denn das sind alles Soziopath…ierende. Also nicht per se gestört, aber mindestens während der Ausübung ihrer Tätigkeit … ok, ich merk schon, an der Kunst des Relativierens muss ich noch arbeiten … also Soziopathen. (Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Anteil der psychisch gestörten unter den Politikern und Führern und Entscheidern … )

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 3

„When people run in circles it’s a very very mad world“, sangen einst Tears Fears. Daran denke ich, wenn ich mit den anderen Privilegierten auf den sonst leeren Straßen meine Kreise ziehe. Mittlerweile kennt man sich. Und man grüßt sich wieder… auf der Straße… IN BERLIN(!)… Das hat schon ein bisschen was von Endzeit.

Der hier kreiselnde war vor der Krise frei, schaffend, Künstler und Workaholic. Er hat bereits mehrere Systemabstürze überlebt. Der eine war der Absturz des Sozialismus, da wechselte er nach Bayern, der andere war der von Windows 98, da wechselte er zu MacOS. Er hörte Metal auf Vinyl und Grunge auf CD und legte am Ende seiner DJ Laufbahn mit MP3-Files und Konsole auf und er hat 9/11 im Fernsehen gesehen. Da lag der Anteil der Deutschen, die das Internet täglich benutzten, noch unter 18%. Pandemien kann man nicht aufhalten. 

Privilegiert bin ich, weil ich Vater bin und überall hindarf, so lange ich mein Kind mit herumschleppe. Weil das Kind getragen werden will, ist mein Aktionsradius kleiner, als es mir mein Ausweis gestattet. Andere Privilegierte sind die Menschen mit systemrelevanten Berufen (Arschkarte, keine Ferien), also beispielsweise Lieferandos, Amazonen, SupermarktkassiererInnen, Ärzte, Drogenverkäufer, KrankenpflegerInnen… Die dürfen auch frei rumlaufen, schließlich werden deren Betriebe nicht geschlossen. Saufen daheim geht, aber Beutelwechseln oder Regaleeinräumen im Homeoffice muss erst noch erfunden werden, aber ja, das wird kommen, spätestens bei der zweiten Corona-Welle und falls wir bis dahin das Internet ausgebaut haben, sagt der Altmayer.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 2

„Mama?“, fragt der Kleine den Papa.
„Die Mama muss arbeiten. Die überlegt, wo wir Geld herbekommen.“
„Kita?“, fragt der Kleine den Papa.
„Nein, die Kita hat Ferien, die ist geschlossen.“ Für meinen Sohn wird wohl in der Grundschule der Begriff Ferien negativ belegt sein. Was jetzt nicht schlecht sein muss.
Dann zählt er noch die Vornamen derer auf, die er mit Vornamen kennt und die er seit über einer Woche nicht gesehen hat. Ich muss nicht antworten, weil wir gerade angekommen sind. Wir stehen vor der einzigen noch verbliebenen Wiese in unserem Distrikt, auf der wir regelkonform Ballspielen dürfen.

Der hier Schreibende wohnt am Rande von Berlin Prenzlauer Berg, einem Ort mit einer außergewöhnlich hohen Kinderdichte. Die sind eigentlich nicht das Problem. Aber es gibt hier naturgemäß auch viele Eltern und demzufolge Spannungen mit Menschen, die weder Kinder noch Eltern sind. Wie die meisten, die sich darüber lustig machten, ist auch er in den Augen der Anderen jetzt einer der Schlimmsten, also ein guter Vater. Er fragt sich immer, wenn diesbezügliches Erstaunen geäußert wird, was die Menschen denn erwartet hätten, wenn er Papa werden würde. Dass er seinem Sohn aus „Fight Club“ zitiert? Das ist doch vollkommen absurd.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 1

Die Welt steht nicht mehr Kopf. Sie steht mit beiden Beinen wieder auf dem Grund. Schüttelt sich. Dafür schießt uns nun kollektiv das Blut in die Schädel. Pulsiert, macht Kopfweh. Und wir können plötzlich nicht einmal mehr selbst entscheiden, ob Ibuprofen oder Paracetamol. Uns ereilt eine Erkenntnis: Wir lagen falsch. Die ganze Zeit. Und weil wir, also „die Menschen“ im weitesten Sinne, alle falsch lagen, haben wir es nicht bemerkt.
Dabei ist nichts passiert. Wegen einer menschgemachten ansteckenden Krankheit, nämlich der Gier, und wegen eines Glaubens, nämlich, dass die Wirtschaft wuchern muss, hatte man die Bedrohung einer anderen menschgemachten ansteckenden Krankheit unterschätzt – und zu spät reagiert. So musste man nach Wochen der Beschwichtigung plötzlich die Reißleine ziehen, den Menschen die Wahrheit sagen und sie dann ein bisschen einsperren, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken und krank werden und dann merken, dass ihr einerseits teures und andererseits kaputtgespartes Gesundheitssystem doch nicht so gut vorbereitet ist …
Menschen flogen aus ihrem Hamsterrad, Kinder aus den Aufbewahrungsanstalten, die Flieger wurden vom Himmel geholt und die Uhren angehalten.

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Wegen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie…

… sind alle meine Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt worden.

(TRESENLESEN im Periplaneta Literaturcafé, LESEBÜHNE VISION UND WAHN, LESEBÜHNE „Ohne Wenn und Laber“ (Z-Bar Berlin), MUNDWERK SPOKEN WORD GALA (Lovelite Berlin, Zimmer 16) …

Auch alle Veranstaltungen als DJ oder Vorleser außerhalb Berlins finden vorerst nicht statt. Das neue Buch musste auf Ende 2021 verschoben werden.

Bleibt gesund, bleibt zu Hause, lest meinen Blog und freut euch auf den Podcast, der in Arbeit ist. Wir sehen uns wieder…

 

Soundtrack Of My Life (021 Red Hot Cili Peppers „Otherside“)

Ich schütte mein Leben in einen Papierbecher
Der Aschenbecher ist voll

und ich kotz mir die Seele aus dem Leib
Sie will wissen, ob ich mich immer noch verkaufe.
Ich muß hinüber auf die andere Seite.
Wie lange wird es noch dauern.
Wie lange werde ich noch getrennt sein.
Bitte glaube nicht, glaube nicht, dass es schlecht ist.
Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Weltretten oder: Euer verlogener Altruismus kotzt mich an!

ZITAT: „Ich höre es leider immer noch viel zu oft: ,Warum sollte ich denn auf dieses und jenes verzichten, wenn ALLE ANDEREN es doch auch nicht tun?‘ Auch ich finde es toll, nach Malle zu fliegen oder mich shoppend durch die Konsumtempel treiben zu lassen, aber…“

Und dann folgen die arrogantesten Verlautbarungen, die man so absondern kann: „Wir sollten Vorbild sein“, „Kleinvieh macht auch Mist“, „Wir Erstweltler müssen den Drittweltlern doch zeigen, dass man nicht auf den Tisch kackt.“, „Unseren Kindern zu liebe.“ Und man sieht erigierte Geschlechtsteile der Äffinnen und Affen, während sie sich selbstgefällig in aller Äffentlichkeit in Selbstlosigkeit baden, weil sie nur noch einmal im Jahr in einem ärmeren Land sich den Übermenschen raushängen lassen oder nur noch besiegelte Waren einkaufen.

Denn damit wir unsere Maßlosigkeit nicht merken, gibt es jetzt das Tierwohl-Label, diverse Biolabel, den grünen Punkt und den grünen Knopf – alles Erfindungen, die die Zweifler weiter Konsumieren lassen sollen. Doch der grüne Knopf sagt nur, dass die Frau, die diesen Knopf angenäht hat, auf 90 Quadratzentimetern arbeitet, statt auf den üblichen 70 Quadratzentimeter. Würde man sie wirklich gerecht bezahlen, würde sie so dick werden, dass selbst die 90 Quadratzentimeter nicht mehr reichen würden. Fairness ist das Tor zur Maßlosigkeit der Anderen. Der grüne Punkt sagt, dass Du blöder Konsument dafür bezahlt hast, dass diese Verpackung ordnungsgemäß recycelt wird. Das heißt aber nicht, dass die Tüte nicht doch einfach in Polen verbrannt wird. Weiterlesen „Weltretten oder: Euer verlogener Altruismus kotzt mich an!“

Thomas MAnegold - Vision und Wahn 2019

Friedensweide und der Junge, den es niemals gab.

Periplaneta am Ende 2019

akilahwebSo aufs Ende vom Jahr hin drehen wir dann doch nochmal richtig auf. In den stürmischen Zeiten der Lauten und Einfältigen empfehle ich, bei Schenkungen an sich und andere darauf zu achten, dass diese Dinge nützlich sind und vielleicht sogar die Weisheit mehren. Ihr wisst schon, diese leckere Mischung aus Intelligenz, Bildung und Erfahrung. Den Einfältigen, also denen, die blöd sind und sich schlau meinen, würde ich gern entgegenbrüllen, dass … aber dann wäre ich einer von den Lauten. Ich gehöre gerade viel lieber der schweigenden Minderheit an, denn von allen Kanzeln dieser Welt blubbert uns aus hohlen Köpfen so ein abgrundtief leeres Gefasel entgegen.

Politiker beiderlei Geschlechts sondern Kalendersprüche und Werbebotschaften ab, während ausgerechnet die Satiriker, StandUp-Künstler und Kabarettisten für Wissen, Aufklärung und Aufsehen in der Politik sorgen. Das Schöne dieser erbärmlichen Entwicklung ist also, dass die Künstlerinnen und Künstler wieder gesellschafstkritisch, gesellschaftsprägend, politisch und parteiisch werden (was nicht dasselbe ist!).

friedenswebBei Periplaneta haben wir am Ende des Jahres in unseren Novitäten auch zwei latent politische Werke stehen. Dem einen sieht man es nicht an: Florian Langbeins Roman „Friedensweide“ beschäftigt sich mit der Xenophobie in dünn besiedelten Gebieten.

„Akilah und die Legende von Bashir“ von David Jonathan zeichnet eine Flucht nach, thematisiert aber auch das Phänomen der Heldenbildung und was die Medien damit zu tun haben.

26 Bücher werden es 2019 sein. 26 neue Werke, mit denen wir die Welt zu bereichern gedenken.

 

 

Winter und Weihnachten

Ich würde ja jetzt gern sagen: „He, kauft mein Buch und verschenkt es an alle, die ihr kennt … aber ich komm einfach nicht dazu, ein neues zu schreiben. „Heimathiebe“ ist auch schon ein bisschen her und selbst an der Neuauflage von „Morbus Animus“ bastle ich schon viel zu lange… die wäre wenigstens echt weihnachtlich 🙂

Aber es werden 2019 wieder 26 Bücher sein, die Periplaneta der Welt schenkt. Und ich denke, dass in unserem Katalog, der ja nun schon über 12 Weihnachten alt ist,  für jeden was dabei ist. Ihr müsst also nicht in die Einkaufshöllen pilgern, wie die ganzen Unwissenden. Einfach online bestellen. Und wenn ihr nicht wisst, was zu eurer 12jährigen Oma passt, die ein obscures Hobby hat, dann fragt einfach mich, ich hab die Bücher alle gelesen.

ToMs Bücher

Periplaneta Bücher

FRAGEN

Thomas Manegold -Alive after WGT17

Herbstbücher bei Periplaneta

Oktober 2019 ist der gesundheitliche Gesamtzustand meiner menschlichen Umwelt, sagen wir mal … optimierbar. Und auch ich habe wohl stressbedingt ein paar meiner Restfedern lassen müssen. 🙂 Familiär- und arbeitsbedingt werde ich Berlin wohl bis zum  Jahresende nicht mehr verlassen. „Nur“ die Auftritte auf den eigenen Bühnen – und mit einem gesunden Respekt habe ich festgestellt, dass es noch ganz schön viele Veranstaltungen sind, bis das Jahr endlich rum ist.

Stellvertretend für eine ganze Reihe von neuen Büchern, die ich (mit)produziert habe und die man auf Periplaneta bestaunen und kaufen kann, so man will, möchte ich hier zwei vorstellen. Beide Bücher sind Projekte, die unsere neue Lektorin Laura Alt betreut hat, die beängstigender Weise oftmals die gleichen Sachen gut findet wie ich. Machmal sind es auch die selben:


coverwebHC ROTH: „Wie aus mir kein Rockstar wurde“
Die ganze Wahrheit über HC Roth, Die Fetten Nelken, Fäidaboll und Österreich.

  • Edition Subkultur, ca. 200 S.
  • print ISBN: 978-3-943412-49-9
  • epub ISBN: 978-3-943412-50-5

Wie überlebt man als Punk in der Provinz? Wie überlebt man eine Klosterschule? Wie überlebt man als Vegetarier in Österreich? Wie überlebt man ein Konzert, ohne sein Instrument zu beherrschen? Wie überlebt man dreckige Tattoostudios, Sprünge von Brücken und Zugverspätungen? Und wenn man all das überlebt hat, wieso ist man dann eigentlich kein Rockstar geworden?

HC Roths neue Textesammlung handelt von ihm selbst. Von seiner Kindheit und einer Jugend in Österreich. Die Parallelen sind erschreckend. Ich glaube, jede(r) Andersseiende oder Andersgewesene, der nicht in einer Metropole großgeworden ist – und das sind nunmal, wegen der wenigen Metropolen im deutschsprachigen Raum, die meisten – wird sich in diesem Buch wiederfinden. HC Roth ist 40. Er ist erwachsen geworden und Kind geblieben. Er hat sich nicht verraten und kann wunderbar über sich selbst lachen.

Ich find das schön.

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coverweb-1Michael Schöpf „Ham & Axe“
Sicherer Hafen für die einen – Schlachtbank für die anderen.

  • ca. 260 S., Edition Totengräber
  • print ISBN: 978-3-95996-130-1
  • epub ISBN: 978-3-95996-131-8

Lass Dich in 16 bitterbösen Mordgeschichten in das „Ham & Axe Hotel und Spa“ entführen und erfahre mehr über die Kunst des Tötens, Geheimcodices zwischen Gangstern, die fünf goldenen Regeln des Hotels und warum Du niemals nach einem Zimmer „mit schöner Aussicht“ fragen solltest …

Endlich wieder ein böses Buch. Nix für schwache Nerven, denn hier wird exzessiv gemordet und gestorben. So etwas kennen die meisten nur aus irgendwelchen Filmen. Ham & Axe ist schlau inszenierter Exzess, mit Metaphern gespickte Boshaftigkeit und wird dann richtig beängstigend, wenn die Realität an die Tür klopft. Das ist dann meistens die Hintertür. Und das ist dann genau mein Humor.

PREMIERE IST IN BERLIN AM SAMSTAG, DEN 5. OKTOBER BEI PERIPLANETA. Mit Autor. Und keine Angst, der Schöpf ist, wie die meisten Besessenen, ein ganz Netter.

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Soundtrack of my Life: (20 Tool „Pneuma“)

Pneuma
Reach out and beyond
Wake up remember
We are born of one breath, one word
We are all one spark, eyes full of wonder

(vom Album „Fear Inoculum“ 2019)


Soundtrack of my Life

www.manegold.de