Es ist erst vorbei, wenn es zu Ende ist

Weihnachtsansprache.

2017 haben wir, also Periplaneta, also Marry, Sarah und ich, 30 (in Worten: dreißig) Werke in die Welt gesetzt. Ich danke. Marry. Sarah. Dafür und für das beste aller möglichen Leben. Ohne die beiden … gäbe es mich nicht mehr. Sie teilen meine Maxime, meine Überzeugungen und meine Definition von Glück und erfülltem Leben schon sehr lange. Und ich danke den fleißigen Assistentinnen, den Künstlerinnen und Künstlern, die sich eingebracht und den Autorinnen und Autoren, die mit uns diese Abenteuer erlebt haben. Dreißig Publikationen.

Und anno 2017 muss man sagen „trotz alledem“, denn es ist jenseits unserer erfolgreichen  Tätigkeit als Kunst- und Kulturbetrieb, jenseits der so vielen tollen Veranstaltungen, die wir zwischen dem ganzen Büchermachen auch noch gewuppt haben,  so ziemlich alles passiert, was einem nicht passieren sollte: Ich saß zwischenzeitlich schon mit einer Arschbacke im Rollstuhl. Nicht nur ich habe einen geliebten Menschen verloren. Das heißgeliebte Firmenauto hat zwei Jahre vor Ablauf des Verfallsdatums seinen Geist aufgegeben, Betriebsprüfung, Keller unter Wasser  …

Jenseits der Üblichkeiten, wie menschlichen Enttäuschungen und wirtschaftlichen Niederlagen (denn jedes Werk und jede Veranstaltung ist wie eine Wette auf ein manisch-depressives Rennpferd) und dergleichen, ist also dieses Jahr wirklich viel zu viel Scheiße passiert. Die Helden meiner ersten und zweiten Jugend starben wie die Fliegen. Die Folgen des VG-Wort Urteils, eine Bucheinstampfung …

Pressefoto zu "Morbus Animus"
ToM (rechts)

Aber, so what, „venceremos“, ich habe nie gezweifelt. Wir sind in diesem Jahr auch 10 geworden und haben sehr viel bewegt, erlebt und erreicht. Wir haben viel gelernt, sind weiter gewachsen. Unser Literaturcafé ist für immer mehr Menschen Hort und Heim geworden. Und wir haben wirklich einzigartige, grandiose Sachen produziert. Hinter unseren Werken stecken mitunter jahrelange Geschichten. Sie sind alle Inlandsproduktionen. Das heißt, für ihre Herstellung wurden Menschen ordentlich bezahlt und keine LKW um die halbe Welt geschickt. Unsere Hersteller haben alle ihre Kohle dafür von uns schon bekommen.

Jetzt beginnt die Weihnachtszeit. Wir müssen also die ganzen nicen, smoothen und cuten Dinge, die wir hergestellt haben, unter die Bäume bringen 🙂

Helft uns dabei. Und tut euch und euren Mitmenschen etwas Gutes, indem ihr wirklich originale, originelle, nachhaltige, ehrliche, schöne, wahre, gute und nicht aus Funk und Fernsehen bekannte Teile verschenkt, die schlau und lachen und weinen machen, aber eben nicht dick 🙂

Wer in Berlin weilt, kann uns 6 Tage die Woche besuchen und hier trinken und shoppen. Wir freuen uns auf euren Besuch, egal ab virtuos, virtuell oder persönlich. Denn 2018 wird es weitergehen. Mit Kunst, Kultur und Werken abseits des Gewöhnlichen. Auch wenn dann nochmals alles anders und viel verrückter werden wird, als es jetzt schon ist.

Wir lieben, was wir tun.

ToM

 

Periplaneta Online Shop

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P.S.: Und weil diesen Text, den Gesetzen des Netzwerkes folgend, Leute lesen werden, die eh schon Mitglieder der Kirche sind, möchte ich euch last but not least von Herzen danken. Für eure Unterstützung und eure Anteilnahme. Bitte teilt diesen Text.

 

 

 

 

 

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Meine ganz persönliche Hochrechnung

Deutschland im Herbst 2017.

Diese Bundestagswahl kostet den Steuerzahler rund 100 Millionen Euro. Ja, wir bezahlen den ganzen Rummel, der alle vier Jahre landesweit veranstaltet wird. Wir bezahlen die Luftballons mit den drei Buchstaben, die Fotosession, mit der Christian Lindner die Hausfrauen und Singlemänner über 40 wuschig gemacht hat, die Hetzreden gegen diejenigen, die wir nicht mehr Neger, Muselmänner oder Flüchtlinge nennen dürfen, obwohl wir sie ausbeuten, diskriminieren und diffamieren lassen, die Hamsterbackenretusche an den Riesenpostern von Angela Merkel, den Logopäden von Martin Chulz … 100 Millionen Euro kostet der ganze Scheiß. Der Wahlk(r)ampf ist eigentlich ein Verteilungskampf und ein Beweis dafür, dass Menschen sehr weit gehen, um was vom Kuchen abzubekommen.

Nach der Wahl reden nun alle über jene 13%, die wie erwartet einer Satirepartei ihre Stimme gegeben haben. (Bei der jetzt wohl 6 Leute aus der Fraktion austreten, damit sie aus 88 Sitzen bestehen kann … Sorry, das musste sein.) Keiner redet über die 75%, die konservativ gewählt haben oder über die 10% davon, die den neoliberalen Scheiß befürworten, gegen den die AfD-Phantasien sich als Kindergarten entpuppen würden.

Keiner redet darüber, dass selbst Abstürze auf 20% nicht reichen, um eine sogenannte Volkspartei zu einem echten Neuanfang zu bewegen. Warum hat so ein Ergebnis keine Konsequenzen, warum fühlt sich keiner der Sozen dafür verantwortlich? Warum tritt keiner derer zurück, die man abgewählt hat? Die Regierenden sind der Meinung, dass „der Wähler“, wer immer das sein mag, sie in die Opposition verwiesen hätte? Gehts noch? Sie können eure Gesichter nicht mehr sehen. Und das Geplapper nicht mehr hören. Ihr seid unglaubwürdig. Und wenn ihr das nicht gerechtfertigt findet, dann feuert eure Imageberater. Aber geht!
Martin Schulz hätte sich vorher überlegen müssen, was seine Themen sind und welche Inhalte und Ziele er vertritt, er hätte sich auch zuvor von der Gro-Ko distanzieren müssen. Danach hätte er sich mit einem konkreten, sagen wir mal, 10-Punkte-Plan als Kanzlerdandidat aufstellen lassen können. Das wäre authentisch gewesen. Ich glaube, dann hätte ich ihn sogar gewählt. Selbst wenn er die Büchermacher vergessen hätte 🙂 Aber so ganz ohne Plan und ohne Inhalte … das Volk ist halt noch nicht blöd genug.

Ich glaube, dass die Bevölkerung es satt hat, dass ständig alle sich jedewede Optionen offenlassen, taktieren und doch eigentlich nur die Interessen ihrer jeweiligen Träger gegeneinander ausspielen, dass es primär um Pfründe und Machterhalt geht und erst sekundär um Glaubwürdigkeit oder gar um Gestaltung. Wer sich verplappert, wird in Brüssel zwischengelagert oder geht in die Wirtschaft oder bekommt eine unverschämte Rente oder schlimmer. (Christian Wulff bekommt für seine nichtmal 2jährige Schlossbesetzung beispielsweise 200 000 € im Jahr, bis er daran erstickt, während er munter weiter als Anwalt und Berater seine Beziehungen versilbert.) Vielleicht wissen ein paar mehr Menschen, dass Korruption und Lobbyismus eigentlich dasselbe ist. Und dass eure Moral mehr als nur doppelbödig ist.

Die regierenden Parteien haben zusammen ca. 15 % verloren. NEIN, NICHT WEIL DIE REGIERUNG NICHT RECHTS GENUG WAR. Niemand kommt auf die Idee, dass diese schlauen 15% die Regierung einfach nicht wiedergewählt haben, weil sie diese Regierung scheiße finden. Weil sie von Wanka und Müller gar nichts gehört haben, weil Hendriks eigentlich immer nur rumheult, dass alle gegen sie sind, weil Dobrindt soviel Sympathiepunkte mit seinem Mautgelaber gesammelt hat, dass man sein Gesicht auf Box-Sandsäcke drucken lassen könnte. Weil Gröhe die Verkommerzialisierung des Gesundheitssystems verwaltet hat, weil Schwesig, Gabriel und Steinmeyer ihre Resorts swingerclubmäßig für den nächsten Posten einfach mal weitergereicht haben, weil Nahles sich für jedes Häufchen, was sie gemacht hat, feiern ließ, als wäre es Schokolade. Und weil Thomas die Misere seinem Namen auch mehr als alle Ehre gemacht hat … Dennoch: Ich habe einen Heidenrespekt vor Herrn Schäuble, Frau Merkel und vor allen, die diesen Zirkus aushalten, ohne abzudrehen. Und ich weiß, dass einige Volksvertreter durchaus Kompetenzen haben und wissen, was sie da tun und warum. Das Problem ist: Ich weiß das nicht und ich habe das Gefühl, dass ich das auch gar nicht wissen möchte.

Der Mehrheit der Deutschen geht es gut. Schon klar. Aber das ist doch nicht alles, zumal es immer darum geht, wie man als Gesellschaft mit den Minderheiten verfährt.  Und „Gutgehen“ ist eine sehr schwammige Bezeichnung. Wir sind satt und selbstzufrieden, haben schnelles W-Lan (Ok, nicht überall), eine Spielekonsole und ein Netflix-Abo. Wir werden immer dümmer, immer dicker und immer paranoider. Wir leben auf Kosten anderer Menschen und künftiger Generationen. Immer weniger Menschen sind intellektuell in der Lage, sich an der Wertschöpfung, an den Entscheidungsprozessen und am Fortschritt aktiv zu beteiligen. Immer mehr Menschen müssen alimentiert werden, nicht nur die Sozialhilfeempfänger, sondern auch diejenigen, die euch in der Elbphilharmonie bespaßen, die euch solche Mafiadenkmäler bauen und die Industrieellen, die ihr bestecht, damit sie die Arbeitlosenzahlen niedrig halten, die Bauern, für die sich Landwirtschaft nicht mehr lohnt, die Arbeiter, die keine mehr sind – und euer ständig wachsender Selbstverwaltungsapparat.

Ihr kuscht vor den Banken, ihr kuscht vor den Diktatoren, ihr bedient die Lobbyisten… gut, das mag sehr nach pauschaler Verurteilung klingen und ist auch so gemeint, denn auch ihr reduziert euer Volk ja auf „den“ oder „die Wähler“ und auf ein paar Prozentzahlen. Man muss nicht immer differenzieren. Manchmal ist es auch ganz einfach: Ihr ward scheiße. So. Und „gutgehen“ tut es uns und den paar Geflüchteten auch nur deshalb, weil ein paar Menschen bis zum Umfallen dafür gearbeitet haben. Meistens umsonst und draußen und meistens gegen eure Bürokratiemühlen und persönlichen Interessen. Jenes „Wir schaffen das“ war extrem zynisch, Frau Merkel, weil es „Ich schaffe das“ hätte heißen müssen und nunmal „Ihr schafft das“ bedeutet hat.

Zieht man die 20% Mitleidswähler der SPD mal ab, haben immer noch 55% erzkonservativ CDU, CSU, FDP und Grüne gewählt. (Und bevor nun wieder die sich ökologisch und progressiv Meinenden losplärren, nein, die Grünen sind keine Fortschrittspartei mehr. Und schon gar nicht etwas, das man früher mal links nannte. Konservativ bedeutet nur „bewahrend“, also „weiter-so“, ihr habt früher dazu „spießig“ gesagt … ) Diese 55% sind der eigentliche Skandal, denn diese Parteien, die wahrscheinlich die neue Regierung bilden werden, sind, schon allein weil sie drüber nachdenken, im Grunde alle rechts-konservativ, sie stehen für ein System des ständigen Wachstums, der fortlaufenden Kapitalkonzentration und dem Bewahren eines Status Quos, der die Welt früher oder später in die nächste Krise reiten wird.

Es war so exemplarisch für die Grünen, als irgend so eine Quotenfrau heimlich hinterm Haus aus ihrer Luxuskarre in ein repräsentatives Umweltauto umgestiegen ist, um dann vor laufender Kamera mit dem Klischeegefährt vorzufahren …

Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich rasant. Dafür braucht es auch vollkommen neue Konzepte. Einen vollkommen neuen Umgang mit Konfessionen, eine neue Ethik, echte Gleichberechtigung, echte Nachhaltigkeit, Bildungsoffensiven bei den 6, 16 und 60jährigen, Breitbandausbau, neue Orientierung in der Forschung, die Rettung von Journalismus, Meinungs- und Pressefreiheit und der Kulturschaffenden. Und nicht „Machterhalt first“.

„Bedenken second“ war übrigens die einzige offensichtliche Lüge auf dem FDP-Plakaten. Ich denke, dass „Bedenken“ bei Herrn Lindner es nichtmal unter die Top 10 schaffen würde. Aber damit ist er nicht alleine. Das gehört wohl zur Grundausstattung.
Das AFD-Programm ist dann auch nicht verheerender, als das der FDP. Das eine zündet das Haus von innen an, das andere von außen. Aber weder haben die AfD-WählerInnen nur protestieren wollen, noch sind die FDP-WählerInnen nur auf Posing-Christian hereingefallen.  Sie alle wissen im Grunde genau, was sie da gewählt haben. Nationalkonservativ und nationalsozial die einen und  die anderen einen entfesselten Markt in einem schwachen Staat unter Führung eines selbstgefälligen Opportunisten, der entgegen seiner Zitierwut Adam Smith nie gelesen hat 🙂 Zwar hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Beide Programme sind total verschieden. Aber sie sind nunmal reaktionär und menschenverachtend.

Die 700 Abgeordneten und die sonstigen Mitarbeiter des Bundestages allein verursachen jährlich Kosten von rund 500 Millionen Euro. Hinzu kommt die Bundestagsverwaltung und dergleichen. Auch die Liveübertragung in unsere Wohnzimmer kostet extra 🙂

Ich denke, für soviel Kohle haben wir mehr verdient, als stupides AfD-Bashing, Wirtschaftslobbyismus und so eine langeweilige Game-Of-Thrones Adaption, ganz ohne Sex und ohne Fabelwesen und mit adipösen Rentnern und  karierregeilen Nutten beiderlei Geschlechts in den Hauptrollen, die alle das Drehbuch nicht verstanden haben, aber trotzdem die Gagen kassieren. Gagen, die wir bezahlen müssen, egal, wen wir gewählt haben.

P.S.: Warum bildet Frau Merkel nichtmal eine Regierung komplett fraktionsunabhängig mit denjenigen, die gewählt und gleichzeitig am besten qualifiziert für den jeweiligen Job sind?

ToM

 

„Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben …

Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“
(Peter Tauber auf Twitter).

Lieber Peter! Mal abgesehen davon, dass man Ordentliches in diesem Zusammenhang groß schreibt … egal. Du bist weltfremd, dumm und arrogant. Auch mit den weiteren Absonderungen dazu … über Aufsichtsratsposten und dergleichen. Ich kenne Menschen, die leider auf Hierarchien und Leute wie Dich allergisch reagieren, ich kenne Menschen, die drei Mal „ordentlich“ umschulen mussten und immer noch nicht vernünftig bezahlt werden und ich kenne sehr viele Akademiker, die nach ihrem Studium leider nirgendwo landen konnten.

Das Thema ist leider gegenwärtig wichtiger als das Heiraten. Deshalb Wut und eine Sehnsucht nach Prangern auf den leeren Marktplätzen unserer Städte. Ich sage: Fick Dich, Peter. Mit Deinem erhobenen Zeigefinger.  Jaja, geh nur zu Heiko petzen, damit er das löschen kann. Aber fick Dich. Unfuckingwählbar. P.S.: „Dich“ darf man noch großschreiben, wenns persönlich wird. (ToM auf Facebook)

Durchatmen. Puh. Es ist nur ein Tweet, es ist nur ein Tweet …

Ich versuchs mal konstruktiv:
Was ist passiert? Peter Tauber hat etwas getwittert. Peter Tauber hat nur seine Meinung kundgetan, aber diese Meinung bestimmt sein vieles Reden und sein nicht ganz so üppiges Handeln. Und das ist gefährlich, denn Peter Tauber ist ein sogenannter Spitzenpolitiker. Genauer gesagt, er ist Generalsekretär der CDU.

Peter Tauber stellt folgende steile These auf:
Wer was „Ordentliches“ gelernt hat, brauche keine drei Minijobs und mit einer guten Ausbildung verdiene man genug. Und auch Politiker haben mehrere Jobs …

Nee, Peter, erstens stimmt es nicht, Qualifikation macht nicht satt und warm. Jeder kennt unzählige Beispiele in seiner Umgebung, so wie ich sie spontan bei meinem Wutausbruch auf FB aufgezählt habe.

Zweitens sollte es für eine Gesellschaft auch erstrebenswert sein, dass nicht nur jeder, der „ordentlich“ Vermögenverwalten oder „ordentlich“ Häuserverticken gelernt oder sich „ordentlich“ auf einen alimentierten Posten gebuckelt hat, „ordentlich“ (höhö) bezahlt wird. Vielmehr sollen in meinem Land „anständige“ Jobs „anständig“ bezahlt werden.

Drittens verhöhnst Du, lieber Peter, auch alle, die jeden Tag in von „ordentlich“ ausgebildeten … (es ist nur ein Tweet) Politikern als „ordentlich“ deklarierten, aber leider unterbezahlten Jobs Vollzeit arbeiten. (Die Klischees reichen vollkommen: ErzieherInnen, FriseurInnen, Executive Facilitycleaner, Pflegepersonal) … Mit Mindestlohn kriegst Du nämlich keine Kinder mehr groß und später dann auch niemanden dazu, Dir „ordentlich“ den Hintern abzuputzen.

Viertens verdient man nicht etwa mit einer „ordentlichen“ Ausbildung „ordentlich“ Geld. Heute kostet eine Ausbildung. Man verdient nur Geld, wenn man eine Arbeit hat, die „ordentlich“ bezahlt wird. Und die gibt es nicht automatisch, wenn man gut ausgebildet ist. Das, was man damit bekommt, heißt Volontariat.

Fünftens sind gesellschaftlich notwendige Berufszweige mittlerweile nahezu komplett verminijobbt oder verscheinselbständigt. Niemand, wirklich niemand bekäme auch nur ein verschissenes Zalandopaket oder Amazonpäckchen oder Lieferandofutter geliefert, wenn jene exekutiven Logistiker aufhören würden zu arbeiten, die schlecht bezahlt sind. Die werden nämlich alle pro Ablieferung bezahlt, nicht pro Stunde. Und viele von denen, die unsere Pakete spazierenfahren, haben eine gute Ausbildung.

Sechstens muss es auch gestattet sein, diesen einen, von Dir so schön vorgelebten und mit Deinen Auswürfen so schön umrissenen German Way of Life nicht zu wollen, ohne abzustürzen. Auch eine stinkreiche, weltfremde Ausbeuterbürokratie wird daran gemessen, wie sie die Andersdenkenden behandelt. Ich bin so einer, glaube ich, und meinetwegen könnt ihr euch soviele Diäten und Aufsichtsratspöstchen in den Ar … (es ist nur ein Tweet) schieben bis ihr platzt. Ist mir egal. Aber die Zweit- und Drittbeschäftigungen der Volksvertreter mit den Minijobbern zu vergleichen, das muss einem erst einmal einfallen. Das ist absurder als der Kuchen-statt-Brot-Satz, den Marie-Antoinette nie gesagt hat!

Irgendwann kommt der Mob zu euch in den Glaspalast gerannt. Dann heißt auch Lobbyismus wieder Korruption und euer Redenhalten für zuviel Geld und diese Aufsichtsratsalibiposten werden wieder Bestechnung genannt werden. Es wird eine schöne Zeit. Du wirst merken, dass unter den Menschen, die mit 1000 EUR im Monat auskommen müssen, welche sind, die sogar schlauer sind als Du. Und Du würdest Menschen kennenlernen, denen der Preis zu hoch ist, so wie Peter Tauber zu sein.

Du bist ein „Volksvertreter“ lieber Peter. Vergiss das nicht. Entschuldige Dich wenigstens. Es ist eben nicht nur ein Tweet. Er zeigt, wie tief der Graben ist zwischen euch und uns. Er zeigt, wie weltfremd diejenigen sind, die die Welt regieren. In einer Zeit, in der genau solche asozialen Bürokraten wie Du uns sprechende Kühlschränke, selbstfahrende Autos und vollautomatische Fabriken als geile Zukunft verkaufen wollen, anstatt sich darum zu kümmern, dass bei der Digitalisierung der Wirtschaft keiner auf der Strecke bleibt, spricht so ein kleiner Tweet Bände. Er ist abgrundtief böse und entlarvend. Früher sind Menschen für weitaus weniger aus dem Fenster geworfen worden.

#wasOrdentliches #TauberPeter

http://www.manegold.de

 

 

 

Chris Cornell ist tot!

Wieder plötzlich und unerwartet und ja, mittlerweile hat man sich irgendwie daran gewöhnt. Wieder ist einer meiner Heroen gestorben. Im zarten Alter von 52 Jahren. Chris Cornell. Einer der ganz ganz Großen. Absoluter Ausnahme-Sänger von Soundgarden, Temple Of The Dog und Audioslave.

Seit Anfang der 90er Jahre … ihr erinnert euch, damals, als Metallica aufhörten, gute Musik zu machen, sind seine Lieder ein fester Bestandteil des Soundtracks meines Lebens. In guten und in schlechten Zeiten. Bis heute.

Irgendwo zwischen 70er-Jahre-Psychedelic-Rock, Punk und Heavy Metal wuchs Ende der 80er etwas, was man später Grunge nennen sollte und was der harten Mucke nicht zuletzt auch den Weg auf die Tanzflure der Clubs ebnen sollte, die damals noch Diskos hießen. Aber so schnell, wie sie sich die Herzen der Metaller und MTV-Gucker eroberten, schossen sich die Helden auch die Birnen weg, meistens mit Heroin. Chris Cornell war einer von den wenigen großen Stars dieses beispiellosen Hypes, die das einigermaßen heil überstanden hatten. (Kurt Cobain von Nirvana oder Layne Staley von Alice in Chains ja bekanntlich nicht.) Und er war ein Sänger, dem niemand das Wasser reichen konnte.

Egal, ob mit Soundgarden („Jesus Christ Pose“, „Outshined“, „Spoon Man“, „Black Hole Sun“, „The Day I Tried To Live“ … ), Temple Of The Dog („Say Hello To Heaven“, „Hunger Strike“, „Call Me A Dog“ …) oder Audioslave ( „Cochise“, „Like a Stone“, „Show Me How to Live“, „I Am the Highway“, „Wide Awake“, „Be Yourself“ …) oder solo. All seine Projekte hatten ihre eigene Handschrift und ihre kreative Berechtigung. Obwohl Audioslave manchmal eher als Vernunftehe rüberkam, sind die Songs dieser Supergroup aus meinen DJ-Sets nicht wegzudenken. Und auch wenn Soundgarden dann doch einer Reunion nicht widerstehen konnten, haben sie dabei, im Gegensatz zu den meisten anderen Bands, eine erstaunlich gute Figur gemacht …

Chris Cornells Stimme half mir durch Krisen und über Tanzflächen, begleitete mich beim Hassen und Lieben und nachts über die Autobahnen.  Chris Cornell hat mir also sehr oft das Leben gerettet, insbesondere dann, wenn es andere Menschen mir oder anderen zur Hölle gemacht hatten.

Das Fatale ist, dass sich am Horizont weit und breit niemand findet, der so eine Lücke ansatzweise schließen könnte. Nicht für mich und auch nicht für die Musikwelt an sich, die einen ihrer besten Songschreiber, Texter und Sänger verliert.

Black hole sun, won’t you come and wash away the rain?
Eine Ära geht zu Ende.
Dankbar und traurig. ToM

 

P.S.: Und jetzt, da ich zwangsläufig  all die zahllosen Ereignisse wiedererlebe, zu denen diese abgrundtief geile Musik gelaufen ist, erinnere ich mich wieder … Chris Cornell ist auch daran schuld, das ich niemals versucht habe, in einer Band zu singen. Dafür muss die Welt ihm auf jeden Fall für alle Zeit dankbar sein. Und sie muss sich fragen, warum es trotz „Four Walled World“ oder „Say Hello To Heaven“ oder „Wooden Jesus“ so viele talentfreie Menschen versucht haben, es ihm gleichzutun.

2017 – Eine Vorschau

Weil alles zurückblickt, ein Blick in die Zukunft.

2017 wird ein tolles Jahr. Frau Merkel wird mit Hilfe der Grünen und der SPD wieder Bundeskanzlerin. Und ein Möschdegärngöbbels wird auf einem totsanierten Marktplatz irgendwo in Sachsen stehen und die sich im Regen langsam auflösende Mengele fragen: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Die AfD wird mit über 25% der Stimmen in den Bundestag einziehen. Und jenseits unserer Grenzen werden in mit unseren noch unbezahlten Steuergeldern erbauten Konzentationslagern Menschen die Beine breit machen, um an der osmanischen Security vorbeizudürfen – hinein in die große Freiheit, in den größten Knast der Welt, in die Festung Europa.

2017 wird wieder eine ganze Horde Künstler wegsterben. Einige sogar an den Folgen ihres ausschweifenden Lebens. Ein paar werden wir vielleicht sogar vermissen. Die Anzahl der Kriegsopfer wird in etwa gleichbleiben. Vielleicht sogar ein bisschen zurückgehen. 15% Wirtschaftswachstum sind auf Dauer einfach nicht zu halten. Es werden Menschen ertrinken, im Mittelmeer, im Atlantik, in Unwettern und Tsunamis – und wir werden nichts dagegen tun.

2017 werden wieder über 50 000 Tierarten aussterben. Und wir Deutschen werden wieder wegen ihres Fleisches eine Milliarde Tiere töten und danach rund 333,33 Millionen davon wegwerfen.

Das neue iPhone wird kommen und vielleicht sogar noch ein Samsung Galaxy. Und wir werden endlich in Fahrzeugen herumfahren, die serienmäßig einen eigenen Peilsender haben. Wir werden schrittweise unsere Dieselmotor-Autos verschrotten und in dem Glauben, die Welt zu retten, uns neue Fahrzeuge mit Batteriebetrieb kaufen.

Auch werden wieder viel zu viele Zurückgebliebene einen eigenen Internetanschluss und somit eine Stimme bekommen, ohne eine Sprache zu beherrschen. Es werden also noch mehr Idioten in unseren Netzwerken herumkrakeelen. Das Niveau der dort abgesonderten Inhalte wird nicht steigen. Aber auch nicht fallen, weil es nicht tiefer sinken kann. Die „Ich“-Dichte in den Kommentaren wird weiter zunehmen.

Es werden ein paar verhaltensgestörte, narzistische, gewaltbereite, dumme und deshalb gefährliche Arschlöcher sich wieder an der Vernunft vergehen und Leben auslöschen. Wir werden uns deshalb in Gruppendiskriminierung üben, die Sippenhaft fordern und einige von uns werden wieder präventiv selbst Hand anlegen. Weil die Halbwertszeit von Ängsten immer gleich ist, werden wir auch 2017 als Volk uns an einiges gewöhnt haben und demzufolge auch neue Bedrohungen vorgesetzt bekommen: Altersarmut, Atomkraftwerke, deren Strahlung sich nicht an Ländergrenzen hält, Supervulkane, deren Ausbruch die CO2 Bilanz gefährdet, der Virus H73N42 und die nächste Wirtschaftkrise.

Wir werden weiterhin in regelmäßigen Abständen Beweise für die Machenschaften derer bekommen, die Macht über uns haben, weil wir diese Menschen verehren oder weil wir sie wählen oder weil wir den Mist kaufen, den sie verzapfen oder anpreisen – und wir werden diese Enthüllungen mit ein bisschen hühnerstalleskem Gegacker kommentieren und danach weitermachen wie vorher.

Genau deshalb wird 2017 das Jahr der ewig pubertierenden Staatsmänner. Das  Testosteron in den Flecken auf den Chefsesseln dieser Welt wird unerträglich stinken und die Konversation zwischen den Alphamännchen dieser Scheißkugel wird endlich Kindergartenniveau erreichen. Trump und Erdogan sind nur der Anfang eines Trends, dass die Menschheit sich vermehrt freiwillig von verhaltensgestörten, narzistischen, gewaltbereiten, dummen und deshalb gefährlichen Männern f… regieren lässt.

Doch auch 2017 werden wir Deutsche satt und sediert in einem Land leben, dessen politische Elite korrupt ist und die ihr Totalversagen mit leeren Phrasen, einer monströsen Bürokratie und mit faulen Kompromissen kaschiert. Vielleicht merken ja ein paar Menschen, dass man Dummheit durch Bildung und Unwissenheit durch Aufklärung lindern kann und nicht mit Toleranz. Dass man Kriminalität jeder Art durch die konsequente und schnelle Anwendung von Gesetzen begegnet und nicht mit dem Verkauf sicherer Fenster oder mit schwülstigen Reden und einer vollkommen paranoiden Berichterstattung. Vielleicht zügeln ein paar Medienschaffende und Redakteure mal ihre Gier nach Aufmerksamkeit und realisieren, dass man die Opfer von Gewalttaten verehren und die Täter beschämen sollte, nicht umgekehrt.

Hoffen wir, dass 2017 zu Weihachten nicht wieder irgend so ein verhaltensgestörtes, narzistisches, gewaltbereites, dummes und deshalb gefährliches Arschloch auf unseren Titelseiten zu sehen ist. Hoffen wir, dass der beleidigende Spott gegenüber den noch blöderen Mitmenschen endlich aufhört. Hoffen wir auf neue Idole und auf runderneuerte, wache Menschen mit ungleich höhrerem Selbstwertgefühl und mit geraden Rücken.

Manegold Heimathiebe PeriplanetaHoffen wir auf die Wiederkehr von jener Restwürde in uns allen, die uns vielleicht verbietet, vor den Schlachtbänken, überteuerten Wohnungen und Versuchungen dieser Welt Schlangezustehen. Und die uns über die Gockel dieser Welt lachen lässt, anstatt sie dafür zu bezahlen, dass sie als Götzenbilder und Clowns mit Jonglagen und Verheißungen unsere tief empfundene Leere füllen.

Und wenn wir genug gehofft haben, fangen wir einfach mal an, es besser zu machen und es vor allem besserzumachen – als 2016 oder 2015 … oder 1989 oder 1933.

Prost Neujahr!

Thomas Manegold

Noch mehr Heimathiebe?

Dreistromland (V1)

Windräder zerschneiden Horizonte,
köpfen Vögel ganz ohne Schafott.
In den Kadavern wühl’n Saprobionten
und Bauern imitieren Don Quijote.

Der Sand treibt morgens lautlos zu den Deichen.
Der Ostseewind zieht sanft nur an den Haaren.
Und Möwen streiten sich um Heringsleichen,
die im Tang des Nachts gestrandet waren.

Das Mehr schwappt mittags laut über die Düne.
Ein Mädchen wird gehänselt, weil es flennt.
Vor’m Altersheimtross, auf der Freilichtbühne,
spielt ’ne Achim-Mentzel-Coverband.

Solarpaneele stehen wie Legionen,
bedecken Felder kettenhemdengleich,
saugen Sonnenlicht und Subventionen,
machen Arme arm und Reiche reich.

Der Sand reibt sich am Pilz zwischen den Zehen.
Und rieselt durch die wasserdichten Uhren.
Ein alter Mann will übers Wasser gehen.
Und Fischer satteln um auf Fahrradtouren.

Das Meer spuckt Phosphor aus den letzten Kriegen
Bernsteinsammlern eifrig ins Gesicht.
Bismarcks Erben sind umschwärmt von Fliegen.
Matjes wird gegessen, bis man bricht.

Weil Nahrungsanbau keinen Sinn mehr hätte,
verkaufen Bauern Felder, Hof und Haus,
schwitzt Raps mit fernen Palmen um die Wette
Öl für unseren Wohlstandsmotor aus.

Der Sand zieht weiter über kahle Dünen,
schleift Touristen Smartphonegläser blind,
verfängt sich in den Aufbauostruinen
und bedeckt ein weggeworfenes Kind.

Das Meer beleckt die Burgen in der Brandung
und holt die Körner wieder heim ins Reich.
Der alte Mann ist kurz vor seiner Strandung.
Die Adern blau, der Korpus herrlich bleich.

Triskelen sägen Schatten in die Hütten,
obwohl der Kraftwerkschornstein weiter raucht,
Und sehr viele Chinesen-Lungen litten
für Biostrom, den hier kein Mensch mehr braucht.

 

Aus Heimathiebe“ (c) Thomas Manegold 2016

Sie fliehen vorbei (Sonett)

Die Augen liegen tief im Knochental,
das Hirn pulsiert und lässt Gedanken kreisen.
Sie lassen sich nicht in die Schranken weisen,
fliegen knietief, schief, zentrifugal.

Und reiben sich an den Synapsen wund,
werden zu Ideen, Wörtern, Sätzen,
schreien nach Verstehen, Erörtern, Petzen,
kriechen durch den Hals bis in den Mund.

Dehnen sich für Weib und Satzgesang,
sehnen sich nach Ruhm und Untergang,
wollen rütteln, schütteln und erwecken.

Und sollen Zeiten ändern und vertreiben,
Geschichte schreiben. Doch am Ende bleiben
sie bücklingsgrätengleich im Halse stecken.

(©Thomas Manegold, Der Schläfer in der Stadt Vol.1

Die Kränkungen des weißen Mannes (1)

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Dummheit macht mich aggressiv. Je blöder der Mob, desto gröber sind dann meine Kommentare. Aber manchmal bin auch ich sprachlos. Bei den versuchten Lebendfeuerbestattungen im Osten Deutschlands, die sie in den Nachrichten ohne Altersbeschränkungen zeigten, beispielsweise. Horden lobotomierter Affen zünden Gebäude an und verprügeln Menschen. Die Polizei sieht zu. Und die Regierung beschränkt sich aufs Labern. Eine Ursachenforschung:
1
Häuser brennen. Dicke Menschen haben wieder Angst zu verhungern. Rufen „Deutschland den Deutschen” und „Wir sind das Volk”. Ist das eine Eskalation von sogenanntem Patriotismus, von emotionaler Verbundenheit mit der eigenen Nation, die sogenannte Vaterlandsliebe? In Zeiten von Gazprom gegen Shell, statt Deutschland gegen Frankreich? Man ist stolz auf irgendein kulturelles, ethnisches oder politisches Klischee, das einen als Volk definiert.
Ich wüsste nicht, was das in meinem Fall sein könnte. Worauf kann man stolz sein – als Thüringer. Auf die Wurst wahrscheinlich … Aber als Gesamtdeutscher?
Ethnisch, naja, ich weiß nicht. Die Skandinavier sind blonder, die Engländer reden besser, die Italiener riechen besser, die Slawen sind besser im Bett. Wie sonst erklärt sich, dass sich die Missachteten als letztes Mittel Wasserstoffperoxid in die Haare schmieren, dass wir zu unseren tragbaren Telefonen Handys und zu unseren Rucksäcken Bodybags sagen, uns Versace über den Kopf kippen und in den Puffs dieser Nation trotz Wasserstoffperoxid so selten deutsche Frauen arbeiten? Weiterlesen „Die Kränkungen des weißen Mannes (1)“

Last Grexit For The Lost

Meine lieben korrupten, machtgeilen und verantwortungslosen Volksverdreherinnen und Volksverdreher!
Ui. Da haben wir am Ende Europas nun fast schon demokratische Zustände. Das ist in euren Augen der schlimmste Zustand, den man haben kann. Demokratie! Das ist das Ende! Wenn demos, das Volk, herrscht, wenn auch nur für einen Tag.
Erinnern wir uns: Die Griechen wurden nach ihrer Meinung gefragt. Und haben sie verkündet. Ihr habt ihnen gedroht, sie gefickt und gedemütigt. Ihr habt uns und ihnen den Weltuntergang prophezeit, sollten sie nicht nach eurer Pfeife tanzen. Trotzdem haben sie euch den Stinkefinger gezeigt. Die Griechen, das kleinste und ärmste Volk im größten Knast der Welt. Und?
Die Welt ist nicht eingestürzt. Es gab immer noch Bananen bei Netto und Oliven bei Aldi. Und es ist danach kein Urlauber verhungert.
Auch jetzt werdet ihr nicht müde zu behaupten, dass es euch überhaupt nichts ausmacht, wenn die Griechen baden gehen und dass es euch auch vollkommen egal sein könnte, was da im Land von Schafskäse, Lammfleisch und Riesenbohnen so passiert. Ist es aber nicht.
Im Gegensatz zu euch, ihr korrumpierten Aale, die ihr euch im Kopf der geschlachteten Rösser festgesaugt habt, haben die Griechen nämlich nichts mehr zu verlieren. Nur noch ihre Ketten. Das haben sie euch gesagt.
Gut, wie sie es euch gesagt haben, das war alles ein bisschen dick aufgetragen, diese linke Arbeiterpolemik in einer Zeit, wo es Arbeiter in dem Sinne von 1910 gar nicht mehr gibt.

Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt!

Autsch. Ostzonenkindheitsmusikunterrichtstrauma. Und auch völliger Quatsch. Keiner muss mehr hungern. Im Gegenteil. Wir sollen konsumieren … und wir fressen inzwischen doch alle viel zu viel. Okay, ein paar Germany’s-Next-Top-Model-Guckende kotzen es wieder aus, der Rest jedoch neigt zu Speckröllchen.

Weiterlesen „Last Grexit For The Lost“

Von Märtyrern und Feiglingen

Der Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris.

Märtyrer sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen leiden, ggf. ihren gewaltsamen Tod erdulden. Der Überlieferung nach war dieser Jesus so einer. Hat sich filetieren lassen. Für seinen Glauben. Und die Legionen um Mel Gibson haben mit den iPhones draufgehalten und nichts dagegen getan.

Setzt man Glauben in dieser Definition gleich mit „Überzeugung“, dann haben wir jetzt auch ein paar von denen: Märtyrer. Wir sollten sie vielleicht auch ehren und Denkmäler bauen. Das hilft. U.a. starben Karikaturist Bernard Verlhac („Tignous“), der Chefredakteur Charb und die Karikaturisten Georges Wolinksi und Cabu im Kugelhagel. Weil sie Strichzeichnungen gemacht und veröffentlicht haben? Gehts noch? Und wir sollten auch denen gedenken, die bei der Hinrichtung einfach miterschossen worden.

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Betroffenheitsbulimie

Polemische Ergüsse gegen Ignoranz, Dummheit und Armleuchter.
„Was sagst Du denn zu Pegida?“
„Zu was?“
„Na zu den Rassismusdemos in Dresden?“
„Nix“
„Es ist Dir also egal?“
„Nein, ist es nicht, aber ich gehöre zur schweigenden Minderheit.“
„Ihr Schweine seid die schlimmsten. Alle berichten darüber und Du hast keine Meinung?“
„Ich will nur nicht drüber reden.“
headfeed„Aber PEGIDA ist in der Medienlandschaft DAS Thema!“
„Genau deshalb. Lass uns doch drüber reden, was Du alles so zu Weihnachten gekauft hast.“
„Willst Du mich verarschen?“
„Dann lass uns über das Plastik im Meer reden oder über unsere Außenpolitik oder darüber, wieviel Sprit die Merkel bislang für die Umwelt und die Energiewende verflogen hat… und was man alles hätte damit machen können.“
„Du schaust also weg, wenn 17 000 Leute fremdenfeindliche Transparente schwingen?“
„Nee … ich schau nicht hin … „
„… so wie damals, als auch alle weggesehen haben, dann ist das mit den Juden passiert.“
„Mit dem Dritten Reich hat eine pseudomilitante Religions- und Zuwanderungskritik nichts zu tun. Eher mit dem Vierten. Ja, ich meine dazu gar nichts. Weil mir ja alle sagen, dass ich etwas meinen soll“
„Wie soll denn das Abendland Deiner Meinung nach gestaltet werden?“
„Das Abendland ist mit dem Römischen Reich untergegangen. Damals, als die Erde noch eine Scheibe war.“

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Das Gefick mit der reinen Vernunft (1)

Ich will in Schubladen denken können, endlich das Vorurteil erleben, das Trampelpfade asphaltieren kann und Worte ungeschehen macht, die ich nie begangen habe.
Ich will weisungsgemäß jene verurteilen, die glauben, dass sie fürs Töten in den Himmel kommen und man ihnen dort Frauen schenkt, die sie ungefragt zerficken dürfen. Und ich will einer von denen sein, die glauben, nie getötet zu haben und dass man sich für Geld alles kaufen kann – Frauen und Kinder zuerst.
Ich will Menschen trennen können wie Müll: die guten ins Kröpfchen, die schlechten in die gelben Fässer und auf die Deponie, fremde Moral zur Schau stellen vor alarmgesicherter Haustür in bunten Plastiktonnen.
Ich will denunzieren können, wie einst die gescheitelten Kinder des Dritten Reichs oder diese 283.333,333 Stasispitzel im Vierten oder die Knöllchenschreiber und Gebühreneinzugsbataillone im Fünften.
Ich will small-talken, klein-reden, Scheiße labern und Korinthen kacken.
Ich will glauben, dass man Schweine essen kann, die glücklich gestorben sind.

(Aus: „Das Gefick mit der reinen Vernunft“, HEIMATHIEBE, Release November 2016) )