David Wonschewski über „Heimathiebe“ (2017)

Sowas kann man rebloggen 🙂 Danke an Herrn Wonschewski!

David Wonschewski | Autor

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von David Wonschewski

„Maniker können mitunter sehr schnell denken und Berge versetzen. Problematisch wird es erst, wenn sie diese Berge hinstellen, wo sie nicht hingehören, und am nächsten Tag nicht mehr wissen, wer den Haufen gemacht hat…und wie sie da ganz oben raufgekommen sind. Bipolar ist ein Tanz auf Messers Schneide, bei dem man sich zwangsläufig blutige Füße holt.“

Wäre Thomas Manegold eine Frau, ohne Umschweife knutschen würde ich ihn, sie, allein dieser paar Zeilen wegen. Stürmisch ginge ich dabei zu Werke, feucht, wild, exzessiv, ein wenig übertrieben. Nun, manisch halt. Denn auch wenn dieser Gedanke, den Manegold in seinem aktuellen Werk „Heimathiebe“ äußert, für mich als bipolaren Menschen keineswegs neu ist – selten habe ich Wunder und Wunden meines eigenen manisch-depressiven Wesens derart kompakt und anschaulich zusammengefasst gesehen. Es ist halt alles gleichermaßen kompliziert wie charmant, so man, ärztlich attestiert, einen an der Waffel hat. Und so einer…

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Das Gefick mit der reinen Vernunft (1)

Ich will in Schubladen denken können, endlich das Vorurteil erleben, das Trampelpfade asphaltieren kann und Worte ungeschehen macht, die ich nie begangen habe.
Ich will weisungsgemäß jene verurteilen, die glauben, dass sie fürs Töten in den Himmel kommen und man ihnen dort Frauen schenkt, die sie ungefragt zerficken dürfen. Und ich will einer von denen sein, die glauben, nie getötet zu haben und dass man sich für Geld alles kaufen kann – Frauen und Kinder zuerst.
Ich will Menschen trennen können wie Müll: die guten ins Kröpfchen, die schlechten in die gelben Fässer und auf die Deponie, fremde Moral zur Schau stellen vor alarmgesicherter Haustür in bunten Plastiktonnen.
Ich will denunzieren können, wie einst die gescheitelten Kinder des Dritten Reichs oder diese 283.333,333 Stasispitzel im Vierten oder die Knöllchenschreiber und Gebühreneinzugsbataillone im Fünften.
Ich will small-talken, klein-reden, Scheiße labern und Korinthen kacken.
Ich will glauben, dass man Schweine essen kann, die glücklich gestorben sind.

(Aus: „Das Gefick mit der reinen Vernunft“, HEIMATHIEBE, Release November 2016) )

Pfingstgeflüster 2014

Pfingstgeflüster 2014Bereits zum neunten Mal erscheint heute, am 23.07.2014 das „Pfingsgeflüster“, die liebevoll gestaltete Reminiszenz an das größte Festival der schwarzen Szene. Seit 9 Jahren entsteht aus ausgewählten Texten und tollen Bildern ein rückblickendes und doch äußerst inspirierendes Werk unter der Leitung von Marcus Rietzsch. Bei all seinen Projekten wird Idealismus nicht nur groß, sondern vor allem richtig geschrieben. Der Fotograf und sein Team (allen voran Redakteurin Edith Oxenbauer) arbeiten sich ganzjährig für ihre Idee von einer anspruchsvollen Szene-Community auf, sodass hier auch mal ein ausdrücklich kollektives DANKE fällig ist – für erhellende Rezensionen, ehrliche Interviews und jenem Sinn für Ästhetik und Inhalt, der immer seltener zu finden ist. Weiterlesen „Pfingstgeflüster 2014“

Gespräche mit Goth: Ein altes Interview mit End Of Green

End Of Green ist neben Omnia eine der wenigen real benannten Bands, die im Roman „Gespräche mit Goth“, im Leben des Protagonisten und im Leben des Autors gleichermaßen eine wichtige Rolle spielen. Im Kapitel „Cure My Pain“ dreht sich eigentlich alles um einen bestimmten Song, der auch in diesem Subkultur-Interview aus dem Jahr 2002, mit der damals noch sehr jungen Band ein Thema ist. Ungekürzt. Alte Rechtschreibung. Wenn ich mich jetzt, über 10 Jahre später, nicht so sehr für das damalige Layout der Internetzeitung schämen würde, wäre es ein Zeitdokument…   (Damals waren Menschen mit Webdesign-Kenntnissen aber unfassbar teuer. Und wir waren jung und rauchten das Geld.)

Weiterlesen „Gespräche mit Goth: Ein altes Interview mit End Of Green“

Smalltown Boy (Auszug) aus „Gespräche mit Goth“

Aufzucht und Pflege werden von den immer gleichen ausdruckslosen Gesichtern geprägt. Du kannst dir deine Freunde nicht aussuchen und dein Leben nicht selbst gestalten. Nicht, weil man das nicht darf, sondern weil man nur diese eine kleine, piefige Welt kennt, von der man noch nicht einmal weiß, dass sie klein und piefig ist. Jeden Tag wird der immer gleiche Ablauf zelebriert, als Tugend gepriesen und wie eine Religion verbreitet: Aufstehen, Waschen, Frühstücken, Zähneputzen, in die altersbedingt zuständige Aufbewahrungsanstalt, „Du isst den Spinat immer wieder, bis du ihn nicht mehr auskotzt“, nach Hause, Abendbrot, Sandmann und dann ins Bett. Dort träumst du dann von Feen und von sprechenden Fröschen und wärst so gern ein edler Ritter oder wenigstens ein kleiner Prinz. Weiterlesen „Smalltown Boy (Auszug) aus „Gespräche mit Goth““

Leseprobe aus „Gespräche mit Goth“

Aus dem Kapitel „Meds“

… Plötzlich kam mir meine Idee furchtbar dämlich vor. Mich durchchecken lassen. Im Kopf. Als ob das so einfach wäre wie ein Blutbild. Aber man legte mir ja auch nahe, mich freiwillig, von Zeit zu Zeit … und die resolute Frau auf der anderen Seite des Tisches war offensichtlich auch nicht bereit, mich ohne Geschichte wieder gehenzulassen.
„Hmm, wo soll ich anfangen …“
„Dann beginnen wir mit den Fragen, die ich habe. In Ordnung?“
„Okay.“ Weiterlesen „Leseprobe aus „Gespräche mit Goth““

Dying Culture

(Ein Text aus „Morbus Animus„, der auch aus „Gespräche mit Goth“ sein könnte.)

Der Song steinalt, ein Klassiker.
Und er ist irgendwie allumfassend zutreffend.
Der kleine Kult-DJ aus L.A., der sich mit diesem Song für eine kurze Zeit unsterblich gemacht hatte, meinte aber eine andere Kultur, damals. Heute trifft jenes schneidende, brutale, durch den Verzerrer gejagte „Dying Culture, Dying Culture“ auch auf jene Culture zu, die gerade versucht, darauf zu tanzen.
Es war und ist ein kollektiver Irrtum, dass Kulturen kommen und gehen. Sie blühen auf, zerbröseln, stürzen ein, verbrennen zu Asche oder verrotten zu schwarzer Erde, um immer wieder neue Kulturen zu nähren. Das Problem heute ist, dass nichts mehr nachwächst, weil keiner mehr wachsen will. Weiterlesen „Dying Culture“

Sinnlos (aus Morbus Dei 2007)

Mein Bruder ist sehr anstrengend. Er will immer alles ganz genau wissen. Immer wenn ich von meinen nächtlichen Streifzügen heimkehre, soll ich ihm erzählen, wie es war. Wie die Dinge aussehen, interessiert ihn dabei weniger, er will vielmehr detaillierte Beschreibungen von den Dingen, die in mir ablaufen. Emotionen, sagt er, sind die Essenz des Seins. Emotionen, sage ich, sind lästige chemische Reaktionen im Körper, die uns zu allerlei erniedrigenden Handlungen treiben, Ängste schüren, Begierden wecken, Süchte pflegen. Berichte ich ihm von einem Umtrunk an der Bar, will er die Beschaffenheit der Gläser wissen, wie der Drink schmeckte und den Klang der Stimmen meiner Kumpanen beschrieben haben. Selbst wenn es dabei um Frauen geht, will er wissen, wie sie sich anfühlten und was ich dabei empfunden habe.
Kleine Brüder können einem ganz schön auf den Geist gehen. Meiner ist zudem mit dem Fluch eines aktiven Hirns belegt und zugleich mit der Unfähigkeit, es abzuschalten. Er liest mit den Händen und Ohren. Fragt ständig seine menschliche Umgebung aus. Und er spielt leidenschaftlich gern Klavier. Weiterlesen „Sinnlos (aus Morbus Dei 2007)“

Denn Du schluckst, was Du kuckst

EIN STEINALTER TEXT (unverändert) AUS DEM JAHR 2006

Rückblendung. „Guten Tag, ich möchte meinen Fernseher abmelden. Und das Radio gleich mit. Wieso geht das nicht? Natürlich habe ich die Geräte noch, aber ich ziehe um, und ich habe nicht die Absicht, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Wieso klingt das unwahrscheinlich? Ja, ich weiß, dass es kein Argument ist, wenn ich sagen würde, dass ich ARD und ZDF gar nicht einschalte, nein, ich will die Geräte noch nicht mal bereitstellen. Nein …”

Weiterlesen „Denn Du schluckst, was Du kuckst“

Noch´n Gedicht

TraumTod

Treuesiegel brechen immer wieder.
Blicke lodern samtweich übers Heer.
Seelenspiegel senken ihre Lider,
tragen ihre Botschaft hin zum Meer.

Klagelieder rufen ferne Winde
zu den Uferstränden dieser Stadt.
Immer wieder türmen sich die Gründe,
hoch hinaus zu fliehen nur, anstatt
zu singen mit dem Chor der Toten
Hymnen an die Nacht, die keiner stört,
statt zu ringen, um für den Despoten
Land zu halten, das ihm nicht gehört.

Weiterlesen „Noch´n Gedicht“

Was gesagt werden muss

Grass für einen Tag

Ich hab auch ein Gedicht geschrieben, schon vor Jahren, fast zum selben Thema. Und kein Arsch hat sich dafür interessiert. Niemand fand es so Scheiße, dass ich damit auf den Titelseiten der Nachrichtenmagazine landen konnte. Wer ist eigentlich dieser Günter?

Noch nie gab es so viel Wirbel um ein Gedicht. Das Problem dabei ist, dass es keins ist. Die Rede ist von Günters angeblich krassen Verlautbarungen über Israel, die gerade inflationär durch die Medienmaschine getrieben werden. Es ist geradezu lächerlich, wer da was und wieviel darüber zu sagen hat.  Inhaltlich hat Günter ungefähr so viel neues, brisantes und unkorrektes wiedergegeben, als hätte er anno 2012 im Bundestag vor laufender Kamera behauptet, die Erde sei eine Kugel und sie würde sich drehen…

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Zum Geleit (Leseprobe)

Zum Geleit

„It´s only after we´ve lost everything,
that we´re free to do anything!“
Tyler Durden

Als sie dir die letzte Wahrheit
und das Licht des dritten Auges nahmen,
als sie ihr finales Feindbild,
ihren Sinn des Lebenskrieges fraßen,

zertraten sie mit tönernen Füßen
ihr begehrtes Gut des Hasses,
zermalmten sie mit faulen Zähnen
die letzte friedenstaube Krähe.

Weiterlesen „Zum Geleit (Leseprobe)“