Meine ganz persönliche Hochrechnung

Deutschland im Herbst 2017.

Diese Bundestagswahl kostet den Steuerzahler rund 100 Millionen Euro. Ja, wir bezahlen den ganzen Rummel, der alle vier Jahre landesweit veranstaltet wird. Wir bezahlen die Luftballons mit den drei Buchstaben, die Fotosession, mit der Christian Lindner die Hausfrauen und Singlemänner über 40 wuschig gemacht hat, die Hetzreden gegen diejenigen, die wir nicht mehr Neger, Muselmänner oder Flüchtlinge nennen dürfen, obwohl wir sie ausbeuten, diskriminieren und diffamieren lassen, die Hamsterbackenretusche an den Riesenpostern von Angela Merkel, den Logopäden von Martin Chulz … 100 Millionen Euro kostet der ganze Scheiß. Der Wahlk(r)ampf ist eigentlich ein Verteilungskampf und ein Beweis dafür, dass Menschen sehr weit gehen, um was vom Kuchen abzubekommen.

Nach der Wahl reden nun alle über jene 13%, die wie erwartet einer Satirepartei ihre Stimme gegeben haben. (Bei der jetzt wohl 6 Leute aus der Fraktion austreten, damit sie aus 88 Sitzen bestehen kann … Sorry, das musste sein.) Keiner redet über die 75%, die konservativ gewählt haben oder über die 10% davon, die den neoliberalen Scheiß befürworten, gegen den die AfD-Phantasien sich als Kindergarten entpuppen würden.

Keiner redet darüber, dass selbst Abstürze auf 20% nicht reichen, um eine sogenannte Volkspartei zu einem echten Neuanfang zu bewegen. Warum hat so ein Ergebnis keine Konsequenzen, warum fühlt sich keiner der Sozen dafür verantwortlich? Warum tritt keiner derer zurück, die man abgewählt hat? Die Regierenden sind der Meinung, dass „der Wähler“, wer immer das sein mag, sie in die Opposition verwiesen hätte? Gehts noch? Sie können eure Gesichter nicht mehr sehen. Und das Geplapper nicht mehr hören. Ihr seid unglaubwürdig. Und wenn ihr das nicht gerechtfertigt findet, dann feuert eure Imageberater. Aber geht!
Martin Schulz hätte sich vorher überlegen müssen, was seine Themen sind und welche Inhalte und Ziele er vertritt, er hätte sich auch zuvor von der Gro-Ko distanzieren müssen. Danach hätte er sich mit einem konkreten, sagen wir mal, 10-Punkte-Plan als Kanzlerdandidat aufstellen lassen können. Das wäre authentisch gewesen. Ich glaube, dann hätte ich ihn sogar gewählt. Selbst wenn er die Büchermacher vergessen hätte 🙂 Aber so ganz ohne Plan und ohne Inhalte … das Volk ist halt noch nicht blöd genug.

Ich glaube, dass die Bevölkerung es satt hat, dass ständig alle sich jedewede Optionen offenlassen, taktieren und doch eigentlich nur die Interessen ihrer jeweiligen Träger gegeneinander ausspielen, dass es primär um Pfründe und Machterhalt geht und erst sekundär um Glaubwürdigkeit oder gar um Gestaltung. Wer sich verplappert, wird in Brüssel zwischengelagert oder geht in die Wirtschaft oder bekommt eine unverschämte Rente oder schlimmer. (Christian Wulff bekommt für seine nichtmal 2jährige Schlossbesetzung beispielsweise 200 000 € im Jahr, bis er daran erstickt, während er munter weiter als Anwalt und Berater seine Beziehungen versilbert.) Vielleicht wissen ein paar mehr Menschen, dass Korruption und Lobbyismus eigentlich dasselbe ist. Und dass eure Moral mehr als nur doppelbödig ist.

Die regierenden Parteien haben zusammen ca. 15 % verloren. NEIN, NICHT WEIL DIE REGIERUNG NICHT RECHTS GENUG WAR. Niemand kommt auf die Idee, dass diese schlauen 15% die Regierung einfach nicht wiedergewählt haben, weil sie diese Regierung scheiße finden. Weil sie von Wanka und Müller gar nichts gehört haben, weil Hendriks eigentlich immer nur rumheult, dass alle gegen sie sind, weil Dobrindt soviel Sympathiepunkte mit seinem Mautgelaber gesammelt hat, dass man sein Gesicht auf Box-Sandsäcke drucken lassen könnte. Weil Gröhe die Verkommerzialisierung des Gesundheitssystems verwaltet hat, weil Schwesig, Gabriel und Steinmeyer ihre Resorts swingerclubmäßig für den nächsten Posten einfach mal weitergereicht haben, weil Nahles sich für jedes Häufchen, was sie gemacht hat, feiern ließ, als wäre es Schokolade. Und weil Thomas die Misere seinem Namen auch mehr als alle Ehre gemacht hat … Dennoch: Ich habe einen Heidenrespekt vor Herrn Schäuble, Frau Merkel und vor allen, die diesen Zirkus aushalten, ohne abzudrehen. Und ich weiß, dass einige Volksvertreter durchaus Kompetenzen haben und wissen, was sie da tun und warum. Das Problem ist: Ich weiß das nicht und ich habe das Gefühl, dass ich das auch gar nicht wissen möchte.

Der Mehrheit der Deutschen geht es gut. Schon klar. Aber das ist doch nicht alles, zumal es immer darum geht, wie man als Gesellschaft mit den Minderheiten verfährt.  Und „Gutgehen“ ist eine sehr schwammige Bezeichnung. Wir sind satt und selbstzufrieden, haben schnelles W-Lan (Ok, nicht überall), eine Spielekonsole und ein Netflix-Abo. Wir werden immer dümmer, immer dicker und immer paranoider. Wir leben auf Kosten anderer Menschen und künftiger Generationen. Immer weniger Menschen sind intellektuell in der Lage, sich an der Wertschöpfung, an den Entscheidungsprozessen und am Fortschritt aktiv zu beteiligen. Immer mehr Menschen müssen alimentiert werden, nicht nur die Sozialhilfeempfänger, sondern auch diejenigen, die euch in der Elbphilharmonie bespaßen, die euch solche Mafiadenkmäler bauen und die Industrieellen, die ihr bestecht, damit sie die Arbeitlosenzahlen niedrig halten, die Bauern, für die sich Landwirtschaft nicht mehr lohnt, die Arbeiter, die keine mehr sind – und euer ständig wachsender Selbstverwaltungsapparat.

Ihr kuscht vor den Banken, ihr kuscht vor den Diktatoren, ihr bedient die Lobbyisten… gut, das mag sehr nach pauschaler Verurteilung klingen und ist auch so gemeint, denn auch ihr reduziert euer Volk ja auf „den“ oder „die Wähler“ und auf ein paar Prozentzahlen. Man muss nicht immer differenzieren. Manchmal ist es auch ganz einfach: Ihr ward scheiße. So. Und „gutgehen“ tut es uns und den paar Geflüchteten auch nur deshalb, weil ein paar Menschen bis zum Umfallen dafür gearbeitet haben. Meistens umsonst und draußen und meistens gegen eure Bürokratiemühlen und persönlichen Interessen. Jenes „Wir schaffen das“ war extrem zynisch, Frau Merkel, weil es „Ich schaffe das“ hätte heißen müssen und nunmal „Ihr schafft das“ bedeutet hat.

Zieht man die 20% Mitleidswähler der SPD mal ab, haben immer noch 55% erzkonservativ CDU, CSU, FDP und Grüne gewählt. (Und bevor nun wieder die sich ökologisch und progressiv Meinenden losplärren, nein, die Grünen sind keine Fortschrittspartei mehr. Und schon gar nicht etwas, das man früher mal links nannte. Konservativ bedeutet nur „bewahrend“, also „weiter-so“, ihr habt früher dazu „spießig“ gesagt … ) Diese 55% sind der eigentliche Skandal, denn diese Parteien, die wahrscheinlich die neue Regierung bilden werden, sind, schon allein weil sie drüber nachdenken, im Grunde alle rechts-konservativ, sie stehen für ein System des ständigen Wachstums, der fortlaufenden Kapitalkonzentration und dem Bewahren eines Status Quos, der die Welt früher oder später in die nächste Krise reiten wird.

Es war so exemplarisch für die Grünen, als irgend so eine Quotenfrau heimlich hinterm Haus aus ihrer Luxuskarre in ein repräsentatives Umweltauto umgestiegen ist, um dann vor laufender Kamera mit dem Klischeegefährt vorzufahren …

Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich rasant. Dafür braucht es auch vollkommen neue Konzepte. Einen vollkommen neuen Umgang mit Konfessionen, eine neue Ethik, echte Gleichberechtigung, echte Nachhaltigkeit, Bildungsoffensiven bei den 6, 16 und 60jährigen, Breitbandausbau, neue Orientierung in der Forschung, die Rettung von Journalismus, Meinungs- und Pressefreiheit und der Kulturschaffenden. Und nicht „Machterhalt first“.

„Bedenken second“ war übrigens die einzige offensichtliche Lüge auf dem FDP-Plakaten. Ich denke, dass „Bedenken“ bei Herrn Lindner es nichtmal unter die Top 10 schaffen würde. Aber damit ist er nicht alleine. Das gehört wohl zur Grundausstattung.
Das AFD-Programm ist dann auch nicht verheerender, als das der FDP. Das eine zündet das Haus von innen an, das andere von außen. Aber weder haben die AfD-WählerInnen nur protestieren wollen, noch sind die FDP-WählerInnen nur auf Posing-Christian hereingefallen.  Sie alle wissen im Grunde genau, was sie da gewählt haben. Nationalkonservativ und nationalsozial die einen und  die anderen einen entfesselten Markt in einem schwachen Staat unter Führung eines selbstgefälligen Opportunisten, der entgegen seiner Zitierwut Adam Smith nie gelesen hat 🙂 Zwar hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Beide Programme sind total verschieden. Aber sie sind nunmal reaktionär und menschenverachtend.

Die 700 Abgeordneten und die sonstigen Mitarbeiter des Bundestages allein verursachen jährlich Kosten von rund 500 Millionen Euro. Hinzu kommt die Bundestagsverwaltung und dergleichen. Auch die Liveübertragung in unsere Wohnzimmer kostet extra 🙂

Ich denke, für soviel Kohle haben wir mehr verdient, als stupides AfD-Bashing, Wirtschaftslobbyismus und so eine langeweilige Game-Of-Thrones Adaption, ganz ohne Sex und ohne Fabelwesen und mit adipösen Rentnern und  karierregeilen Nutten beiderlei Geschlechts in den Hauptrollen, die alle das Drehbuch nicht verstanden haben, aber trotzdem die Gagen kassieren. Gagen, die wir bezahlen müssen, egal, wen wir gewählt haben.

P.S.: Warum bildet Frau Merkel nichtmal eine Regierung komplett fraktionsunabhängig mit denjenigen, die gewählt und gleichzeitig am besten qualifiziert für den jeweiligen Job sind?

ToM

 

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Ich wollt einfach mal „Danke“ sagen

Nach einem denkwürdigen Jubilat bin ich zwar immer noch ziemlich durchgeschüttelt, aber auch gerührt. Man wird halt nicht jünger. Allerdings dürfte jener Feiertag der wichtigste für mich 2017 gewesen sein: 10 Jahre Periplaneta. 10 Jahre Family und Kulturkampf in einem. Das sagt viel aus. Über meine nicht vorhandene Konfession und Sozialisation.

10 Jahre Hamsterrad. 70 Stunden in der Woche. Dennoch liebe ich, was ich da mache. Auch wenn ich sowieso nicht anders kann. OK. Man könnte mit jemandem Professionellen drüber reden, für Geld. Aber wo bliebe dann der Spaß und die Spannung. Außerdem sind die Fenstertomaten noch so hoch, dass man gar nicht hüpfen könnte. Ich finde, man kann mit seinen Dämonen auch was sinnvolleres machen, als drüber zu reden oder sie im Lotussitz unter Aufsicht zu ignorieren. (Nein, keine Familienaufstellung). Und irgendjemand muss ja dem Krätschell noch die zweite Auflage machen …

10 Jahre … Während dieser Zeit ist viel passiert. Auch viele Tragödien, Enttäuschungen, Katastrophen. Und die drängeln sich leider immer in den Vordergrund. (So wie dieser eine große Mann, der gestern das halbe Buffet alleine gegessen hat 🙂
An die schönen Dinge gewöhnt man sich dagegen sehr schnell. Und dann fallen sie einem gar nicht mehr auf. Deshalb: Danke. Für die Blumen und die Geschenke. Danke für die Glückwünsche. Aber vor allem Danke für die tolle Zeit mit euch, die ihr euch auch immer wieder das Gejammer anhören müsst, wenn etwas nicht klappt, die ihr immer wiederkommt, weil euch das gefällt, was Periplaneta ist. Danke fürs Mögen in guten und in schlechten Zeiten. Danke fürs Mitmachen und Mitmachendürfen. Danke für die Texte, danke für die Musik, danke, dass ihr immer wieder bei uns performed, auch wenn manchmal nix zu holen ist.

Danke fürs Zuhören und fürs Aushalten, auch wenn sich unsere Ansichten vielleicht auch mal nicht überschneiden und man schon wieder nicht unterscheiden kann, wo die Grenzen von Ironie, Sarkasmus, Zynismus und Satire sind. Die Welt hat es nicht anders verdient 🙂

Ihr schon.

Heute weiß ich wieder: WIR sind die Guten.
Auf die nächsten 10.

ToM

2017 – Eine Vorschau

Weil alles zurückblickt, ein Blick in die Zukunft.

2017 wird ein tolles Jahr. Frau Merkel wird mit Hilfe der Grünen und der SPD wieder Bundeskanzlerin. Und ein Möschdegärngöbbels wird auf einem totsanierten Marktplatz irgendwo in Sachsen stehen und die sich im Regen langsam auflösende Mengele fragen: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Die AfD wird mit über 25% der Stimmen in den Bundestag einziehen. Und jenseits unserer Grenzen werden in mit unseren noch unbezahlten Steuergeldern erbauten Konzentationslagern Menschen die Beine breit machen, um an der osmanischen Security vorbeizudürfen – hinein in die große Freiheit, in den größten Knast der Welt, in die Festung Europa.

2017 wird wieder eine ganze Horde Künstler wegsterben. Einige sogar an den Folgen ihres ausschweifenden Lebens. Ein paar werden wir vielleicht sogar vermissen. Die Anzahl der Kriegsopfer wird in etwa gleichbleiben. Vielleicht sogar ein bisschen zurückgehen. 15% Wirtschaftswachstum sind auf Dauer einfach nicht zu halten. Es werden Menschen ertrinken, im Mittelmeer, im Atlantik, in Unwettern und Tsunamis – und wir werden nichts dagegen tun.

2017 werden wieder über 50 000 Tierarten aussterben. Und wir Deutschen werden wieder wegen ihres Fleisches eine Milliarde Tiere töten und danach rund 333,33 Millionen davon wegwerfen.

Das neue iPhone wird kommen und vielleicht sogar noch ein Samsung Galaxy. Und wir werden endlich in Fahrzeugen herumfahren, die serienmäßig einen eigenen Peilsender haben. Wir werden schrittweise unsere Dieselmotor-Autos verschrotten und in dem Glauben, die Welt zu retten, uns neue Fahrzeuge mit Batteriebetrieb kaufen.

Auch werden wieder viel zu viele Zurückgebliebene einen eigenen Internetanschluss und somit eine Stimme bekommen, ohne eine Sprache zu beherrschen. Es werden also noch mehr Idioten in unseren Netzwerken herumkrakeelen. Das Niveau der dort abgesonderten Inhalte wird nicht steigen. Aber auch nicht fallen, weil es nicht tiefer sinken kann. Die „Ich“-Dichte in den Kommentaren wird weiter zunehmen.

Es werden ein paar verhaltensgestörte, narzistische, gewaltbereite, dumme und deshalb gefährliche Arschlöcher sich wieder an der Vernunft vergehen und Leben auslöschen. Wir werden uns deshalb in Gruppendiskriminierung üben, die Sippenhaft fordern und einige von uns werden wieder präventiv selbst Hand anlegen. Weil die Halbwertszeit von Ängsten immer gleich ist, werden wir auch 2017 als Volk uns an einiges gewöhnt haben und demzufolge auch neue Bedrohungen vorgesetzt bekommen: Altersarmut, Atomkraftwerke, deren Strahlung sich nicht an Ländergrenzen hält, Supervulkane, deren Ausbruch die CO2 Bilanz gefährdet, der Virus H73N42 und die nächste Wirtschaftkrise.

Wir werden weiterhin in regelmäßigen Abständen Beweise für die Machenschaften derer bekommen, die Macht über uns haben, weil wir diese Menschen verehren oder weil wir sie wählen oder weil wir den Mist kaufen, den sie verzapfen oder anpreisen – und wir werden diese Enthüllungen mit ein bisschen hühnerstalleskem Gegacker kommentieren und danach weitermachen wie vorher.

Genau deshalb wird 2017 das Jahr der ewig pubertierenden Staatsmänner. Das  Testosteron in den Flecken auf den Chefsesseln dieser Welt wird unerträglich stinken und die Konversation zwischen den Alphamännchen dieser Scheißkugel wird endlich Kindergartenniveau erreichen. Trump und Erdogan sind nur der Anfang eines Trends, dass die Menschheit sich vermehrt freiwillig von verhaltensgestörten, narzistischen, gewaltbereiten, dummen und deshalb gefährlichen Männern f… regieren lässt.

Doch auch 2017 werden wir Deutsche satt und sediert in einem Land leben, dessen politische Elite korrupt ist und die ihr Totalversagen mit leeren Phrasen, einer monströsen Bürokratie und mit faulen Kompromissen kaschiert. Vielleicht merken ja ein paar Menschen, dass man Dummheit durch Bildung und Unwissenheit durch Aufklärung lindern kann und nicht mit Toleranz. Dass man Kriminalität jeder Art durch die konsequente und schnelle Anwendung von Gesetzen begegnet und nicht mit dem Verkauf sicherer Fenster oder mit schwülstigen Reden und einer vollkommen paranoiden Berichterstattung. Vielleicht zügeln ein paar Medienschaffende und Redakteure mal ihre Gier nach Aufmerksamkeit und realisieren, dass man die Opfer von Gewalttaten verehren und die Täter beschämen sollte, nicht umgekehrt.

Hoffen wir, dass 2017 zu Weihachten nicht wieder irgend so ein verhaltensgestörtes, narzistisches, gewaltbereites, dummes und deshalb gefährliches Arschloch auf unseren Titelseiten zu sehen ist. Hoffen wir, dass der beleidigende Spott gegenüber den noch blöderen Mitmenschen endlich aufhört. Hoffen wir auf neue Idole und auf runderneuerte, wache Menschen mit ungleich höhrerem Selbstwertgefühl und mit geraden Rücken.

Manegold Heimathiebe PeriplanetaHoffen wir auf die Wiederkehr von jener Restwürde in uns allen, die uns vielleicht verbietet, vor den Schlachtbänken, überteuerten Wohnungen und Versuchungen dieser Welt Schlangezustehen. Und die uns über die Gockel dieser Welt lachen lässt, anstatt sie dafür zu bezahlen, dass sie als Götzenbilder und Clowns mit Jonglagen und Verheißungen unsere tief empfundene Leere füllen.

Und wenn wir genug gehofft haben, fangen wir einfach mal an, es besser zu machen und es vor allem besserzumachen – als 2016 oder 2015 … oder 1989 oder 1933.

Prost Neujahr!

Thomas Manegold

Noch mehr Heimathiebe?

Reden und reden lassen

„Nicht die Muttersprache ist in Gefahr oder die christlichen Werte oder die Unschuld der dreizehnjährigen Bitch im Kinderzimmer nebenan. Sondern unser aufgeklärtes, wissenschaftlich orientiertes, fragiles Konstrukt von Freiheit, Kultur und Fortschritt. Egal wer den gegenwärtigen Krieg gewinnt, wenn der zu Ende ist, wird die Erde wieder eine Scheibe sein. Und die Überlebenden dumm wie Toastbrot.“

 Am 30. Oktober präsentieren Thomas Manegold, Gary Flanell, Mikis Wesensbitter, Imke Kubin und Guido Kreutzmüller Literatur und Musik abseits des Mainstreams.

Die Edition Subkultur veröffentlicht Independent-Literatur und Musik. Zwischen subtil und subversiv ist alles dabei – witzig, schräg und jenseits jener Schubladen, in die man “Szeneliteratur” so gerne einsortiert.

30.10.2015 @ 20:00 – 22:00:Periplaneta Literaturcafé Berlin
Bornholmer Straße 81A10439 Berlin

Das Gefick mit der reinen Vernunft (1)

Ich will in Schubladen denken können, endlich das Vorurteil erleben, das Trampelpfade asphaltieren kann und Worte ungeschehen macht, die ich nie begangen habe.
Ich will weisungsgemäß jene verurteilen, die glauben, dass sie fürs Töten in den Himmel kommen und man ihnen dort Frauen schenkt, die sie ungefragt zerficken dürfen. Und ich will einer von denen sein, die glauben, nie getötet zu haben und dass man sich für Geld alles kaufen kann – Frauen und Kinder zuerst.
Ich will Menschen trennen können wie Müll: die guten ins Kröpfchen, die schlechten in die gelben Fässer und auf die Deponie, fremde Moral zur Schau stellen vor alarmgesicherter Haustür in bunten Plastiktonnen.
Ich will denunzieren können, wie einst die gescheitelten Kinder des Dritten Reichs oder diese 283.333,333 Stasispitzel im Vierten oder die Knöllchenschreiber und Gebühreneinzugsbataillone im Fünften.
Ich will small-talken, klein-reden, Scheiße labern und Korinthen kacken.
Ich will glauben, dass man Schweine essen kann, die glücklich gestorben sind.

(Aus: „Das Gefick mit der reinen Vernunft“, HEIMATHIEBE, Release November 2016) )

Sterben 2.0

In unserer Welt wird gerade viel gestorben. Sorry, es muss heißen: In UNSERER Welt wird gerade viel gestorben. In der Welt an sich gibt es deshalb keine statistische Verschiebung. Sechsstellige Leichensummen pro Krisenherd werden von 300 Flugzeuginsassen und 500 Abschüssen in irgendeinem Ghetto nicht aufgewogen. Denn das einzige, woran wir uns aufgeilen können, sind Superlative und Tabubrüche. Pietät ist nur ein leeres Wort.

Als ich nachschauen wollte, wieviele unbeteiligte Erstweltler im Himmel über der Ostukraine verreckt sind, da stand doch an der selben Stelle, wo noch gestern der Abschuss-Liveticker war, dass die Anzahl der Fettleibigen bis 2030 wahrscheinlich zunehmen wird. Vor dem Abschuss der Passagiermaschine waren wir noch Weltmeister. Wenn werauchimmer das Flugzeug eine Woche vorher vom Himmel geholt hätte, dann hätten wir es wohl in der Weltmeistereuphorie gar nicht mitbekommen, so wie die feierliche Eröffnung des werweißwievielten Krieges im Nahen Osten.

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Europas neue Toleranz

Conchita Wurst gewinnt den ESC.

Den europäischen Liederwettstreit gewinnt eine Frau mit Bart. Toll. Europa feiert deshalb seine neu gefundene Toleranz. Das macht schon Bauchweh. Europa hat auch zwei Jugendliche ausgebuht, die aus einem Land kommen, dessen Staatschef gerade aus der Reihe tanzt. Und es war besonders freundlich zu den Vertretern jenes Landes, das Europa gerade annektieren will. Der ESC ist natürlich auch politisch… 🙂 … Er ist das, was an Politik noch übrig ist und der größte mediale Test, ob die Meinungsmache noch funktioniert.

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Wider die Masse: Ostern | Kolume bei edition.subkultur

„Folter, Kreuzigung, Auferstehung… und dann weiter, immer weiter, bis sich alle wieder an den Trott gewöhnt haben, sich wieder hassen und den Sommer zu heiß oder zu kalt finden. Sich leben und einspannen lassen. Sich auf den Urlaub freuen, weil der Alltag, der ihnen auferlegt wird, unerträglich scheint. Die Nachplappern, was die Meinungsindustrie produziert und dann, wenn es wieder kalt wird, einmal mehr Buse tun unterm abgesägten Baum.“

Wider die Masse: Ostern |
edition.subkultur

Ein Berliner in Antwerpen 1

Oder: 39,90

Als europaweit verehrter und anerkannter DJ mit exzellentem Ruf verschlug es mich  nach Belgien, um mir in einer von Peter Paul Rubens persönlich angemalten Kirche in Antwerpen huldigen zu lassen. Allerdings war die Entscheidung, Rockstar-like mit dem Flugzeug aufzuschlagen, eine rein wirtschaftliche, denn niemand ist billiger als EasyJet. Nichtmal Mitfahrgelegenheit.de. Der Aldi unter den Fluggesellschaften bietet Flüge von Berlin nach Brüssel schon ab 39,90 an. Ohne Umsteigen! In einer Stunde! In der Zeit fährt die Bahn für den selben Preis höchstens bis Magdeburg!

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Nagelprobe (2005)

Weihnachten… das Fest des Friedens und der  Liebe… Jedenfalls für die Welt der an das christliche Gut und Böse glaubenden Konsumenten, die Frieden mit Ruhe nach dem Sturm auf die Auslagen und…

Nein, nein ich will nicht lästern… Für die wahrhafte Christenheit ist Weihnachten natürlich kein Konsumrausch, sondern die Geburtstagsparty für den Typen, den die Juden dann zu Ostern ans Kreuz nageln lassen, auf das die Christen, trotz ihres Konsumrausches, in den Himmel kommen.

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Let´s talk about Sex

Na siehste, funktioniert doch immer noch. Willkommen. Mach Dir nichts draus. Jeder Biologe kann das erklären. Auch wenn wir diesen Mechanismus durchschauen, so ist da irgendetwas in uns, was uns, je nach sexueller Orientierung, auf die entsprechenden Ärsche und Möpse starren lässt. Nur  ist Gucken und Grapschen so eine Sache. Es entblöst das Triebhafte in uns und deshalb lieben die Zivilisierten die Kompensation. Zudem finden alle den Sex, bei dem sie nicht mitmachen dürfen oder können oder wollen, immer ziemlich Scheiße.

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Vision und Wahn

Ode an meine Lesebühne 2012

Die Idee begann an einem Ort, wo man so etwas am wenigsten vermutet. In Bayern. Man kann nun von diesem Land halten was man will. Es ist schön, es ist satt, sauber und sicher. Das Land der Lederhosen und Zwangsexarbeitslosen. Das Land mit dem rigidesten Rauchverbot und dem schwierigsten Abitur. Im Bund der Blinden ist der einäugige König. Im Tal der Tauben hören Spatzen auch nur die Blinden von den Dächern pfeifen. Und dumpf aufklatschen auf graublauen Asphalt.

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