Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Ein Herz für Annalena

„Baerbock will Bundeskanzlerin werden, es mit den Putins, Bidens und Erdogans dieser Welt aufnehmen, hat aber noch nie irgendetwas regiert – kein Bundesland, kein Ministerium, kein Landratsamt, nicht einmal ein Dorf-Rathaus, und sei es in ihrem Heimatort Patenssen bei Hannover. Ihr fehlt jedwede Regierungserfahrung, doch sie greift nach dem mächtigsten Regierungsamt im Staat.“ (schreibt N-TV)

Vorab: Ich mag weder die Grünen, noch ihr Programm.

Aber die Pressereaktionen, für die dieses Zitat exemplarisch stehen soll, sind gleich auf mehreren Ebenen schlimm. Es wird wieder einmal das gemacht, was man so am besten kann: Stimmung und Angst. Angst, sie wäre zu doof, zu unerfahren und sie könne es mit „den Erdogans und Putins dieser Welt“ nicht aufnehmen. Das wird nun flächendeckend lanciert. In einer Geschwindigkeit, die mir Angst macht. Selbst im Ausland blasen die Medien die gleiche Gülle auf die Felder …

Aber alles das, was man da gerade zum Problem stilisieren will, wirklich alles, wäre für mich ein Grund, SIE zu wählen. Wir haben ja sonst nur Erdogans und Putins zur Auswahl, also in dem weiter gefassten Sinne, dass das alles Männschen sind, die schon sehr lange an der Macht kleben und für eine wie immer geartete, ihren Machtstatus und die von ihnen geschaffene Verhältnisse bewahrende Politik stehen.

Und was soll das eigentlich sein, die „Putins, Erdogans und Bidens dieser Welt“? Das ist nicht nur eine Schublade, das klingt nach Sehnsucht, Ehrfurcht und Verneigung. Und nach Wichsvorlage, weil man auch ein bisschen so sein will oder sich zumindest nach einer starken Hand sehnt, die … Gut, das Bild krieg ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf, egal …

Ich bekomme von sowas sehr leicht Durchfall. Der Minuspunkt für diejenigen, die von den starken Männern träumen: Unsere Putins können nicht reiten, vor unseren Erdogans haben weniger Leute Angst. Sie haben weniger Waffen. Sie müssen mehr Formulare ausfüllen. Und es hören nicht so viele Verrückte auf sie. Herr Scholz ist noch nicht mal Parteivorsitzender, er hat 2017 die Loveparade in Hamburg sehr schlecht organisiert und er wollte mir Geld überweisen und kriegt es nicht auf die Reihe. Und Herr Laschet, der ohne seinen Eimer hinter der Bütt auch nicht zu den Putins dieser Welt sprechen sollte, kann es ja noch nichtmal mit dem König von … aber lassen wir das, ich will schließlich ab und zu mal über die Grenze ins schöne Bayern fahren.

Fakt ist: Jetzt mit den Despoten der Welt Stimmung zu machen, um von den ganzen Napfsülzen in unserem eigenen Politikapparat abzulenken, ist noch nicht mal Ein-Euro-Shop, das ist Pfennig-Land. Frau Baerbock steht – so schwer mir das auch fällt zu sagen, angesichts dessen, was ich sonst so von den Grünen halte – für Erneuerung. Mehr Erneuerung geht nicht. Und mehr werden wir auch in den nächsten 16 Jahren nicht bekommen.

Und wir brauchen was grundlegend Neues. Der Gaul, den wir geritten haben, der ist nichtmal mehr tot, der ist längst in der Lasagne. Die Würmer und Maden, die darin rumkriechen, werden es nicht richten.

Dass so ein personeller Neuanfang auch sehr gut funktionieren kann, sieht man in anderen Ländern, als in den ewig genannten. (Nein, Ungarn und Polen sind es nicht…) Im übrigen wird Frau Baerbock, wenn sie nur Zweite wird, nach den in die gefrorene Lasagane gemeißelten Schachergesetzen, halt Außenministerin. Wenn Sie, liebe Journalie, also verhindern wollen, dass Frau Baerbock bei Erdogan auf dem Sofa vergammelt, müssten Sie eigentlich dafür sorgen, dass sie gewinnt.

P.S.: Meine Bücher sind übrigens schon immer auf grünem Papier, also schon auf weißem, aber das wurde grün weiß gemacht – und es wurde in Deutschland bedruckt. Und ich habe die meisten mit der S-Bahn aus der Druckerei geholt … Nur falls Frau Baerbock mal an die Macht kommt. Ich war schon ganz früh mit dabei.

Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Pandemiedemenz Update

Wir leben in einer riesigen Depression, in der nichts mehr richtig funktioniert. Es ist die in dieser Art und in diesem Rahmen vollkommen unnötige Unplanbarkeit des Lebens, die uns verzweifeln lässt, profane Dinge, wie die Stapel der inzwischen verbotenen Arten der Gesichtsbedeckung, die wie Pilze aus dem Boden schießenden, befahrradeten Menschen mit Würfeln auf dem Rücken, die überall rumsitzen und darauf warten, Essen wild durch die Gegend fahren zu dürfen, was sicherer und hygienischer sein soll, als ein Kellner in einem Resaurant mit Hygieneauflagen, die sich ändernden Regelwerke der verschiedenen Verwaltungseinheiten (EU, Bund, Länder, Kommunen), die sich gegenseitig widersprechen und dich permanent beschäftigen, wenn du davon betroffen bist.

Das Monster, was uns bedroht, ist die Bürokratie, die uns als Staat zwar noch eine Selbstverwaltung ermöglicht, aber handlungsunfähig gemacht hat. Was, wenn man satt und dauerbefriedigt ist, nicht weiter schlimm zu sein scheint, außer … wenn man plötzlich handeln muss. Die Bürokratie schützt aber zu allererst die Strukturen, die sie hervorgebracht haben. Das ist ja per Wortdefinition auch das, was das Konservative ausmacht. Die Bürokratie, über die wir vor dem Krieg noch gelacht haben, haut uns aber jetzt die Beine weg.

Wenn ein Staat zu blöd, zu korrupt und zu träge ist, in einem Jahr sein Gemeinwesen und seine Regeln einer neuen Situation anzupassen und stattdessen seine Bevölkerung gängelt, paranoid macht und entmündigt, dann kann er reich und modern sein wie er will, er verliert den Rückhalt seiner Insassen. Der Grad der Abkehr wird davon bestimmt, wie sehr und wie die jeweilige Insasse davon betroffen ist. Menschen, die Kranke sehen oder behandeln, haben eine andere Meinung als Menschen, denen man die Existenz zerstört hat, haben eine andere Meinung als Menschen mit Kindern, haben eine andere Meinung, als Menschen, die schon vor der Pandemie das gleiche Leben geführt haben, wie ihnen jetzt aufgezwungen wird… Und da gibt es ja auch noch die Krisengewinnler … keine der Gruppen ist mehr in der Lage, über ihren jeweiligen Erlebnishorizont zu blicken. Durch das asoziale Distanzieren ist uns dann auch noch unsere Restempathie abhanden gekommen. So zerfleischen wir uns zwingend, zwanghaft und vollkommen logisch in irgendwelchen Kommentarspalten untereinander. Anstatt … (hier beginnt mittlerweile eine Grauzone 🙂

Habt euch lieb. Und bleibt gesund.

Funfact: Eine FFP2 Maske kostet in der Herstellung auch jetzt nicht mehr als 4 ct. Innerhalb Deutschlands belaufen sich die Maschinenkosten in der Herstellung auf 0,1 ct pro Maske (Anschaffungspreis/ Produktionskapazität). Der Einkaufspreis vor der Pandemie lag bei rund 10 ct. Nur, falls sich jemand vielleicht mal gefragt hat, wie man damit so unfassbar viel Asche machen kann, dass es sich lohnt, dafür sogar Politiker zu kaufen.

#novemberhilfe #pandemiedemenz #bananenrepublik

Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Corona Tagebuch: Pandemiedemenz

18.01.21:
Wenn 40% der Eltern ihre Kinder in Notbetreuung geben, heißt das nicht, dass 40% der Eltern egoistische, verantwortungslose, coronaleugnende Bratzenhasser sind. Es könnte auch sein, dass diese 40% tatsächlich arbeiten müssen. Es könnte natürlich auch sein, dass sie immer noch fest daran glauben, dass Kitas und Schulen mehr sind als arbeitskrafterhaltende Aufbewahrungsanstalten für Geschlechtsverkehrsunfälle. Sind sie in unser Gesellschaft nicht der Ersatz für das sprichwörtliche Dorf, dass es braucht, um ein Kind großwerden zu lassen?

20.01.21:
Jetzt kommt die Mutante. Gerade noch pünktlich, weil ja die Zahlen nun doch wieder runtergehen. Dass wir bereits den zweiten Lockdown mit einer aus Spanien eingeschleppten Variante verbracht haben, dürfte bekannt sein. Viren mutieren. Die ganze Zeit, nur fangen wir in Deutschland halt jetzt erst an, es zu analysieren. Und irgendwann wird auch der Impfstoff nicht mehr wirken. Was alles auch nicht weiter schlimm ist. Jedenfalls nicht so schlimm, dass man den Karl schon wieder das Ende der Welt verkünden lässt. Ich kann es echt nicht mehr hören.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

CORONA TAGEBUCH – Letzter Eintrag

Ein Gespenst geht um in Europa. Corona war nur der Anfang. Sagt zumindest Herr Gates. Und freut sich schon sehr auf den nächsten Virus, der da kommen wird.

Ich glaube ja, dass er recht hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass seine Prognosen und Warnungen, die er vor der Pandemie doziert hatte, zutreffend waren, sind und sein werden. Wir werden immer mehr und wenn wir uns nicht mit den Ursachen dieser Pandemie auseinandersetzen und diese bekämpfen, dann werden solche Ausbrüche immer häufiger kommen.

Allerdings mutieren Viren schon länger vor sich hin und springen auch schon länger von Spezies zu Spezies. Nur wird durch Massentierhaltung und unsere Art des Terraformings, also mit Atombomben und Brechstangen, die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns etwas einfangen, was uns und andere umbringt, immer wahrscheinlicher. Deshalb: Schuster, bleib bei Deinen Leisten, kack nicht dahin, wo Du isst und lass den Anderen genug Platz zum Kacken und Essen. Die Pandemie und die Ökologische Katastrophe sind quasi zwei Klappen, die auf die selbe Fliege eindreschen und dabei die ganze Küche zerstören.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 5

Ich kenne nun die Regeln, die für Essen, Shoppen, Veranstaltungen, Kinderbetreuung und Unterweisung gelten sollen… Zusammengefasst, zynischerweise, unter dem Begriff…. ich KANN es NICHT MEHR HÖREN… LOCKERUNGEN — LOCKERUNGEN, das Synonym für die Repressionen, unter denen wir die Abfuckprämien und Staatsbeteiligungen und anderen Fantastiliarden erwirtschaften sollen… Das Bewirten und Bespaßen wird nicht mehr möglich sein. Was man noch darf, kann man so nicht mehr nennen. Und es wird damit nicht möglich sein, die Unkosten des Bespaßens und Bewirtens zu decken.

Ok, ich kann selber kochen und Musikvideos schauen und mit dem Shoppen und Veranstalten kann ich auch aufhören … ich bin alt genug, ich weiß, das ich gut bin, ich brauch keine Bestätigung … ist zwar schlecht für die Wirtschaft, aber so what … Und ich war schon immer gegen Bussies und Händeschütteln … Bei den Schule- und Kita- Regeln sind wir aber mittlerweile beim Unterweisen weit vor Fröbel und Pestalozzi, nur halt ohne Prügelstrafe, angekommen … sach mal, habt ihr sie noch alle??? Kids stundenlang isolieren, ihnen die Haut von den Händen waschen … und voneinander distanzieren? Die sollen maskiert bei euch einmarschieren, niemanden und nix anfassen, außer sich selbst – und ohne menschlichen Kontakt wieder ausmarschieren??? Ich meine, das ist Folter. Kinder brauchen andere Kinder und müssen ihre Bezugspersonen und ihresgleichen sehen und anfassen können. Und die ganz Kleinen müssen ja erst soziale Wesen werden.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 4

Mittwoch Mittag. Zur Stunde sitzen ein paar Wissenschaftler und ein paar Politiker irgendwo herum und versuchen, ein paar Dinge zu entscheiden, ohne sich festlegen zu müssen. Gut, klingt jetzt ein bisschen tendenziell kritisch – und ist auch so gemeint.  Ich habe wegen meiner Meinung darüber schon viele Freunde verloren… gut, es waren jetzt Facebook-Freunde. Aber das sind halt die einzigen, die man im Moment hat.

Auch kritiklos Befürwortende der „Maßnahmen“ bemerken langsam Sehnsüchte und psychische Auffälligkeiten, die Isolationen so verursachen.  Ich mach mir zudem Sorgen ob der Entwicklung der frühkindlichen Phase meines Sohnes. Das wird aber jene, die da gerade zusammensitzen und „entscheiden“, nicht tangieren, denn das sind alles Soziopath…ierende. Also nicht per se gestört, aber mindestens während der Ausübung ihrer Tätigkeit … ok, ich merk schon, an der Kunst des Relativierens muss ich noch arbeiten … also Soziopathen. (Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Anteil der psychisch gestörten unter den Politikern und Führern und Entscheidern … )

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 3

„When people run in circles it’s a very very mad world“, sangen einst Tears Fears. Daran denke ich, wenn ich mit den anderen Privilegierten auf den sonst leeren Straßen meine Kreise ziehe. Mittlerweile kennt man sich. Und man grüßt sich wieder… auf der Straße… IN BERLIN(!)… Das hat schon ein bisschen was von Endzeit.

Der hier kreiselnde war vor der Krise frei, schaffend, Künstler und Workaholic. Er hat bereits mehrere Systemabstürze überlebt. Der eine war der Absturz des Sozialismus, da wechselte er nach Bayern, der andere war der von Windows 98, da wechselte er zu MacOS. Er hörte Metal auf Vinyl und Grunge auf CD und legte am Ende seiner DJ Laufbahn mit MP3-Files und Konsole auf und er hat 9/11 im Fernsehen gesehen. Da lag der Anteil der Deutschen, die das Internet täglich benutzten, noch unter 18%. Pandemien kann man nicht aufhalten. 

Privilegiert bin ich, weil ich Vater bin und überall hindarf, so lange ich mein Kind mit herumschleppe. Weil das Kind getragen werden will, ist mein Aktionsradius kleiner, als es mir mein Ausweis gestattet. Andere Privilegierte sind die Menschen mit systemrelevanten Berufen (Arschkarte, keine Ferien), also beispielsweise Lieferandos, Amazonen, SupermarktkassiererInnen, Ärzte, Drogenverkäufer, KrankenpflegerInnen… Die dürfen auch frei rumlaufen, schließlich werden deren Betriebe nicht geschlossen. Saufen daheim geht, aber Beutelwechseln oder Regaleeinräumen im Homeoffice muss erst noch erfunden werden, aber ja, das wird kommen, spätestens bei der zweiten Corona-Welle und falls wir bis dahin das Internet ausgebaut haben, sagt der Altmayer.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 2

„Mama?“, fragt der Kleine den Papa.
„Die Mama muss arbeiten. Die überlegt, wo wir Geld herbekommen.“
„Kita?“, fragt der Kleine den Papa.
„Nein, die Kita hat Ferien, die ist geschlossen.“ Für meinen Sohn wird wohl in der Grundschule der Begriff Ferien negativ belegt sein. Was jetzt nicht schlecht sein muss.
Dann zählt er noch die Vornamen derer auf, die er mit Vornamen kennt und die er seit über einer Woche nicht gesehen hat. Ich muss nicht antworten, weil wir gerade angekommen sind. Wir stehen vor der einzigen noch verbliebenen Wiese in unserem Distrikt, auf der wir regelkonform Ballspielen dürfen.

Der hier Schreibende wohnt am Rande von Berlin Prenzlauer Berg, einem Ort mit einer außergewöhnlich hohen Kinderdichte. Die sind eigentlich nicht das Problem. Aber es gibt hier naturgemäß auch viele Eltern und demzufolge Spannungen mit Menschen, die weder Kinder noch Eltern sind. Wie die meisten, die sich darüber lustig machten, ist auch er in den Augen der Anderen jetzt einer der Schlimmsten, also ein guter Vater. Er fragt sich immer, wenn diesbezügliches Erstaunen geäußert wird, was die Menschen denn erwartet hätten, wenn er Papa werden würde. Dass er seinem Sohn aus „Fight Club“ zitiert? Das ist doch vollkommen absurd.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 1

Die Welt steht nicht mehr Kopf. Sie steht mit beiden Beinen wieder auf dem Grund. Schüttelt sich. Dafür schießt uns nun kollektiv das Blut in die Schädel. Pulsiert, macht Kopfweh. Und wir können plötzlich nicht einmal mehr selbst entscheiden, ob Ibuprofen oder Paracetamol. Uns ereilt eine Erkenntnis: Wir lagen falsch. Die ganze Zeit. Und weil wir, also „die Menschen“ im weitesten Sinne, alle falsch lagen, haben wir es nicht bemerkt.
Dabei ist nichts passiert. Wegen einer menschgemachten ansteckenden Krankheit, nämlich der Gier, und wegen eines Glaubens, nämlich, dass die Wirtschaft wuchern muss, hatte man die Bedrohung einer anderen menschgemachten ansteckenden Krankheit unterschätzt – und zu spät reagiert. So musste man nach Wochen der Beschwichtigung plötzlich die Reißleine ziehen, den Menschen die Wahrheit sagen und sie dann ein bisschen einsperren, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken und krank werden und dann merken, dass ihr einerseits teures und andererseits kaputtgespartes Gesundheitssystem doch nicht so gut vorbereitet ist …
Menschen flogen aus ihrem Hamsterrad, Kinder aus den Aufbewahrungsanstalten, die Flieger wurden vom Himmel geholt und die Uhren angehalten.

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Weltretten oder: Euer verlogener Altruismus kotzt mich an!

ZITAT: „Ich höre es leider immer noch viel zu oft: ,Warum sollte ich denn auf dieses und jenes verzichten, wenn ALLE ANDEREN es doch auch nicht tun?‘ Auch ich finde es toll, nach Malle zu fliegen oder mich shoppend durch die Konsumtempel treiben zu lassen, aber…“

Und dann folgen die arrogantesten Verlautbarungen, die man so absondern kann: „Wir sollten Vorbild sein“, „Kleinvieh macht auch Mist“, „Wir Erstweltler müssen den Drittweltlern doch zeigen, dass man nicht auf den Tisch kackt.“, „Unseren Kindern zu liebe.“ Und man sieht erigierte Geschlechtsteile der Äffinnen und Affen, während sie sich selbstgefällig in aller Äffentlichkeit in Selbstlosigkeit baden, weil sie nur noch einmal im Jahr in einem ärmeren Land sich den Übermenschen raushängen lassen oder nur noch besiegelte Waren einkaufen.

Denn damit wir unsere Maßlosigkeit nicht merken, gibt es jetzt das Tierwohl-Label, diverse Biolabel, den grünen Punkt und den grünen Knopf – alles Erfindungen, die die Zweifler weiter Konsumieren lassen sollen. Doch der grüne Knopf sagt nur, dass die Frau, die diesen Knopf angenäht hat, auf 90 Quadratzentimetern arbeitet, statt auf den üblichen 70 Quadratzentimeter. Würde man sie wirklich gerecht bezahlen, würde sie so dick werden, dass selbst die 90 Quadratzentimeter nicht mehr reichen würden. Fairness ist das Tor zur Maßlosigkeit der Anderen. Der grüne Punkt sagt, dass Du blöder Konsument dafür bezahlt hast, dass diese Verpackung ordnungsgemäß recycelt wird. Das heißt aber nicht, dass die Tüte nicht doch einfach in Polen verbrannt wird. Weiterlesen „Weltretten oder: Euer verlogener Altruismus kotzt mich an!“

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Deutschland über allen.

Rammstein gehören zu den Helden meiner zweiten Jugend. Inzwischen ist sogar die dritte fast vorbei – und ich hatte mich schon beim Teaser gewundert, dass ich überhaupt noch einmal was Relevantes von dieser Band zu hören bekomme. Jetzt steigen allerortens die verlebten und bürgerlich gewordenen Zombies und Zombines aus den Reihenhausgräbern und verteidigen die alten Männer bis aufs Blut. Warum, wissen wir selbst nicht. Wir müssen das einfach tun. Weil wir nicht anders können. Ich wundere mich gerade auch über mich selbst. Aber Rammstein ist nunmal ein bisschen mehr als Spätpubertätseskalation und Teutonenmetal. Viel mehr.

Für die ganz Langsamen: Es geht um das Lied „Deutschland“ der deutschsprachigen Stromgitarrenmusikgruppe Rammstein:

Das Musikvideo hat zu dem Zeitpunkt, da ich den Text schreibe, über 20 Millionen Clicks. Eigentlich ist damit alles gesagt, wäre die Band nicht Rammstein und das Thema nicht  „Deutschland“. Die Band hat an PRovokation in ihrem Bestehen seit Mitte der 1990er Jahre so ziemlich alles schon durch. Und ja, auch alles richtig gemacht. Sie ist ein Superlativ und so dermaßen oft kopiert und nie erreicht worden, dass Kritik an ihrem Werk und ihrer Selbstinszenierung schon beinahe albern rüberkommt. Aber wohl auch immer eine … (ToM duckt sich) … NEIDdebatte ist.

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Ist 50 jetzt das neue 27 ?

(Zum Tod von Keith Flint 4.3.2019)

Wenn man aus dem Alter raus ist, in dem man Nachrufe auf die plötzlich und unerwartet gestorbenen Heroen seines wilden Lebens schreibt, dann ist es wohl vorbei, das wilde Leben. Oder aber man hat schon zu oft solche Trauerreden verfasst und bemerkt, dass sie sich irgendwie ähneln. Die Betroffenheit und die Phantomschmerzen sind die gleichen. Man merkt, dass die Helden vermehrt unplötzlich und erwartbar sterben und dann auch noch auffällig oft freiwillig, sei es nun so semifreiwillig, wie Slayer-Gitarrist Jeff „Heineken“ Hanneman, dessen Leber, im Nachhinein betrachtet, doch erstaunlich lange mitmachte, oder so mysteriös wie Prince und Herr Cornell, die mit der Dosierung ihrer Psychopharmaka durcheinanderkamen, oder so theatralisch wie Linkin-Park-Sänger Chester Bennington, der sich exakt ein Jahr nach Chris Cornells Tod für immer verabschiedete. Jetzt hat es The Prodigy erwischt. Frontman Keith Flint ist tot. Dabei wollte die Band diesen Sommer auf Festival Tour gehen.

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The Prodigy waren und sind meine Brücke zur Technotanzmucke. Ohne „Music For The Jilted Generation“ wäre mein Leben ganz sicher ganz anders und vor allem langweiliger verlaufen. So durfte ich diese Art von Crossover von Anfang bis Ende mitfeiern. Viele haben danach Hip Hop, Acid House, Punk, Metal, Techno, Reggae in den Mixer geworfen. Aber nur The Prodigy hat daraus, zumindest zwischen 1990 und 1997, so geile Sachen werden lassen: „Out Of Space“, „Voodoo People“, „Poison“, „Firestarter“; „Breathe“, „Smack My Bitch Up“, „Mindfields“, „Diesel Power“ … gehörten jahrelang zu meinen DJ-Playlists. Und zwar beim Mainstreampublikum genau so, wie bei den Electro- Gothic- , Metal- oder Indiepartys.

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