Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

CORONA TAGEBUCH – Eintrag 1

Die Welt steht nicht mehr Kopf. Sie steht mit beiden Beinen wieder auf dem Grund. Schüttelt sich. Dafür schießt uns nun kollektiv das Blut in die Schädel. Pulsiert, macht Kopfweh. Und wir können plötzlich nicht einmal mehr selbst entscheiden, ob Ibuprofen oder Paracetamol. Uns ereilt eine Erkenntnis: Wir lagen falsch. Die ganze Zeit. Und weil wir, also „die Menschen“ im weitesten Sinne, alle falsch lagen, haben wir es nicht bemerkt.
Dabei ist nichts passiert. Wegen einer menschgemachten ansteckenden Krankheit, nämlich der Gier, und wegen eines Glaubens, nämlich, dass die Wirtschaft wuchern muss, hatte man die Bedrohung einer anderen menschgemachten ansteckenden Krankheit unterschätzt – und zu spät reagiert. So musste man nach Wochen der Beschwichtigung plötzlich die Reißleine ziehen, den Menschen die Wahrheit sagen und sie dann ein bisschen einsperren, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken und krank werden und dann merken, dass ihr einerseits teures und andererseits kaputtgespartes Gesundheitssystem doch nicht so gut vorbereitet ist …
Menschen flogen aus ihrem Hamsterrad, Kinder aus den Aufbewahrungsanstalten, die Flieger wurden vom Himmel geholt und die Uhren angehalten.

Der sich hier windet im Anblick des verordneten Dort-Draußens ist einer der vielen freidrehenden Kreativen Berlins. Er heißt ToM, ist Papa eines knapp 2 Jahre alten Sohnes und hatte sich mit Haut, den restlich verbliebenen Haaren und der nicht vorhandenen Seele einem Verlag und einer Community namens Periplaneta verschrieben. Im dreizehnten Jahr dieser beispiellosen Selbstausbeuter-Erfolgsgeschichte schlug er dann ein, der Komet, den keiner kommen sah und der die inzwischen in die Jahre gekommene Branche der Geschichtenerzähler und -aufschreiber sauriergleich vom Erdboden der kapitalistischen Weltordnung tilgte. Und während nun die Kulturbranche (was für ein herrliches Oxymoron) im Internet final vor sich hinglimmt, dachte er sich, dass es vielleicht an der Zeit sei, mit dem Aufhören aufzuhören. Er ist sich der traurigen Tatsache bewusst, dass er nicht selbst entschieden hat, wieder mit dem Eigentlichen anzufangen, nämlich selbst zu Schaffen, anstatt es den Anderen zu ermöglichen. Nein, man hat ihm sein Tun per Dekret verunmöglicht. Zwar steht die ganze Gesellschaft still, doch nichts stirbt schneller an der verordneten Asozialisierung, als die sozialisierenden Berufe. Die Einen an Überlastung, die Anderen am Totalausfall. Zu Letzteren zählt sein Arbeitsfeld, die brotlose Kunst.

Nach der ersten Woche dämmert es den einstigen Göttern, dass da zuvor etwas komplett aus dem Ruder lief. Missversteh mich nicht, ich zweifle keineswegs daran, dass wir früher oder später wieder genau da weitermachen werden wollen, wo wir aufgehört haben. Aber bis es soweit ist, haben wir wieder ein Interim. Klar, wir werden auch dieses wieder Vergeigen, so wie wir das nach den Weltkriegen und das nach dem Mauerfall vergeigt haben. Aber bis dahin ist erst einmal alles anders. Ein Virus schafft etwas, woran alle Bewegungen zwischen 68er und Fridays 4 Future gescheitert sind: Es zwingt uns, aufzuhören.

Bis vor einer Woche war uns nicht klar, dass man Social Distancing verordnen kann. Oder dass es da überhaupt noch was zu verordnen gäbe. Das soziale Miteinander war davor schon freiwillig beschränkt aufs Konsumieren, Zeittotschlagen und dem Sich-gegenseitig-übers-Ohr-hauen. Zumindest hatten wir alle den Eindruck. Seitdem aber unsere Lebensinhalte eingeschränkt und alles andere verboten ist, merken wir, dass wir gar nicht die Arschlöcher sind, die wir immer zu sein vorgegeben haben. Am Anfang haben uns die Reglementierungen beim Konsumieren, Zeittotschlagen und dem Sich-gegenseitig-übers-Ohr-hauen hart getroffen, ja zuweilen Angst und Panik ausgelöst. Jetzt aber, da der Schmerz nachlässt, hebt ein Erinnern unsere Schädeldecken an wie ein goldener Schuss.
Und versteh mich nicht falsch, mir ist bewusst, dass das Ausknipsen unserer schlechten Angewohnheiten nur ein Aspekt dieser Krise ist. Immerhin geht es in meinem Leben jetzt wahrscheinlich nur um meine wirtschaftliche Existenz. Bei anderen geht es um das Leben an sich. Ich kenne erstaunlich viele Menschen, die nicht über 70 – und deren Leben von diesem Virus bedroht sind. Die Angst haben müssen. Dass ich sie kenne, ist mir aber auch erst jetzt bewusst geworden. Was zum Geier haben die mit uns gemacht? Die da oben. Was ist aus uns geworden? (Wichtig: Zwinkersmiley)

Oder ist es nicht einfach an der Zeit, sich zu fragen: Warum habe ich mir das angetan? Gegen die kollektive Antwort auf diese Frage wäre der Crash der Börsen und der Tod von ein paar Branchen ganz sicher ein Kindergeburtstag. Also, ihr Menschen, Füße auf die Erde und die Köpfe hoch. Und guckt doch mal in den erstaunlich blauen Himmel.

ToM

P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. Und bitte: Kauft bei den Guten 🙂

Die Audible-Files

Nun, da einige meiner CDs schon länger ausverkauft sind, ist es an der Zeit:
ToM Manegold gibt’s auch bei Audible. Interessanter Weise unter der Rubrik Comedy und Humor. 🙂

THOMAS MANEGOLD: „HEIMATHIEBE“ (Polemiken und Satiren)
THOMAS MANEFGOLD: „RATTENFÄNGER“ (Lyrik und Propaganda)
THOMAS MANEGOLD featuring Georg von Weihersberg: „Zungenspiel“ (Himmelsthor) (Lyrik mit Piano)

ToM bei Audible

 

ToM Manegold auf dem WGT 2017

Thomas Manegold liest auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig.

Auch 2017 liest ToM wieder auf dem WGT. Es  sind zwei Lesungen im Haus Leipzig geplant. Als DJ für eine Göttertanz-Party steht ToM allerdings dieses Jahr gesundheitsbedingt nicht zur Verfügung. Das Kreuz mit dem Kreuz.


Sonntag, 4. Juni 2017 – 15.45 Uhr
ToM Manegold: MORBUS DEI 2.0 – Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene
Haus Leipzig Elsterstraße 22, 04109 Leipzig, Deutschland (Karte)
MORBUS DEI 2.0 – Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene. Neue und bewährte Geschichten und Tiraden über Götter und ihre Gläubiger. Ein Jahr zuvor nahm sich ToM dem Thema Geisteskrankheit an und referierte auf unorthodoxe Weise über Bipolarität, Neurosen und Psychosen. Der rote Faden durch diese Lesung wird das Thema Religion sein.


Montag, 5. Juni, 15:30 – 16:30 Uhr

ToM Manegold: Gespräche mit Goth
Haus Leipzig Elsterstraße 22, 04109 Leipzig, Deutschland (Karte)
Romanlesung. Deniere… Thomas Manegold liest zum letzten Mal aus dem Episodenroman „Gespräche mit Goth“ Eine vollkommen frei erfundene Geschichte über Zombies, Burn-Out, Depression und Party.
Beide Veranstaltungen finden im Rahmen des WGT statt, Eintritt also nur mit Festivalbändchen. Einlass ist eine halbe Stunde vorher. Wir bringen ein paar Bücher mit und freuen uns über jeden Besucher und jede Besucherin.
Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

2017 – Eine Vorschau

Weil alles zurückblickt, ein Blick in die Zukunft.

2017 wird ein tolles Jahr. Frau Merkel wird mit Hilfe der Grünen und der SPD wieder Bundeskanzlerin. Und ein Möschdegärngöbbels wird auf einem totsanierten Marktplatz irgendwo in Sachsen stehen und die sich im Regen langsam auflösende Mengele fragen: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Die AfD wird mit über 25% der Stimmen in den Bundestag einziehen. Und jenseits unserer Grenzen werden in mit unseren noch unbezahlten Steuergeldern erbauten Konzentationslagern Menschen die Beine breit machen, um an der osmanischen Security vorbeizudürfen – hinein in die große Freiheit, in den größten Knast der Welt, in die Festung Europa.

2017 wird wieder eine ganze Horde Künstler wegsterben. Einige sogar an den Folgen ihres ausschweifenden Lebens. Ein paar werden wir vielleicht sogar vermissen. Die Anzahl der Kriegsopfer wird in etwa gleichbleiben. Vielleicht sogar ein bisschen zurückgehen. 15% Wirtschaftswachstum sind auf Dauer einfach nicht zu halten. Es werden Menschen ertrinken, im Mittelmeer, im Atlantik, in Unwettern und Tsunamis – und wir werden nichts dagegen tun.

Weiterlesen „2017 – Eine Vorschau“

ToM @ Vision und Wahn in Berlin

5.12.16: Vision und Wahn

Die Lesebühne im Periplaneta Literaturcafé Berlin.

Wie jeden ersten Montag des Monats steigt am 5.12. wieder unsere allmonatliche Lesebühne. Los gehts um 20 Uhr.

Die allmonatliche Lesebühne des Periplaneta Verlags begrüßt im Dezember als Gäste Slam-Poetin Claudia Tothfalussy, den Musiker Conor Kilkelly sowie Antonia Luba. Ganz in weihnachtlicher Stimmung ist unser Monatsthema: “Lichterpest”.

Vision & Wahn ist die hauseigene Lesebühne von und mit Marion Alexa Müller, Thomas Manegold und Robert Rescue.

Der Eintritt bleibt frei. Man zahlt, um zu gehen. 😉

Periplaneta Literaturcafé Berlin
Bornholmer Str. 81A
10439 Berlin

17.11.16: Thomas Manegold feat. YREF!

Juchhuh! Es ist dann doch noch rechtzeitig fertig geworden. 100 Seiten Polemiken, Reime und Satiren und 67 Minuten Studioaufnahmen.
Nach der ersten „Heimathiebe“-Solo-Stunde im Rahmen von Moabit liest im legendären Waschsalon steigt nun die eigentliche Premiere meines neuen Buches. Ich habe mir YREF eingeladen, ein Urgestein der Berliner Avantgarde, der mich auf der E-Gitarre auf seine ganz eigene Art durch den Abend begleiten wird.

THOMAS MANEGOLD feat. YREF „HEIMATHIEBE“
EINE BUCHPREMIERE!
DO.17.11.2016 AB 20 UHR
IM PERIPLANETA LITERATURCAFÉ zu BERLIN
DER EINTRITT IST FREI, MAN ZAHLT, UM ZU GEHN!

www.berlin.periplaneta.com

16.11.16: Thomas Manegold: Heimathiebe @ Moabit

„Heimathiebe“ heißt das neue Buch mit CD von Thomas Manegold. Der Berliner Autor und Mediengestalter lädt in die Gedankenwelt eines Verweigerers ein und ermuntert zum Nach-, Quer- und Überdenken.

In Kolumnen, Gedichten und poetischen Texten zelebriert Thomas Manegold zwanghaft den anderen Blick auf Klischees, Befindlichkeiten, Erinnerungen und Ereignisse, wenn er beispielsweise der brandenburgischen Idylle Gedichte über das Jagdverhalten von Raubvögeln abtrotzt oder wenn er die Feindschaften zwischen den deutschen Bundesländern aufs Korn nimmt. Genüsslich werden Tabus gebrochen, Gott und die Welt beschimpft und der gesunde Menschenverstand beschworen.

Live@ Moabit liest: Mittwoch, 16. November, 20:00 – 22:00
Leck meine Küche @ Gotzkowskystraße 11, 10555 Berlin

Moabit liest! Vom 14.11. bis zum 18.11. wird der gesamte Kiez zu einem riesigen Literaturfestival. Die Lesungen finden in Cafés, Theatern und Buchhandlungen statt, aber eben auch in Frisierstuben, Waschsalons und Galerien.

It´s Brandenburg, Baby!

Fünf Tage Urlaub.

Ich war im Havelland. Alleine. Und hatte ein bisschen meine Ruhe. In erster Linie vor mir selbst. Brandenburg ist riesig, flach und generell sehr ruhig. Windkraftanlagen und Solarpanelen, wo man schaut. Die Gastronomiedichte dürfte in keinem anderen Bundesland niedriger sein und die Storchendichte nirgends höher. Vögeln ist in Brandenburg generell noch ein Akkusativ und lässt vor allem Ornitholgenherzen höher schlagen. Rotmilane kreisen mitunter vollkommen selbstverständlich über den Dörfern. Krähen, Raben, Lerchen, Spätzle und Finken aller Art lärmen mit den Hunden um die Wette.

Durch Wald und Wiesen bin ich gestriffen und habe keine Menschen getroffen. Ich hatte also Spaß. Einen Bericht über die fünf Tage gibt es dann während der Vision & Wahn am 1. August 2016 ab 20:00 – Periplaneta Literaturcafé Berlin @ Bornholmer Str. 81A

Die allmonatliche Lesebühne des Periplaneta Verlags begrüßt im August u.a. den Berliner Autor und Mit-Vergnügen-Journalist Julius Kraft und den Poeten Conserve. Der Eintritt ist frei, man zahlt um zu gehen.

www.visionundwahn.de

Manegold/ Mayerhofer im Periplaneta Literaturcafé

Konzert und Gerede: Bipolar und Spaß bei Wirsing fürs Volk
Freitag, 21.05.16 ab 20 Uhr  im Periplaneta Literaturcafé

Thomas Manegold und Bastian Mayerhofer kennen sich von der Lesebühne OWUL, wo sie gewisse Gemeinsamkeiten entdeckten. Mit einem ähnlichen Hang zum Zynismus und ihrem unwillkürlichen Drang über Dinge zu lachen, über die sonst niemand lacht, präsentieren sie am 20. Mai im Periplaneta Literaturcafé ihre zwei neuen Soloprogramme.

Thomas Manegold: Bipolar und Spaß dabei
Verrückt sind immer die anderen … Ein in kurzen Essays, Geschichten und Kolumnen gehaltenes Plädoyer für die Verrückten und natürlich ein kleiner Einblick in das, was man mitunter Geisteskrankheit nennt.
Denn inmitten der Turbulenzen zwischen dem eigenen körperlichen Gebrechen und dem allgegenwärtigen geistigen Erbrochenem, einer durch und durch geistlosen, bulimischen Welt entfleuchen Herrn Manegolds krankem Kopf mitunter sehr gesunde Gedanken …

Bastian Mayerhofer: Wirsing fürs Volk
Schluchtenscheißen im Flachland … Eine musikalisch-komödiantische Dokumentation der Stationen einer großdeutschen Immigration: Ein Ösi strandet im Piefkeland, das heißt, südländisches Lebensgefühl trifft auf Socken in Sandalen, impulsive Ungeniertheit auf stocksteifes Korinthenkacken, moralisch-fragwürdig auf fragwürdig-moralisch.

Der Eintritt ist frei, man zahlt um zu gehen.

www.berlin.periplaneta.com

Bipolar und Spaß dabei - periplaneta

„BiPolar und Spaß dabei“

Ein neuer Text – live vorgetragen in Leipzig und Berlin.

Inmitten der Turbulenzen zwischen eigenen körperlichen Gebrechen und dem allgegenwärtigen geistigen Erbrochenen einer durch und durch geistlosen und bulimischen Welt entfleuchte meinem kranken Kopf ein sehr gesunder Gedanke.

Befreit vom Drange, ein weiteres virtuoses Produkt auf die virtuelle Müllhalde zu werfen, überkam mich das Bedürfnis, etwas zu sagen. Etwas, das noch nicht aufgeschrieben ist und auch nicht, wie sonst üblich, nach dem Event zum Kauf feilgeboten wird.

Es wird um Freiheit, Wahrheit, Liebe und Schmerz gehen. Und darum, wie diese paranoide, hysterische, gesichtslose, anonyme, selbstgerechte, opportune, überfressene, demoralisierte, unfassbar gierige und dumme Masse Menschen aussieht, wenn man den Kopf weit oben in den Wolken hat, während man bis zum Hals im Schlamm steht …

Naja …  vielleicht auch … darüber, wie unfassbar geil dieses Mango-Himbeer-Softeis war, oder damals … das letzte Tool-Album… und wie ergreifend es sein kann, einen  Marienkäfer zu retten… und dass wir uns alle bitte liebhaben sollen … und wie schön damals dieser eine unbeschreibliche Moment war, als …

… als diese falsche Schla… nge mich verraten und verlassen hat und sich der Himmel kreischend über mir zusammenkrümmte.

… und darüber, wie im Affekt jede Befindlichkeit zerbröselt und nicht einmal der vierte Weltkrieg imstande wäre, den Menschenrest vom Sofa zu bewegen.

Ein „Dazwischen“ wird es nicht geben. „Dazwischen“ ist laaaaangweilig. Und verrückt sind immer die anderen.

Am Sonntag, den 15. Mai werde ich, erfüllt mit derlei Gedankengut, im Haus Leipzig auftreten. Im Rahmen des Wave Gotik Treffens. Und am 20. Mai in meiner Homebase, im  Periplaneta Literaturcafé Berlin.

Und danach gern auch woanders.

Seid gespannt, ich bin es auch.

THOMAS MANEGOLD
„BIPOLAR UND SPASS DABEI“
VERRÜCKT SIND IMMER DIE ANDEREN

tom manegold - periplaneta

Reden und reden lassen

„Nicht die Muttersprache ist in Gefahr oder die christlichen Werte oder die Unschuld der dreizehnjährigen Bitch im Kinderzimmer nebenan. Sondern unser aufgeklärtes, wissenschaftlich orientiertes, fragiles Konstrukt von Freiheit, Kultur und Fortschritt. Egal wer den gegenwärtigen Krieg gewinnt, wenn der zu Ende ist, wird die Erde wieder eine Scheibe sein. Und die Überlebenden dumm wie Toastbrot.“

 Am 30. Oktober präsentieren Thomas Manegold, Gary Flanell, Mikis Wesensbitter, Imke Kubin und Guido Kreutzmüller Literatur und Musik abseits des Mainstreams.

Die Edition Subkultur veröffentlicht Independent-Literatur und Musik. Zwischen subtil und subversiv ist alles dabei – witzig, schräg und jenseits jener Schubladen, in die man “Szeneliteratur” so gerne einsortiert.

30.10.2015 @ 20:00 – 22:00:Periplaneta Literaturcafé Berlin
Bornholmer Straße 81A10439 Berlin

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Die Kränkungen des weißen Mannes (1)

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Dummheit macht mich aggressiv. Je blöder der Mob, desto gröber sind dann meine Kommentare. Aber manchmal bin auch ich sprachlos. Bei den versuchten Lebendfeuerbestattungen im Osten Deutschlands, die sie in den Nachrichten ohne Altersbeschränkungen zeigten, beispielsweise. Horden lobotomierter Affen zünden Gebäude an und verprügeln Menschen. Die Polizei sieht zu. Und die Regierung beschränkt sich aufs Labern. Eine Ursachenforschung:
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Häuser brennen. Dicke Menschen haben wieder Angst zu verhungern. Rufen „Deutschland den Deutschen” und „Wir sind das Volk”. Ist das eine Eskalation von sogenanntem Patriotismus, von emotionaler Verbundenheit mit der eigenen Nation, die sogenannte Vaterlandsliebe? In Zeiten von Gazprom gegen Shell, statt Deutschland gegen Frankreich? Man ist stolz auf irgendein kulturelles, ethnisches oder politisches Klischee, das einen als Volk definiert.
Ich wüsste nicht, was das in meinem Fall sein könnte. Worauf kann man stolz sein – als Thüringer. Auf die Wurst wahrscheinlich … Aber als Gesamtdeutscher?
Ethnisch, naja, ich weiß nicht. Die Skandinavier sind blonder, die Engländer reden besser, die Italiener riechen besser, die Slawen sind besser im Bett. Wie sonst erklärt sich, dass sich die Missachteten als letztes Mittel Wasserstoffperoxid in die Haare schmieren, dass wir zu unseren tragbaren Telefonen Handys und zu unseren Rucksäcken Bodybags sagen, uns Versace über den Kopf kippen und in den Puffs dieser Nation trotz Wasserstoffperoxid so selten deutsche Frauen arbeiten? Weiterlesen „Die Kränkungen des weißen Mannes (1)“