16.11.16: Thomas Manegold: Heimathiebe @ Moabit

„Ich will daran glauben, dass ich Eisbären rette, wenn ich weniger Gepäck in den Urlaub mitnehme.“

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„Heimathiebe“ heißt das neue Buch mit CD von Thomas Manegold. Der Berliner Autor und Mediengestalter lädt in die Gedankenwelt eines Verweigerers ein und ermuntert zum Nach-, Quer- und Überdenken.

In Kolumnen, Gedichten und poetischen Texten zelebriert Thomas Manegold zwanghaft den anderen Blick auf Klischees, Befindlichkeiten, Erinnerungen und Ereignisse, wenn er beispielsweise der brandenburgischen Idylle Gedichte über das Jagdverhalten von Raubvögeln abtrotzt oder wenn er die Feindschaften zwischen den deutschen Bundesländern aufs Korn nimmt. Genüsslich werden Tabus gebrochen, Gott und die Welt beschimpft und der gesunde Menschenverstand beschworen.

Live@ Moabit liest: Mittwoch, 16. November, 20:00 – 22:00
Leck meine Küche @ Gotzkowskystraße 11, 10555 Berlin

Moabit liest! Vom 14.11. bis zum 18.11. wird der gesamte Kiez zu einem riesigen Literaturfestival. Die Lesungen finden in Cafés, Theatern und Buchhandlungen statt, aber eben auch in Frisierstuben, Waschsalons und Galerien.

Dreistromland (V1)

Windräder zerschneiden Horizonte,
köpfen Vögel ganz ohne Schafott.
In den Kadavern wühl’n Saprobionten
und Bauern imitieren Don Quijote.

Der Sand treibt morgens lautlos zu den Deichen.
Der Ostseewind zieht sanft nur an den Haaren.
Und Möwen streiten sich um Heringsleichen,
die im Tang des Nachts gestrandet waren.

Das Mehr schwappt mittags laut über die Düne.
Ein Mädchen wird gehänselt, weil es flennt.
Vor’m Altersheimtross, auf der Freilichtbühne,
spielt ’ne Achim-Mentzel-Coverband.

Solarpaneele stehen wie Legionen,
bedecken Felder kettenhemdengleich,
saugen Sonnenlicht und Subventionen,
machen Arme arm und Reiche reich.

Der Sand reibt sich am Pilz zwischen den Zehen.
Und rieselt durch die wasserdichten Uhren.
Ein alter Mann will übers Wasser gehen.
Und Fischer satteln um auf Fahrradtouren.

Das Meer spuckt Phosphor aus den letzten Kriegen
Bernsteinsammlern eifrig ins Gesicht.
Bismarcks Erben sind umschwärmt von Fliegen.
Matjes wird gegessen, bis man bricht.

Weil Nahrungsanbau keinen Sinn mehr hätte,
verkaufen Bauern Felder, Hof und Haus,
schwitzt Raps mit fernen Palmen um die Wette
Öl für unseren Wohlstandsmotor aus.

Der Sand zieht weiter über kahle Dünen,
schleift Touristen Smartphonegläser blind,
verfängt sich in den Aufbauostruinen
und bedeckt ein weggeworfenes Kind.

Das Meer beleckt die Burgen in der Brandung
und holt die Körner wieder heim ins Reich.
Der alte Mann ist kurz vor seiner Strandung.
Die Adern blau, der Korpus herrlich bleich.

Triskelen sägen Schatten in die Hütten,
obwohl der Kraftwerkschornstein weiter raucht,
Und sehr viele Chinesen-Lungen litten
für Biostrom, den hier kein Mensch mehr braucht.

 

Aus Heimathiebe“ (c) Thomas Manegold 2016

„BiPolar und Spaß dabei“

Ein neuer Text – live vorgetragen in Leipzig und Berlin.

Inmitten der Turbulenzen zwischen eigenen körperlichen Gebrechen und dem allgegenwärtigen geistigen Erbrochenen einer durch und durch geistlosen und bulimischen Welt entfleuchte meinem kranken Kopf ein sehr gesunder Gedanke.

Befreit vom Drange, ein weiteres virtuoses Produkt auf die virtuelle Müllhalde zu werfen, überkam mich das Bedürfnis, etwas zu sagen. Etwas, das noch nicht aufgeschrieben ist und auch nicht, wie sonst üblich, nach dem Event zum Kauf feilgeboten wird.

Es wird um Freiheit, Wahrheit, Liebe und Schmerz gehen. Und darum, wie diese paranoide, hysterische, gesichtslose, anonyme, selbstgerechte, opportune, überfressene, demoralisierte, unfassbar gierige und dumme Masse Menschen aussieht, wenn man den Kopf weit oben in den Wolken hat, während man bis zum Hals im Schlamm steht …

Naja …  vielleicht auch … darüber, wie unfassbar geil dieses Mango-Himbeer-Softeis war, oder damals … das letzte Tool-Album… und wie ergreifend es sein kann, einen  Marienkäfer zu retten… und dass wir uns alle bitte liebhaben sollen … und wie schön damals dieser eine unbeschreibliche Moment war, als …

… als diese falsche Schla… nge mich verraten und verlassen hat und sich der Himmel kreischend über mir zusammenkrümmte.

… und darüber, wie im Affekt jede Befindlichkeit zerbröselt und nicht einmal der vierte Weltkrieg imstande wäre, den Menschenrest vom Sofa zu bewegen.

Ein „Dazwischen“ wird es nicht geben. „Dazwischen“ ist laaaaangweilig. Und verrückt sind immer die anderen.

Am Sonntag, den 15. Mai werde ich, erfüllt mit derlei Gedankengut, im Haus Leipzig auftreten. Im Rahmen des Wave Gotik Treffens. Und am 20. Mai in meiner Homebase, im  Periplaneta Literaturcafé Berlin.

Und danach gern auch woanders.

Seid gespannt, ich bin es auch.

THOMAS MANEGOLD
„BIPOLAR UND SPASS DABEI“
VERRÜCKT SIND IMMER DIE ANDEREN

Wider die Masse: Ostern | Kolume bei edition.subkultur

„Folter, Kreuzigung, Auferstehung… und dann weiter, immer weiter, bis sich alle wieder an den Trott gewöhnt haben, sich wieder hassen und den Sommer zu heiß oder zu kalt finden. Sich leben und einspannen lassen. Sich auf den Urlaub freuen, weil der Alltag, der ihnen auferlegt wird, unerträglich scheint. Die Nachplappern, was die Meinungsindustrie produziert und dann, wenn es wieder kalt wird, einmal mehr Buse tun unterm abgesägten Baum.“

Wider die Masse: Ostern |
edition.subkultur

Verbrannte Erde – Lesung am 16.11.

Autsch, der Abgesang auf mein Top Act Zapfendorf hat mich doch schwer getroffen. Wir haben etwas Unvergleichliches, etwas Einmaliges zu Grabe getragen. Heulen ist angesagt. Und Heulen befreit. Wenn man nach dem Burnout die Fackel an den abgebrannten Scheiterhaufen hält, dann wundert man sich, was da alles noch brennt.

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Schlachthauslyrik am 05.10.2012

„Schlachthauslyrik-
Ein Soloabend in nicht ganz koscheren Reimen“

Thomas Manegold liest und auswendigt seine lyrischen Werke. Überwiegend Texte, die er noch nie live vorgetragen hat, mit Sounds und Samples vom DJ Pult. Eintritt: 5 € Achtung! Vorverkauf! Ja, es ist mal wieder Zeit. Ich kann nicht anders. Sonst frisst „es“ mich auf. Einerseits scheint die Welt sich permanent selbst zu überholen, andererseits scheint man mit der Brandrede vom letzten Jahr immer noch zukunftsweisend zu sein.

Vision und Wahn

Ode an meine Lesebühne 2012

Die Idee begann an einem Ort, wo man so etwas am wenigsten vermutet. In Bayern. Man kann nun von diesem Land halten was man will. Es ist schön, es ist satt, sauber und sicher. Das Land der Lederhosen und Zwangsexarbeitslosen. Das Land mit dem rigidesten Rauchverbot und dem schwierigsten Abitur. Im Bund der Blinden ist der einäugige König. Im Tal der Tauben hören Spatzen auch nur die Blinden von den Dächern pfeifen. Und dumpf aufklatschen auf graublauen Asphalt.

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Being Gutmensch

„Sie haben durch den Bezug von Ökostrom bereits 3400 Kilogramm CO2 gespart und so 109,25 Bäumen das Leben gerettet“, stand auf der Urkunde, die ich gerade aus dem Briefkasten gefischt hatte. Für einen Moment fühlte ich mich richtig gut. Dann dachte ich an die Dreiviertel des 110. Baumes, die ich nicht geschafft hatte. Hätte ich letztes Wochenende das Licht in der Küche brennen lassen, dann könnte dieser Baum noch leben. Ich fühlte mich schuldig.

Dabei hatte ich wegen Fukushima den Anbieter gewechselt, hab immer gedacht, das YelloStrom Atomkraftwerke betreibt. Jetzt hab ichs schwarz auf gelb, dass die Bäume verfeuern… die Schweine.

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Mein RSS Feed 2011

2011 habe ich mich sehr viel mit dem Infotainment verschiedener Webseiten beschäftigt und mal wieder Nachrichten geschaut, weil ich glaubte, dass es zu meinem „Job“ dazugehört. Das kollektive Vergessen ist allgegenwärtig. So eine Art Highspeedalzheimer. Der Mensch hat nur ein paar RAM-Slots und keine Festplatte im Hirn. Zu schnell drücken die Medien immer neue Ereignisse in unsere Wahrnehmung. Erdbeben, Vireninfektion, Krieg, Mord, Sexskandale und Castingshows fordern im Schnelldurchlauf unsere Aufmerksamkeit.  Und nichts bleibt wirklich hängen.

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Welche Pille darfs denn sein… Morbus Animus live !

7.Oktober: Tag der Republik 🙂 lesen wir in Berlin Lichtenberg in der Thearter Galerie.

Ja, ein bisschen ostgermanische Vergangenheit schlummert auch in „Morbus Animus“. Aber nur ein bisschen. Ansonsten verspricht eine Lesung aus diesem Buch viel Misanthropie, Sarkasmus und „society-bashing“. („Gesellschaftskritik“ hieß das früher, aber ich wollte schon immer mal ein neu-deutsches Wort erfinden.)

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