Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

CORONA TAGEBUCH – Eintrag 6

Katastrophen-Sudoku

Mir schwirrt der Kopf, wenn ich Nachrichten lese oder schaue. Was dabei beinahe nicht auffällt: Mir schwirrt der Kopf von den immer gleichen Zahlen. Immer noch jongliert Deutschland die Begründungen für seine Maßnahmen anhand der Anzahl der positiven Tests. Eine Zahl, die für sich genommen überhaupt nichts aussagt, wenn man nicht weiß, nach welchen Kriterien wieviele Tests durchgeführt werden. Wieviele tatsächliche Erkrankungen und wieviele stationäre und wieviele intensivmedizinische Fälle es gibt, wissen zudem die Wenigsten. Vielleicht ist das auch gut so … weil, erfahrungsgemäß die Dummheit sehr gerecht auf alle Klassen und Schichten verteilt ist … Nun eröffnen auch die sogenannten seriösen Medien ihre Artikel und Meldungen sehr gern mit Suggestivfragen in der Headline oder in der Einleitung, die dann aber sehr oft nicht beantwortet werden. Heraus kommt dabei gefährliches Halbwissen, wobei „Halb“ ein Euphemismus ist. Wenn einem aber gerade das Leben um die Ohren fliegt und man ständig mit der eigenen Angst und der Panik der anderen konfrontiert wird, muss man nehmen, was da ist …

Was passiert bei einem schweren Verlauf? Wie hoch ist das Risiko, dass mir das passiert? Darf man den Idioten, die sich nicht benehmen können, sowas an den oder, besser gesagt  IN DEN Hals wünschen? Die ersten Fragen sind Suggestivfragen, damit der Beitrag gelesen wird. Die Antwort auf die letzte Frage ist: Nein. Niemandem wünscht man das.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 5

Ich kenne nun die Regeln, die für Essen, Shoppen, Veranstaltungen, Kinderbetreuung und Unterweisung gelten sollen… Zusammengefasst, zynischerweise, unter dem Begriff…. ich KANN es NICHT MEHR HÖREN… LOCKERUNGEN — LOCKERUNGEN, das Synonym für die Repressionen, unter denen wir die Abfuckprämien und Staatsbeteiligungen und anderen Fantastiliarden erwirtschaften sollen… Das Bewirten und Bespaßen wird nicht mehr möglich sein. Das was man noch darf, kann man so nicht mehr nennen. Und es wird damit nicht möglich sein, die Unkosten des Bespaßens und Bewirtens zu decken.

Ok, ich kann selber kochen und Musikvideos schauen und mit dem Shoppen und Veranstalten kann ich auch aufhören … ich bin alt genug, ich weiß, das ich gut bin, ich brauch keine Bestätigung … ist zwar schlecht für die Wirtschaft, aber so what … Und ich war schon immer gegen Bussies und Händeschütteln … Bei den Schule- und Kita- Regeln sind wir aber mittlerweile beim Unterweisen weit vor Fröbel und Pestalozzi, nur halt ohne Prügelstrafe, angekommen … sach mal, habt ihr sie noch alle??? Kids stundenlang isolieren, ihnen die Haut von den Händen waschen … und voneinander distanzieren? Die sollen maskiert bei euch einmarschieren, niemanden und nix anfassen, außer sich selbst – und ohne menschlichen Kontakt wieder ausmarschieren??? Ich meine, das ist Folter. Kinder brauchen andere Kinder und müssen ihre Bezugspersonen und ihresgleichen sehen und anfassen können. Und die ganz Kleinen müssen ja erst soziale Wesen werden.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 3

„When people run in circles it’s a very very mad world“, sangen einst Tears Fears. Daran denke ich, wenn ich mit den anderen Privilegierten auf den sonst leeren Straßen meine Kreise ziehe. Mittlerweile kennt man sich. Und man grüßt sich wieder… auf der Straße… IN BERLIN(!)… Das hat schon ein bisschen was von Endzeit.

Der hier kreiselnde war vor der Krise frei, schaffend, Künstler und Workaholic. Er hat bereits mehrere Systemabstürze überlebt. Der eine war der Absturz des Sozialismus, da wechselte er nach Bayern, der andere war der von Windows 98, da wechselte er zu MacOS. Er hörte Metal auf Vinyl und Grunge auf CD und legte am Ende seiner DJ Laufbahn mit MP3-Files und Konsole auf und er hat 9/11 im Fernsehen gesehen. Da lag der Anteil der Deutschen, die das Internet täglich benutzten, noch unter 18%. Pandemien kann man nicht aufhalten. 

Privilegiert bin ich, weil ich Vater bin und überall hindarf, so lange ich mein Kind mit herumschleppe. Weil das Kind getragen werden will, ist mein Aktionsradius kleiner, als es mir mein Ausweis gestattet. Andere Privilegierte sind die Menschen mit systemrelevanten Berufen (Arschkarte, keine Ferien), also beispielsweise Lieferandos, Amazonen, SupermarktkassiererInnen, Ärzte, Drogenverkäufer, KrankenpflegerInnen… Die dürfen auch frei rumlaufen, schließlich werden deren Betriebe nicht geschlossen. Saufen daheim geht, aber Beutelwechseln oder Regaleeinräumen im Homeoffice muss erst noch erfunden werden, aber ja, das wird kommen, spätestens bei der zweiten Corona-Welle und falls wir bis dahin das Internet ausgebaut haben, sagt der Altmayer.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 2

„Mama?“, fragt der Kleine den Papa.
„Die Mama muss arbeiten. Die überlegt, wo wir Geld herbekommen.“
„Kita?“, fragt der Kleine den Papa.
„Nein, die Kita hat Ferien, die ist geschlossen.“ Für meinen Sohn wird wohl in der Grundschule der Begriff Ferien negativ belegt sein. Was jetzt nicht schlecht sein muss.
Dann zählt er noch die Vornamen derer auf, die er mit Vornamen kennt und die er seit über einer Woche nicht gesehen hat. Ich muss nicht antworten, weil wir gerade angekommen sind. Wir stehen vor der einzigen noch verbliebenen Wiese in unserem Distrikt, auf der wir regelkonform Ballspielen dürfen.

Der hier Schreibende wohnt am Rande von Berlin Prenzlauer Berg, einem Ort mit einer außergewöhnlich hohen Kinderdichte. Die sind eigentlich nicht das Problem. Aber es gibt hier naturgemäß auch viele Eltern und demzufolge Spannungen mit Menschen, die weder Kinder noch Eltern sind. Wie die meisten, die sich darüber lustig machten, ist auch er in den Augen der Anderen jetzt einer der Schlimmsten, also ein guter Vater. Er fragt sich immer, wenn diesbezügliches Erstaunen geäußert wird, was die Menschen denn erwartet hätten, wenn er Papa werden würde. Dass er seinem Sohn aus „Fight Club“ zitiert? Das ist doch vollkommen absurd.

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Neue Kolumne: Wider die Masse – subkultur

Ich hab mal wieder eine Kolumne verfasst, die gerade auf der ersten OHNE WENN UND LABER seit dem Klimawandel ihre Premiere hatte: WIDER DIE MASSE: Kulturpessimismus 2019.

BEI DER GELEGENHEIT: DIE EDITION SUBKULTUR hat übers Jahr ein neues Design bekommen und die nächste OHNE WENN UND LABER  ist am 21. Februar 2019 in der Z-Bar. Danke an alle, die bei der ersten OWUL 2019 dabei waren.

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2017 – Eine Vorschau

Weil alles zurückblickt, ein Blick in die Zukunft.

2017 wird ein tolles Jahr. Frau Merkel wird mit Hilfe der Grünen und der SPD wieder Bundeskanzlerin. Und ein Möschdegärngöbbels wird auf einem totsanierten Marktplatz irgendwo in Sachsen stehen und die sich im Regen langsam auflösende Mengele fragen: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Die AfD wird mit über 25% der Stimmen in den Bundestag einziehen. Und jenseits unserer Grenzen werden in mit unseren noch unbezahlten Steuergeldern erbauten Konzentationslagern Menschen die Beine breit machen, um an der osmanischen Security vorbeizudürfen – hinein in die große Freiheit, in den größten Knast der Welt, in die Festung Europa.

2017 wird wieder eine ganze Horde Künstler wegsterben. Einige sogar an den Folgen ihres ausschweifenden Lebens. Ein paar werden wir vielleicht sogar vermissen. Die Anzahl der Kriegsopfer wird in etwa gleichbleiben. Vielleicht sogar ein bisschen zurückgehen. 15% Wirtschaftswachstum sind auf Dauer einfach nicht zu halten. Es werden Menschen ertrinken, im Mittelmeer, im Atlantik, in Unwettern und Tsunamis – und wir werden nichts dagegen tun.

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Last Grexit For The Lost

Meine lieben korrupten, machtgeilen und verantwortungslosen Volksverdreherinnen und Volksverdreher!
Ui. Da haben wir am Ende Europas nun fast schon demokratische Zustände. Das ist in euren Augen der schlimmste Zustand, den man haben kann. Demokratie! Das ist das Ende! Wenn demos, das Volk, herrscht, wenn auch nur für einen Tag.
Erinnern wir uns: Die Griechen wurden nach ihrer Meinung gefragt. Und haben sie verkündet. Ihr habt ihnen gedroht, sie gefickt und gedemütigt. Ihr habt uns und ihnen den Weltuntergang prophezeit, sollten sie nicht nach eurer Pfeife tanzen. Trotzdem haben sie euch den Stinkefinger gezeigt. Die Griechen, das kleinste und ärmste Volk im größten Knast der Welt. Und?
Die Welt ist nicht eingestürzt. Es gab immer noch Bananen bei Netto und Oliven bei Aldi. Und es ist danach kein Urlauber verhungert.
Auch jetzt werdet ihr nicht müde zu behaupten, dass es euch überhaupt nichts ausmacht, wenn die Griechen baden gehen und dass es euch auch vollkommen egal sein könnte, was da im Land von Schafskäse, Lammfleisch und Riesenbohnen so passiert. Ist es aber nicht.
Im Gegensatz zu euch, ihr korrumpierten Aale, die ihr euch im Kopf der geschlachteten Rösser festgesaugt habt, haben die Griechen nämlich nichts mehr zu verlieren. Nur noch ihre Ketten. Das haben sie euch gesagt.
Gut, wie sie es euch gesagt haben, das war alles ein bisschen dick aufgetragen, diese linke Arbeiterpolemik in einer Zeit, wo es Arbeiter in dem Sinne von 1910 gar nicht mehr gibt.

Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt!

Autsch. Ostzonenkindheitsmusikunterrichtstrauma. Und auch völliger Quatsch. Keiner muss mehr hungern. Im Gegenteil. Wir sollen konsumieren … und wir fressen inzwischen doch alle viel zu viel. Okay, ein paar Germany’s-Next-Top-Model-Guckende kotzen es wieder aus, der Rest jedoch neigt zu Speckröllchen.

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Das Gefick mit der reinen Vernunft (1)

Ich will in Schubladen denken können, endlich das Vorurteil erleben, das Trampelpfade asphaltieren kann und Worte ungeschehen macht, die ich nie begangen habe.
Ich will weisungsgemäß jene verurteilen, die glauben, dass sie fürs Töten in den Himmel kommen und man ihnen dort Frauen schenkt, die sie ungefragt zerficken dürfen. Und ich will einer von denen sein, die glauben, nie getötet zu haben und dass man sich für Geld alles kaufen kann – Frauen und Kinder zuerst.
Ich will Menschen trennen können wie Müll: die guten ins Kröpfchen, die schlechten in die gelben Fässer und auf die Deponie, fremde Moral zur Schau stellen vor alarmgesicherter Haustür in bunten Plastiktonnen.
Ich will denunzieren können, wie einst die gescheitelten Kinder des Dritten Reichs oder diese 283.333,333 Stasispitzel im Vierten oder die Knöllchenschreiber und Gebühreneinzugsbataillone im Fünften.
Ich will small-talken, klein-reden, Scheiße labern und Korinthen kacken.
Ich will glauben, dass man Schweine essen kann, die glücklich gestorben sind.

(Aus: „Das Gefick mit der reinen Vernunft“, HEIMATHIEBE, Release November 2016) )

SONNTAG, 26.10.14 : Konzert-Lesung im KON71

MANEGOLD MORGENSTERN Periplaneta

Einen Tag nach dem Göttertanz wird ToM Manegold (txt) zusammen mit Lisa Morgenstern (piano & gesang) im Kon71 auftreten. Die Konzertlesung heißt „Schläfer in der Stadt“ und ist ein Wechselbad aus bissigen bis lyrischen Texten und Musik. Es werden auch bislang unveröffentlichte Texte, neue Kolumnen und ein paar Auszüge aus dem Roman „Gespräche mit Goth“ zu hören sein. Lisa Morgenstern wird einige Soloversionen ihrer Lieder vom Album „Amphibian“ und dem neuen Release „Metamorphoses“ spielen und es werden auch wieder gemeinsame Tracks zu erleben sein.

Der Eintritt kostet 8 €. Für die Menschen, die den Göttertanz in Schloss Thurn besuchen, gibt es bei Vorlage des Götteranz-Tickets einen ermäßigten Eintritt von 5 EUR. Das Kon71 ist ab 18 Uhr geöffnet. Das Event beginnt pünktlich um 19 Uhr.

Wir werden einen kleinen Stand aufbauen, auf dem Bücher und CDs aus dem Periplaneta/ Subkultur Sortiment feilgeboten werden.