Das Gute im Menschen

An manchen Stellen kann man das Meer noch brüllen hören. Die Fischendlager fielen von der Küste. Die Wasser holten die Heringskälber heim und verschoben des Nachts den Strand um eine Ewigkeit, vielleicht auch zwei. Die Ents um Baumbart krallten sich tief in den Sand. Und sind dann doch fürs Mutterland gefallen.

Jetzt gehen Menschen gesenkten Hauptes am neuen Ufer Richtung Sonnenuntergang. Baumbart denkt, dass Demut sie ereilte. Ich will ihm seinen Glauben nicht nehmen und lasse den Bernstein im Sand liegen.

 

Traumstrand

Die Wellen haben die Strandkörbe gefressen und der Wind  verwischt alle Spuren mit der Präzision einer illegal beschäftigten, mysophobischen Putzfrau. Wenn man nur fünf Minuten stehenbleibt, sieht man nicht mehr, wo man hergekommen ist. Vergangenheitsüberwältigung.
Die Gänse fliegen quietschend im Kreis, flattern immer landeinwärts, um sich dann wieder über die See treiben zu lassen.
Und die letzten Kolonnen kämpfen gegen den Sturm an, werden immer langsamer, bis sie schließlich mit ihren gerenteten E-Bikes vom Deich kippen.

16.11.16: Thomas Manegold: Heimathiebe @ Moabit

„Ich will daran glauben, dass ich Eisbären rette, wenn ich weniger Gepäck in den Urlaub mitnehme.“

„Heimathiebe“ heißt das neue Buch mit CD von Thomas Manegold. Der Berliner Autor und Mediengestalter lädt in die Gedankenwelt eines Verweigerers ein und ermuntert zum Nach-, Quer- und Überdenken.

In Kolumnen, Gedichten und poetischen Texten zelebriert Thomas Manegold zwanghaft den anderen Blick auf Klischees, Befindlichkeiten, Erinnerungen und Ereignisse, wenn er beispielsweise der brandenburgischen Idylle Gedichte über das Jagdverhalten von Raubvögeln abtrotzt oder wenn er die Feindschaften zwischen den deutschen Bundesländern aufs Korn nimmt. Genüsslich werden Tabus gebrochen, Gott und die Welt beschimpft und der gesunde Menschenverstand beschworen.

Live@ Moabit liest: Mittwoch, 16. November, 20:00 – 22:00
Leck meine Küche @ Gotzkowskystraße 11, 10555 Berlin

Moabit liest! Vom 14.11. bis zum 18.11. wird der gesamte Kiez zu einem riesigen Literaturfestival. Die Lesungen finden in Cafés, Theatern und Buchhandlungen statt, aber eben auch in Frisierstuben, Waschsalons und Galerien.

Urläubchen auf Usedom (Tag 7)

Usedom Achterwasser

Kurz vor Beginn der Hauptsaison kann Usedom unglaublich kitschig, unerträglich schön und unendlich friedlich sein. Frösche quaken. Und irgendwelche Vögel mit unendlich langen, schlanken Beinen stehen überall rum. Wahrscheinlich wegen der Frösche. Die Urlauberdichte ist nur an den Trögen und Tränken ein bisschen problematisch, doch selbst Frauen müssen vor den Klos nicht anstehen. Weiterlesen „Urläubchen auf Usedom (Tag 7)“

Urläubchen auf Usedom (Tag 6)

Erdmännchen
Früh immer ganz wichtig: Erstmal schauen, wie das Wetter ist.

Wolgast ist eines von zwei Toren zur Insel Usedom. Es hat, außer den üblichen Truman-Show-Kulissen und einer Brücke, die man auf- und zumachen kann, noch einen Tierpark zu bieten. Dieser ist allerdings schwer zu finden. Hat man ihn aber einmal erreicht, dann kann man dort gemeinsam mit vielen seeehr niedlichen Tierchen die Ruhe und den Frieden genießen. Weil die anderen Tierparkbesucher den Tierpark ja noch suchen. Es ist also manchmal von Vorteil, wenn man cleverer als der Rest der Welt ist. Weiterlesen „Urläubchen auf Usedom (Tag 6)“

Urläubchen auf Usedom (Tag 5)

UseToM Strandspaziergänge sind Balsam für die Psyche und richtig schlecht für den Teint. Wegen des Windes und der doch eher niedrigen Temperaturen merkt man nicht, wie die Sonne brennt. Weil man sich sehr lange in eine Richtung bewegt, fühlt man sich am nächsten Tag wie ein kleines ungewendetes Steak. Und sieht auch partiell so aus.  Dank Lichtschutzfaktor 33  und eines eher konservativen Kleidungsstils bin ich aber nach 10 Kilometern noch immer weiß wie Toastbrot.

Auf dem Weg nach Koserow begegneten mir nasse Hunde, viel nackte, rothäutige Menschen und eine Sprotte, die ganz offensichtlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Wir haben sie, wie man das im Fernsehen bei den Walen sieht, mit Wasser bespritzt, wiederbelebt und mit vereinten Kräften zurück ins Meer geschoben. Weiterlesen „Urläubchen auf Usedom (Tag 5)“

Urläubchen auf Usedom (Tag 4)

Ich war mutig. Ich war im Wasser. Kniestrumpfbundtief… Der Fuß ist immer noch unterkühlt. Meine Nachbarn hören NDR 1 und singen manchmal mit. Es sind alles Lieder, die mich an unrühmliche Dinge aus dem Kambrium meines Lebens erinnern, die ich glaubte, längst vergessen zu haben.

Zinnowitz ist auch für seine überall im Promenadenpark herumstehenden Holzskulpturen berühmt. Als verantwortungsbewusster Urlauber habe ich die besten fotografiert. Ohne jemanden danebenzustellen.

Skulptur auf Usedom

Ich weiß nicht ob der Mensch, der bei diesem Bild Modell gestanden hat, noch lebt, aber diese Skulpturen machen Staunen und wollen so gar nicht ins Klischee passen. Denn nirgendwo sonst hat die subventionierte Zivilisierung einer Region solche originiellen, mitunter kauzigen Touristenattraktionen geschaffen: Tauchglocken, die Urlauber versenken, ein Lift-Restaurant, dass alle Stunde zwei Meter nach oben fährt, damit man besser übers Flachland schauen kann, jemand, der die chinesische Terrakottaarmee nachgebaut hat… (für die agyptischen Pyramiden hatte es dann doch nicht gereicht) … ach, und dieser Park, wo die Häuser auf dem Kopf stehen… Weiterlesen „Urläubchen auf Usedom (Tag 4)“

Urläubchen auf Usedom (Tag 3)

Zinnowitz ist niedlich. Sein Zentrum versprüht den Charme eines Verkehrslehrgartens einer Fahrschule für die Kinder reicher Eltern. Vielleicht will es aber auch einfach genau so idyllisch sein, wie der Potsdamer Platz zu Berlin metropolitanisch sein will. Manchmal möchte man einfach hinter die Häuserfronten schauen, ob die Hütten echt sind. Sind sie. Jedenfalls in Zinnowitz.urlaub3Vielleicht drehen sie aber hier auch gerade eine deutsche Version der Truman-Show. Der Rasen ist nämlich überall, wirklich überall 4 cm lang und auch die scheinbar zufällig herumliegenden Kiefernzapfen folgen ganz bestimmt einem Muster. Ich habe manchmal Angst, dass ein Scheinwerfer vom Himmel fallen könnte.

Urläubchen auf Usedom (Tag 2)

Urlaub auf Usedom Tag 2
Auf Usedom ist alles noch nach Osten ausgerichtet. Auch die Strandkörbe.

Es ist Vor-Saison. Das hat einige Vorteile: Die Spritzbestecke der Mücken sind noch weitgehend unbenutzt. Die Zecken in den Kniekehlen hatten dieses Jahr bisher höchstens ein oder zwei Hunde. Es gibt unrationiert frischen Fisch und kaltes Eis und mehr Hunde als Kinder am Strand. Niemand muss am Klo anstehen. Keiner pinkelt in die Dünen. Der Pool ist riesig und noch sehr sauber. Und man muss die Sonne mit niemand anderem teilen.

Nachteil: Die Ostsee hat gerade eine Wassertemperatur von geschätzt 1,5 cm. Das kann allerdings auch daran liegen, dass der Nordpol schmilzt und das ganze Eiswasser in die Ostsee läuft.