Es ist erst vorbei, wenn es zu Ende ist

Weihnachtsansprache.

2017 haben wir, also Periplaneta, also Marry, Sarah und ich, 30 (in Worten: dreißig) Werke in die Welt gesetzt. Ich danke. Marry. Sarah. Dafür und für das beste aller möglichen Leben. Ohne die beiden … gäbe es mich nicht mehr. Sie teilen meine Maxime, meine Überzeugungen und meine Definition von Glück und erfülltem Leben schon sehr lange. Und ich danke den fleißigen Assistentinnen, den Künstlerinnen und Künstlern, die sich eingebracht und den Autorinnen und Autoren, die mit uns diese Abenteuer erlebt haben. Dreißig Publikationen.

Und anno 2017 muss man sagen „trotz alledem“, denn es ist jenseits unserer erfolgreichen  Tätigkeit als Kunst- und Kulturbetrieb, jenseits der so vielen tollen Veranstaltungen, die wir zwischen dem ganzen Büchermachen auch noch gewuppt haben,  so ziemlich alles passiert, was einem nicht passieren sollte: Ich saß zwischenzeitlich schon mit einer Arschbacke im Rollstuhl. Nicht nur ich habe einen geliebten Menschen verloren. Das heißgeliebte Firmenauto hat zwei Jahre vor Ablauf des Verfallsdatums seinen Geist aufgegeben, Betriebsprüfung, Keller unter Wasser  …

Jenseits der Üblichkeiten, wie menschlichen Enttäuschungen und wirtschaftlichen Niederlagen (denn jedes Werk und jede Veranstaltung ist wie eine Wette auf ein manisch-depressives Rennpferd) und dergleichen, ist also dieses Jahr wirklich viel zu viel Scheiße passiert. Die Helden meiner ersten und zweiten Jugend starben wie die Fliegen. Die Folgen des VG-Wort Urteils, eine Bucheinstampfung …

Pressefoto zu "Morbus Animus"
ToM (rechts)

Aber, so what, „venceremos“, ich habe nie gezweifelt. Wir sind in diesem Jahr auch 10 geworden und haben sehr viel bewegt, erlebt und erreicht. Wir haben viel gelernt, sind weiter gewachsen. Unser Literaturcafé ist für immer mehr Menschen Hort und Heim geworden. Und wir haben wirklich einzigartige, grandiose Sachen produziert. Hinter unseren Werken stecken mitunter jahrelange Geschichten. Sie sind alle Inlandsproduktionen. Das heißt, für ihre Herstellung wurden Menschen ordentlich bezahlt und keine LKW um die halbe Welt geschickt. Unsere Hersteller haben alle ihre Kohle dafür von uns schon bekommen.

Jetzt beginnt die Weihnachtszeit. Wir müssen also die ganzen nicen, smoothen und cuten Dinge, die wir hergestellt haben, unter die Bäume bringen 🙂

Helft uns dabei. Und tut euch und euren Mitmenschen etwas Gutes, indem ihr wirklich originale, originelle, nachhaltige, ehrliche, schöne, wahre, gute und nicht aus Funk und Fernsehen bekannte Teile verschenkt, die schlau und lachen und weinen machen, aber eben nicht dick 🙂

Wer in Berlin weilt, kann uns 6 Tage die Woche besuchen und hier trinken und shoppen. Wir freuen uns auf euren Besuch, egal ab virtuos, virtuell oder persönlich. Denn 2018 wird es weitergehen. Mit Kunst, Kultur und Werken abseits des Gewöhnlichen. Auch wenn dann nochmals alles anders und viel verrückter werden wird, als es jetzt schon ist.

Wir lieben, was wir tun.

ToM

 

Periplaneta Online Shop

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P.S.: Und weil diesen Text, den Gesetzen des Netzwerkes folgend, Leute lesen werden, die eh schon Mitglieder der Kirche sind, möchte ich euch last but not least von Herzen danken. Für eure Unterstützung und eure Anteilnahme. Bitte teilt diesen Text.

 

 

 

 

 

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Die Audible-Files

Nun, da einige meiner CDs schon länger ausverkauft sind, ist es an der Zeit:
ToM Manegold gibt’s auch bei Audible. Interessanter Weise unter der Rubrik Comedy und Humor. 🙂

THOMAS MANEGOLD: „HEIMATHIEBE“ (Polemiken und Satiren)
THOMAS MANEFGOLD: „RATTENFÄNGER“ (Lyrik und Propaganda)
THOMAS MANEGOLD featuring Georg von Weihersberg: „Zungenspiel“ (Himmelsthor) (Lyrik mit Piano)

ToM bei Audible

 

Vortrag auf der Buch Berlin

„Lesungen erfolgreich organisieren
Samstag, 25. November 14:00 – 14:45
Estrel Berlin, Sonnenallee 225

„Autorinnen und Autoren galten einst als menschenscheu und introvertiert. Doch heutzutage sind die Buchmacher und Schreiber auch ihre wichtigsten Präsentatoren. Wie organisiert man Lesungen? Wie gestaltet man seine Auftritte? Wie kann man sich vorbereiten? Was sind die schlimmsten Fehler, die man dabei machen kann?
Thomas Manegold, selbst Autor, Veranstalter und Projektmanager bei Periplaneta Berlin gibt einen Einblick in die Welt der Kleinkunst und Live-Literatur.“

Der Vortrag findet im Raum Lyon statt.

Buch Berlin Tagung

Zum zweiten Mal findet im Rahmen der Berliner Buchmesse die Buch Berlin Tagung statt. Am 25. und 26. November werden von 11.00 bis 17.00 Uhr Expertenvorträge und Workshops abgehalten, die Themen rund um das Verlegen von Büchern beinhalten. Tickets gibt es ab 10,00 Euro pro Vortrag, auch Tages- und Wochenendtickets sind dafür verfügbar.


Das vollständige Programm ist unter folgendem Link einsehbar:

http://www.buchmesse-berlin.com/tagung

10er Text ohne „Penis“

oder: Kontent, Grammatik und Metrik werden öfters viel zu sehr überbewertet

Und das Leben besteht nicht aus Atmen.
Sondern aus den Menschen, die uns den Atem rauben.
Aus Glückskekssprüchen für Glutenallergiker
und Reden für die Tauben,
die wir aufsaugen und dran glauben
und dafür zahlen, uns zu aalen
in fremden Qualen, die keine sind.

Sie dann verwegen im Regen zu Papierschiffchen der Liebe
mit Spucke uns zusammenkleben.
Und ein Traumfänger ruft: Wir weben wir weben.
Und ein Träumer: Von hier an blind.

Wir fühlen uns wie kleine Kinder im Bällebad der Gefühle.
Wie auf einer Reise nach Jerusalem – nur halt ohne Stühle.
Träume sind Schäume. Ein Schaumbad der Gefühle
Baumpflanzen, Namentanzen, EIn Jahr für Sen … ioren.

Und wir wissen, dass das Leben zwar anderswo
viel mehr beschissen ist als wie hier,
doch wir lieben uns selbst noch nicht mal so,
wie damals unser Einschlaf-Stofftier.
und unsere Lover auch nur zwischen Yolo, Joint, E und Bier.
Davor plagt uns das Gewissen und danach — ach drauf geschissen.

Vorwärts immer rückwärts nimmer – hat Sugardaddy mal gerufen.
Dazwischen fickt ein Aphorismus einen Anglizismus auf Hesses Stufen.

Und wenn das Leben uns in die Knie zwingt,
tanzen wir Limbo oder Gangman oder Gangbang
Reimen uns wund im öffentlichrechtlichem Ghettoslang
Glück auf zurück
und Herz auf Schmerz
und Tanz auf Schw … (peep)

Wir fühlen uns wie kleine Kinder im Bällebad der Gefühle.
Wie auf einer Reise nach Jerusalem – nur halt ohne Stühle.
Träume sind Schäume. Ein Schaumbad der Gefühle
Baumpflanzen, Namentanzen, ein Jahr für Senile.
Dann Fairtradevollkornbrot und Spiele …
Nunn ja, es gibt der Weisheiten so viele.
Und zwei grundverschiedene Fahrradventile.

Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben,
sondern den Tagen mal eben mehr Leben.
Und so bleiben wir in unserem Streben
mal eben an solchen Sätzen kleben.
Das ist sowas von daneben.

So wie StarWars ohne Space
oder House Of Cards ohne Spacey
Wie ein Book ohne Face
Ein Let’s Go ohne GRAZY
Wie Pitt ohne Brad
Breaking ohne Bad.

Wie ein Poem von Bohlen oder Ralf Siegel,
hat weder ne Botschaft, noch den Arsch von Gefügel. (PO ENTE)
Wie ein King ohne Thron, Games without Throne, ein Ei ohne Phone.
Wie ein Blowjob unter Mindestlohn, egal ob im Sportwagen oder im Van.
Und Du tankst so viel Weisheit, wie beim Lesen von Spam
oder beim Hören von Last Christman von Wham!.
oder bei Julia, der Helene Fischer des Slam.

Wir fühlen uns wie kleine Kinder im Bällebad der Gefühle.
Wie auf einer Reise nach Jerusalem – nur halt ohne Stühle.
Träume sind Schäume. Ein Schaumbad der Gefühle
Baumpflanzen, Namentanzen, Ein Jahr für Senile.
Dann Fairtradevollkornbrot und Spiele …

Und ein Semester gegen irgendein Krieg
Ein Jahr mit drei Texten durch die Republik.
Zwei Peditionen unterschreiben.
Fürs Tier- und Asyslantenheim.
Einmal kommen zwei Mal bleiben.
Gemeinsam ist man weniger allein.
Den Mund weit auf und Augen zu.
Dann Haus, Kind, Hund und CDU.

Ein leises BUHH? Ok, nur zu.

Also höre gut hin und dabei nicht auf zu denken.
(Man denkt über dem Mund und nicht zwunter* den Lenden)
Die, die nicht denken, kann man sehr einfach lenken,
und eben beschränken und in Flüssen versenken.

Und glaube nicht alles, was gut aussieht und klingt.
Auch nicht, dass der Fisch vom Kopfe her stinkt.
Auch nicht den Käse, dass der Weg schon das Ziel ist.
Und nicht das Gewese, dass das Leben ein Spiel ist.

NEIN! Nichts wird wahrer, wenn man’s oft wiederholt.
Es tut Kindern nicht gut, wenn man Hintern versohlt.
Also iss den Keks nicht und lies nicht diesen Zettel.
Und wenn doch, verwends nicht für die Poetry-Battle.

Dein Traum ist nur Schaum. So kleines Kopfbeben.
Also: Leb Dein Traum nicht, sondern lebe Dein Leben.

(ToM 2017 – Das MUNDWERK 9 – OPENER-GEDICHT)

*zwunter ist etwas zwischen zwischen und unter

Kürbis sein für eine Nacht

Halloween im Periplaneta Literaturcafé.

Halloween – die coolere Variante von Allerheiligen, geht auf eine irische Legende zurück, in der ein gewisser Jack den Teufel kidnappte und der Teufel sich mit einer Rübe freikaufte, in die Jack eine glühende Kohle legte und so durchs Dunkel fand. Überall, wo Wald und Bier ausreichend vorhanden sind, entstehen solche Geschichten.
Als die Iren dann nach Amerika auswanderten, gab es plötzlich keine Rüben mehr, die man aushöhlen konnte. Und so wurde der Kürbis zur Ersatzrübe …

Wir werden zu Halloween 2017 erstmals auch bei Periplaneta entsprechende Geschichten präsentieren. Gruseliges aus eigener Herstellung und dazu ein paar Klassiker von Menschen, die schon tot sind.
Dazu kredenzen wir zünftig Bier und echte irische Musik.
Von und mit Marion Alexa Müller, Thomas Manegold, Marien Loha und Sarah Stehle.

Dienstag, 31.10. 2017  20:00 – 23:00
Periplaneta Literaturcafé Berlin

Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene

FREITAG, 20.10.17 ab 20 Uhr @ Periplaneta Berlin
Morbus Dei 2.0 – Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene von und mit ToM Manegold

Jeder kann glauben was er will. ToM glaubt, dass Glauben und Vermuten ein und dasselbe ist. (Ok, da müsste „sind“ stehen … sagt die Lektorin, aber ToM sagt, dass er glaubt, dass er es weiß …)  Wenn aber jemand etwas behauptet, dass der andere für richtig erachten soll, so steht der Behauptende in der Bringschuld eines Beweises. Deshalb will ToM über Religion reden. Er redet sich dabei natürlich um Kopf und Kragen, denn es gibt keine absolute Wahrheit. Und sogar ToM kann sich irren, was bis dato natürlich noch nie passiert ist…

Morbus Dei 2.0 … Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene ist eine Solo-Lesung, die Pfingsten 2017 im Haus Leipzig Premiere hatte. Und weil ihn dabei nicht der Blitz erschlagen hat, liest ToM noch einmal neue und alte Geschichten und Tiraden über Götter und ihre Gläubiger.

Der Eintritt ist frei, man zahlt, um zu gehn.

Meine ganz persönliche Hochrechnung

Deutschland im Herbst 2017.

Diese Bundestagswahl kostet den Steuerzahler rund 100 Millionen Euro. Ja, wir bezahlen den ganzen Rummel, der alle vier Jahre landesweit veranstaltet wird. Wir bezahlen die Luftballons mit den drei Buchstaben, die Fotosession, mit der Christian Lindner die Hausfrauen und Singlemänner über 40 wuschig gemacht hat, die Hetzreden gegen diejenigen, die wir nicht mehr Neger, Muselmänner oder Flüchtlinge nennen dürfen, obwohl wir sie ausbeuten, diskriminieren und diffamieren lassen, die Hamsterbackenretusche an den Riesenpostern von Angela Merkel, den Logopäden von Martin Chulz … 100 Millionen Euro kostet der ganze Scheiß. Der Wahlk(r)ampf ist eigentlich ein Verteilungskampf und ein Beweis dafür, dass Menschen sehr weit gehen, um was vom Kuchen abzubekommen.

Nach der Wahl reden nun alle über jene 13%, die wie erwartet einer Satirepartei ihre Stimme gegeben haben. (Bei der jetzt wohl 6 Leute aus der Fraktion austreten, damit sie aus 88 Sitzen bestehen kann … Sorry, das musste sein.) Keiner redet über die 75%, die konservativ gewählt haben oder über die 10% davon, die den neoliberalen Scheiß befürworten, gegen den die AfD-Phantasien sich als Kindergarten entpuppen würden.

Keiner redet darüber, dass selbst Abstürze auf 20% nicht reichen, um eine sogenannte Volkspartei zu einem echten Neuanfang zu bewegen. Warum hat so ein Ergebnis keine Konsequenzen, warum fühlt sich keiner der Sozen dafür verantwortlich? Warum tritt keiner derer zurück, die man abgewählt hat? Die Regierenden sind der Meinung, dass „der Wähler“, wer immer das sein mag, sie in die Opposition verwiesen hätte? Gehts noch? Sie können eure Gesichter nicht mehr sehen. Und das Geplapper nicht mehr hören. Ihr seid unglaubwürdig. Und wenn ihr das nicht gerechtfertigt findet, dann feuert eure Imageberater. Aber geht!
Martin Schulz hätte sich vorher überlegen müssen, was seine Themen sind und welche Inhalte und Ziele er vertritt, er hätte sich auch zuvor von der Gro-Ko distanzieren müssen. Danach hätte er sich mit einem konkreten, sagen wir mal, 10-Punkte-Plan als Kanzlerdandidat aufstellen lassen können. Das wäre authentisch gewesen. Ich glaube, dann hätte ich ihn sogar gewählt. Selbst wenn er die Büchermacher vergessen hätte 🙂 Aber so ganz ohne Plan und ohne Inhalte … das Volk ist halt noch nicht blöd genug.

Ich glaube, dass die Bevölkerung es satt hat, dass ständig alle sich jedewede Optionen offenlassen, taktieren und doch eigentlich nur die Interessen ihrer jeweiligen Träger gegeneinander ausspielen, dass es primär um Pfründe und Machterhalt geht und erst sekundär um Glaubwürdigkeit oder gar um Gestaltung. Wer sich verplappert, wird in Brüssel zwischengelagert oder geht in die Wirtschaft oder bekommt eine unverschämte Rente oder schlimmer. (Christian Wulff bekommt für seine nichtmal 2jährige Schlossbesetzung beispielsweise 200 000 € im Jahr, bis er daran erstickt, während er munter weiter als Anwalt und Berater seine Beziehungen versilbert.) Vielleicht wissen ein paar mehr Menschen, dass Korruption und Lobbyismus eigentlich dasselbe ist. Und dass eure Moral mehr als nur doppelbödig ist.

Die regierenden Parteien haben zusammen ca. 15 % verloren. NEIN, NICHT WEIL DIE REGIERUNG NICHT RECHTS GENUG WAR. Niemand kommt auf die Idee, dass diese schlauen 15% die Regierung einfach nicht wiedergewählt haben, weil sie diese Regierung scheiße finden. Weil sie von Wanka und Müller gar nichts gehört haben, weil Hendriks eigentlich immer nur rumheult, dass alle gegen sie sind, weil Dobrindt soviel Sympathiepunkte mit seinem Mautgelaber gesammelt hat, dass man sein Gesicht auf Box-Sandsäcke drucken lassen könnte. Weil Gröhe die Verkommerzialisierung des Gesundheitssystems verwaltet hat, weil Schwesig, Gabriel und Steinmeyer ihre Resorts swingerclubmäßig für den nächsten Posten einfach mal weitergereicht haben, weil Nahles sich für jedes Häufchen, was sie gemacht hat, feiern ließ, als wäre es Schokolade. Und weil Thomas die Misere seinem Namen auch mehr als alle Ehre gemacht hat … Dennoch: Ich habe einen Heidenrespekt vor Herrn Schäuble, Frau Merkel und vor allen, die diesen Zirkus aushalten, ohne abzudrehen. Und ich weiß, dass einige Volksvertreter durchaus Kompetenzen haben und wissen, was sie da tun und warum. Das Problem ist: Ich weiß das nicht und ich habe das Gefühl, dass ich das auch gar nicht wissen möchte.

Der Mehrheit der Deutschen geht es gut. Schon klar. Aber das ist doch nicht alles, zumal es immer darum geht, wie man als Gesellschaft mit den Minderheiten verfährt.  Und „Gutgehen“ ist eine sehr schwammige Bezeichnung. Wir sind satt und selbstzufrieden, haben schnelles W-Lan (Ok, nicht überall), eine Spielekonsole und ein Netflix-Abo. Wir werden immer dümmer, immer dicker und immer paranoider. Wir leben auf Kosten anderer Menschen und künftiger Generationen. Immer weniger Menschen sind intellektuell in der Lage, sich an der Wertschöpfung, an den Entscheidungsprozessen und am Fortschritt aktiv zu beteiligen. Immer mehr Menschen müssen alimentiert werden, nicht nur die Sozialhilfeempfänger, sondern auch diejenigen, die euch in der Elbphilharmonie bespaßen, die euch solche Mafiadenkmäler bauen und die Industrieellen, die ihr bestecht, damit sie die Arbeitlosenzahlen niedrig halten, die Bauern, für die sich Landwirtschaft nicht mehr lohnt, die Arbeiter, die keine mehr sind – und euer ständig wachsender Selbstverwaltungsapparat.

Ihr kuscht vor den Banken, ihr kuscht vor den Diktatoren, ihr bedient die Lobbyisten… gut, das mag sehr nach pauschaler Verurteilung klingen und ist auch so gemeint, denn auch ihr reduziert euer Volk ja auf „den“ oder „die Wähler“ und auf ein paar Prozentzahlen. Man muss nicht immer differenzieren. Manchmal ist es auch ganz einfach: Ihr ward scheiße. So. Und „gutgehen“ tut es uns und den paar Geflüchteten auch nur deshalb, weil ein paar Menschen bis zum Umfallen dafür gearbeitet haben. Meistens umsonst und draußen und meistens gegen eure Bürokratiemühlen und persönlichen Interessen. Jenes „Wir schaffen das“ war extrem zynisch, Frau Merkel, weil es „Ich schaffe das“ hätte heißen müssen und nunmal „Ihr schafft das“ bedeutet hat.

Zieht man die 20% Mitleidswähler der SPD mal ab, haben immer noch 55% erzkonservativ CDU, CSU, FDP und Grüne gewählt. (Und bevor nun wieder die sich ökologisch und progressiv Meinenden losplärren, nein, die Grünen sind keine Fortschrittspartei mehr. Und schon gar nicht etwas, das man früher mal links nannte. Konservativ bedeutet nur „bewahrend“, also „weiter-so“, ihr habt früher dazu „spießig“ gesagt … ) Diese 55% sind der eigentliche Skandal, denn diese Parteien, die wahrscheinlich die neue Regierung bilden werden, sind, schon allein weil sie drüber nachdenken, im Grunde alle rechts-konservativ, sie stehen für ein System des ständigen Wachstums, der fortlaufenden Kapitalkonzentration und dem Bewahren eines Status Quos, der die Welt früher oder später in die nächste Krise reiten wird.

Es war so exemplarisch für die Grünen, als irgend so eine Quotenfrau heimlich hinterm Haus aus ihrer Luxuskarre in ein repräsentatives Umweltauto umgestiegen ist, um dann vor laufender Kamera mit dem Klischeegefährt vorzufahren …

Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich rasant. Dafür braucht es auch vollkommen neue Konzepte. Einen vollkommen neuen Umgang mit Konfessionen, eine neue Ethik, echte Gleichberechtigung, echte Nachhaltigkeit, Bildungsoffensiven bei den 6, 16 und 60jährigen, Breitbandausbau, neue Orientierung in der Forschung, die Rettung von Journalismus, Meinungs- und Pressefreiheit und der Kulturschaffenden. Und nicht „Machterhalt first“.

„Bedenken second“ war übrigens die einzige offensichtliche Lüge auf dem FDP-Plakaten. Ich denke, dass „Bedenken“ bei Herrn Lindner es nichtmal unter die Top 10 schaffen würde. Aber damit ist er nicht alleine. Das gehört wohl zur Grundausstattung.
Das AFD-Programm ist dann auch nicht verheerender, als das der FDP. Das eine zündet das Haus von innen an, das andere von außen. Aber weder haben die AfD-WählerInnen nur protestieren wollen, noch sind die FDP-WählerInnen nur auf Posing-Christian hereingefallen.  Sie alle wissen im Grunde genau, was sie da gewählt haben. Nationalkonservativ und nationalsozial die einen und  die anderen einen entfesselten Markt in einem schwachen Staat unter Führung eines selbstgefälligen Opportunisten, der entgegen seiner Zitierwut Adam Smith nie gelesen hat 🙂 Zwar hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Beide Programme sind total verschieden. Aber sie sind nunmal reaktionär und menschenverachtend.

Die 700 Abgeordneten und die sonstigen Mitarbeiter des Bundestages allein verursachen jährlich Kosten von rund 500 Millionen Euro. Hinzu kommt die Bundestagsverwaltung und dergleichen. Auch die Liveübertragung in unsere Wohnzimmer kostet extra 🙂

Ich denke, für soviel Kohle haben wir mehr verdient, als stupides AfD-Bashing, Wirtschaftslobbyismus und so eine langeweilige Game-Of-Thrones Adaption, ganz ohne Sex und ohne Fabelwesen und mit adipösen Rentnern und  karierregeilen Nutten beiderlei Geschlechts in den Hauptrollen, die alle das Drehbuch nicht verstanden haben, aber trotzdem die Gagen kassieren. Gagen, die wir bezahlen müssen, egal, wen wir gewählt haben.

P.S.: Warum bildet Frau Merkel nichtmal eine Regierung komplett fraktionsunabhängig mit denjenigen, die gewählt und gleichzeitig am besten qualifiziert für den jeweiligen Job sind?

ToM

 

Ich wollt einfach mal „Danke“ sagen

Nach einem denkwürdigen Jubilat bin ich zwar immer noch ziemlich durchgeschüttelt, aber auch gerührt. Man wird halt nicht jünger. Allerdings dürfte jener Feiertag der wichtigste für mich 2017 gewesen sein: 10 Jahre Periplaneta. 10 Jahre Family und Kulturkampf in einem. Das sagt viel aus. Über meine nicht vorhandene Konfession und Sozialisation.

10 Jahre Hamsterrad. 70 Stunden in der Woche. Dennoch liebe ich, was ich da mache. Auch wenn ich sowieso nicht anders kann. OK. Man könnte mit jemandem Professionellen drüber reden, für Geld. Aber wo bliebe dann der Spaß und die Spannung. Außerdem sind die Fenstertomaten noch so hoch, dass man gar nicht hüpfen könnte. Ich finde, man kann mit seinen Dämonen auch was sinnvolleres machen, als drüber zu reden oder sie im Lotussitz unter Aufsicht zu ignorieren. (Nein, keine Familienaufstellung). Und irgendjemand muss ja dem Krätschell noch die zweite Auflage machen …

10 Jahre … Während dieser Zeit ist viel passiert. Auch viele Tragödien, Enttäuschungen, Katastrophen. Und die drängeln sich leider immer in den Vordergrund. (So wie dieser eine große Mann, der gestern das halbe Buffet alleine gegessen hat 🙂
An die schönen Dinge gewöhnt man sich dagegen sehr schnell. Und dann fallen sie einem gar nicht mehr auf. Deshalb: Danke. Für die Blumen und die Geschenke. Danke für die Glückwünsche. Aber vor allem Danke für die tolle Zeit mit euch, die ihr euch auch immer wieder das Gejammer anhören müsst, wenn etwas nicht klappt, die ihr immer wiederkommt, weil euch das gefällt, was Periplaneta ist. Danke fürs Mögen in guten und in schlechten Zeiten. Danke fürs Mitmachen und Mitmachendürfen. Danke für die Texte, danke für die Musik, danke, dass ihr immer wieder bei uns performed, auch wenn manchmal nix zu holen ist.

Danke fürs Zuhören und fürs Aushalten, auch wenn sich unsere Ansichten vielleicht auch mal nicht überschneiden und man schon wieder nicht unterscheiden kann, wo die Grenzen von Ironie, Sarkasmus, Zynismus und Satire sind. Die Welt hat es nicht anders verdient 🙂

Ihr schon.

Heute weiß ich wieder: WIR sind die Guten.
Auf die nächsten 10.

ToM

David Wonschewski über „Heimathiebe“ (2017)

Sowas kann man rebloggen 🙂 Danke an Herrn Wonschewski!

David Wonschewski | Autor

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von David Wonschewski

„Maniker können mitunter sehr schnell denken und Berge versetzen. Problematisch wird es erst, wenn sie diese Berge hinstellen, wo sie nicht hingehören, und am nächsten Tag nicht mehr wissen, wer den Haufen gemacht hat…und wie sie da ganz oben raufgekommen sind. Bipolar ist ein Tanz auf Messers Schneide, bei dem man sich zwangsläufig blutige Füße holt.“

Wäre Thomas Manegold eine Frau, ohne Umschweife knutschen würde ich ihn, sie, allein dieser paar Zeilen wegen. Stürmisch ginge ich dabei zu Werke, feucht, wild, exzessiv, ein wenig übertrieben. Nun, manisch halt. Denn auch wenn dieser Gedanke, den Manegold in seinem aktuellen Werk „Heimathiebe“ äußert, für mich als bipolaren Menschen keineswegs neu ist – selten habe ich Wunder und Wunden meines eigenen manisch-depressiven Wesens derart kompakt und anschaulich zusammengefasst gesehen. Es ist halt alles gleichermaßen kompliziert wie charmant, so man, ärztlich attestiert, einen an der Waffel hat. Und so einer…

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Periplaneta wird 10! ZEEEEHN! JAHRE!

Jubiläumsfeieritis am 15.09.2017 im Periplaneta Literaturcafé.

Als wir 2007 mit dem Verlag anfingen, da gab es faktisch noch keine E-Books und Facebook war fast so verrucht, wie heute das Dark-Net. Wer by MySpace war, galt als extrem modern und schon ein bisschen exhibitionistisch. Der Download eines einstündigen Hörbuches kostete noch rund 10 €. Bei Mixed-Shows hatte nur jeder fünfte Künstler ein eigenes Produkt und Buchpremieren hatten eine Verkaufsquote von 30 – 40 %.

Heute ist das alles ein bisschen … anders. NIEMAND konnte auch nur erahnen, was da auf uns zukam. Ebenso unwahrscheinlich war es, dass sowas wie Periplaneta auch nur die ersten zwei Jahre überstehen würde. Aber es kam anders. Wir hatten uns was ausgedacht und es gemacht. Und … es hat funktioniert!! Auch inmitten turbulenter Veränderungen, die immer noch andauern.

Jetzt blicken wir auf über 250 Werke. Viele davon mit Audioproduktion. Auf unzählige Veranstaltungen in Berlin und anderswo. Und wir laden zur Geburtstagsfeier ein.

tom manegold - periplaneta

Am 15.09. feiern wir uns selbst. Mit Sekt und Kulturprogramm. Im Periplaneta Literaturcafé. Mit von der Party sind, neben Marry, Sarah und mir, auch Brauseboy Robert Rescue, Dichtungsringer Matthias Niklas, Leseduellant Johannes Krätschell, die musengeküsste Singer/Songwriterin VERA und der Indiepop-Singer-Songwriter Josias Ender. Los gehts um 20 Uhr, der Eintritt ist frei, man zahlt, um zu gehn.

 

 

Die Einsamkeit des Hurenkindes

Die dritte Vision und Wahn Anthologie kommt!

Am 04. September erscheint, im Rahmen des unfassbaren 10jährigen Bestehens von Periplaneta, die dritte Lesebühnen-Anthologie. Wir bedanken uns bei 31 Autorinnen und Autoren für die rege Anteilnahme. Natürlich wird die Vision & Wahn an diesem Montag eine Premierefeier werden, mit Kuchen und Wein und mit den druckfrischen Büchern, die diesmal ein Cover von Nicole Altenhoff ziert.

Der extravagante Titel kommt aus der Welt des Setzens. Ein „Hurenkind“ weiß nicht wo es herkommt. Es ist ein Satzfehler, die Schlusszeile eines Absatzes, die alleine auf der nächsten Seite steht. Wir haben natürlich absichtlich ein paar dieser „Hurenkinder“ im Buch belassen. (Vielleicht machen wir ja als nächstes etwas mit Schusterjungen …)

Mit Beiträgen von Marion Alexa Müller, Robert Rescue, Thomas Manegold, Alma Maja Ernst, Antonia Luba, Arno Wilhelm, Bastian Mayerhofer, Christian Gottschalk, Clint Lukas, Frank Sorge, Gary Flanell, HC Roth, Heiko Heller, Heiko Werning, Johannes Krätschell, Jesko Habert, Laander Karuso, Lucas Fassnacht, Mareike Barmeyer, Maschenka Tobe, Matthias Niklas, Mikis Wesensbitter, Nicolas Schmidt, Nicole Altenhoff, Nils Frenzel, Philipp Multhaupt, René Sydow, Sarah Strehle, Steve Bürk, Theresa Steigleder, Viola Nordsieck.

Das Buch bei Periplaneta

PREMIERE AM MONTAG, DEN 04.09.2017 ab 20 Uhr im PERIPLANETA LITERATURCAFÉ BERLIN. Der Eintritt ist frei. Man zahlt, um zu gehn. #periplaneta10