Eine Herzensangelegenheit

Die unterschätzte Kunst des Scheiterns…

Trotz aller Widrigkeiten geht es bei meiner Arbeit für Periplaneta immer weiter. Für den Herbst sind bereits diverse Jubilate geplant, da der Verlag doch tatsächlich 10 Jahre alt werden wird, falls es bis September wieder aufhört zu regnen. Aber weil das Wetter so schlimm, sind wir eben nicht andauernd Baden gefahren, sondern haben u.a. den zweiten Teil von „Kalion“ herausgebracht.

Jetzt freue ich mich gerade sehr auf den zweiten Geschichtenband der Chefin. Schon allein deshalb, weil sie am Anfang ja eigentlich nicht wollte, denn so eine Chefin hat es schwer, weil sie so viel extrem ekligen Kram machen muss, wie WAWI und Buchführung und Aufsichtsratssitzungen – weshalb für die eigene Karriere als Starautorin wenig Zeit übrig bleibt.

Aber Marrys „Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren“ ist ein wunderbares Buch geworden. Dolles Cover, Daumenkino und 170 Seiten fabelhafte Erzählungen. Dazwischen die legendären Rechthabewoman-Klugscheißer-Miniaturen, die Geschichten hinter den Geschichten.

Ich durfte Mitlektorieren und Setzen und ich weiß jetzt, wer den Längsten hat, warum Hamster Bandscheibenvorfälle haben und warum Erdferkel so alleine sind. Das Buch kann man schon bei Periplaneta bestellen. Der Vorgänger „Evasapfel“ soll übrigens im gleichen Design neu aufgelegt werden.

 

Im Gedenken an Runfrid

Ich weiß nicht, warum wir die fremden Tragödien betrachten und betrauern und die eigenen immer abschotten müssen. Ich will das nicht. Meine Mutter ist gestorben und derzeit beschäftigt mich das Gedenken an sie mehr als alles andere. Sie war ein großartiger Mensch. Und auch sie hat sozusagen ein Recht, in den Köpfen derer, die sie kannten, weiterzuleben.

Mir war wichtig, dass die Trauerfeier nicht für die Gäste oder die Angehörigen oder für unsere Weltanschaulichkeiten stattfand, sondern für sie, meine Mutter. Deshalb hat die Trauerrede nun auch einen Platz in meinem Blog. Wer sie (nochmal) lesen möchte, klicke bitte >>hier.

 

„Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben …

Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“
(Peter Tauber auf Twitter).

Lieber Peter! Mal abgesehen davon, dass man Ordentliches in diesem Zusammenhang groß schreibt … egal. Du bist weltfremd, dumm und arrogant. Auch mit den weiteren Absonderungen dazu … über Aufsichtsratsposten und dergleichen. Ich kenne Menschen, die leider auf Hierarchien und Leute wie Dich allergisch reagieren, ich kenne Menschen, die drei Mal „ordentlich“ umschulen mussten und immer noch nicht vernünftig bezahlt werden und ich kenne sehr viele Akademiker, die nach ihrem Studium leider nirgendwo landen konnten.

Das Thema ist leider gegenwärtig wichtiger als das Heiraten. Deshalb Wut und eine Sehnsucht nach Prangern auf den leeren Marktplätzen unserer Städte. Ich sage: Fick Dich, Peter. Mit Deinem erhobenen Zeigefinger.  Jaja, geh nur zu Heiko petzen, damit er das löschen kann. Aber fick Dich. Unfuckingwählbar. P.S.: „Dich“ darf man noch großschreiben, wenns persönlich wird. (ToM auf Facebook)

Durchatmen. Puh. Es ist nur ein Tweet, es ist nur ein Tweet …

Ich versuchs mal konstruktiv:
Was ist passiert? Peter Tauber hat etwas getwittert. Peter Tauber hat nur seine Meinung kundgetan, aber diese Meinung bestimmt sein vieles Reden und sein nicht ganz so üppiges Handeln. Und das ist gefährlich, denn Peter Tauber ist ein sogenannter Spitzenpolitiker. Genauer gesagt, er ist Generalsekretär der CDU.

Peter Tauber stellt folgende steile These auf:
Wer was „Ordentliches“ gelernt hat, brauche keine drei Minijobs und mit einer guten Ausbildung verdiene man genug. Und auch Politiker haben mehrere Jobs …

Nee, Peter, erstens stimmt es nicht, Qualifikation macht nicht satt und warm. Jeder kennt unzählige Beispiele in seiner Umgebung, so wie ich sie spontan bei meinem Wutausbruch auf FB aufgezählt habe.

Zweitens sollte es für eine Gesellschaft auch erstrebenswert sein, dass nicht nur jeder, der „ordentlich“ Vermögenverwalten oder „ordentlich“ Häuserverticken gelernt oder sich „ordentlich“ auf einen alimentierten Posten gebuckelt hat, „ordentlich“ (höhö) bezahlt wird. Vielmehr sollen in meinem Land „anständige“ Jobs „anständig“ bezahlt werden.

Drittens verhöhnst Du, lieber Peter, auch alle, die jeden Tag in von „ordentlich“ ausgebildeten … (es ist nur ein Tweet) Politikern als „ordentlich“ deklarierten, aber leider unterbezahlten Jobs Vollzeit arbeiten. (Die Klischees reichen vollkommen: ErzieherInnen, FriseurInnen, Executive Facilitycleaner, Pflegepersonal) … Mit Mindestlohn kriegst Du nämlich keine Kinder mehr groß und später dann auch niemanden dazu, Dir „ordentlich“ den Hintern abzuputzen.

Viertens verdient man nicht etwa mit einer „ordentlichen“ Ausbildung „ordentlich“ Geld. Heute kostet eine Ausbildung. Man verdient nur Geld, wenn man eine Arbeit hat, die „ordentlich“ bezahlt wird. Und die gibt es nicht automatisch, wenn man gut ausgebildet ist. Das, was man damit bekommt, heißt Volontariat.

Fünftens sind gesellschaftlich notwendige Berufszweige mittlerweile nahezu komplett verminijobbt oder verscheinselbständigt. Niemand, wirklich niemand bekäme auch nur ein verschissenes Zalandopaket oder Amazonpäckchen oder Lieferandofutter geliefert, wenn jene exekutiven Logistiker aufhören würden zu arbeiten, die schlecht bezahlt sind. Die werden nämlich alle pro Ablieferung bezahlt, nicht pro Stunde. Und viele von denen, die unsere Pakete spazierenfahren, haben eine gute Ausbildung.

Sechstens muss es auch gestattet sein, diesen einen, von Dir so schön vorgelebten und mit Deinen Auswürfen so schön umrissenen German Way of Life nicht zu wollen, ohne abzustürzen. Auch eine stinkreiche, weltfremde Ausbeuterbürokratie wird daran gemessen, wie sie die Andersdenkenden behandelt. Ich bin so einer, glaube ich, und meinetwegen könnt ihr euch soviele Diäten und Aufsichtsratspöstchen in den Ar … (es ist nur ein Tweet) schieben bis ihr platzt. Ist mir egal. Aber die Zweit- und Drittbeschäftigungen der Volksvertreter mit den Minijobbern zu vergleichen, das muss einem erst einmal einfallen. Das ist absurder als der Kuchen-statt-Brot-Satz, den Marie-Antoinette nie gesagt hat!

Irgendwann kommt der Mob zu euch in den Glaspalast gerannt. Dann heißt auch Lobbyismus wieder Korruption und euer Redenhalten für zuviel Geld und diese Aufsichtsratsalibiposten werden wieder Bestechnung genannt werden. Es wird eine schöne Zeit. Du wirst merken, dass unter den Menschen, die mit 1000 EUR im Monat auskommen müssen, welche sind, die sogar schlauer sind als Du. Und Du würdest Menschen kennenlernen, denen der Preis zu hoch ist, so wie Peter Tauber zu sein.

Du bist ein „Volksvertreter“ lieber Peter. Vergiss das nicht. Entschuldige Dich wenigstens. Es ist eben nicht nur ein Tweet. Er zeigt, wie tief der Graben ist zwischen euch und uns. Er zeigt, wie weltfremd diejenigen sind, die die Welt regieren. In einer Zeit, in der genau solche asozialen Bürokraten wie Du uns sprechende Kühlschränke, selbstfahrende Autos und vollautomatische Fabriken als geile Zukunft verkaufen wollen, anstatt sich darum zu kümmern, dass bei der Digitalisierung der Wirtschaft keiner auf der Strecke bleibt, spricht so ein kleiner Tweet Bände. Er ist abgrundtief böse und entlarvend. Früher sind Menschen für weitaus weniger aus dem Fenster geworfen worden.

#wasOrdentliches #TauberPeter

http://www.manegold.de

 

 

 

Hitzefrei fällt aus

Vision & Wahn im Juli

„Was? Nee, keen Urlaub … naja, ist irgendwie allumfassend ins Wasser gefallen … Nee, keene Sommerpause … Warum? Na weil es bei uns das ganze Jahr über cool ist. Und wir aufm Prenzlberg physikalisch gesehen die Letzten sein werden mit trockene Füße …“

Die allmonatliche Lesebühne des Periplaneta Verlags begrüßt am 3. Juli 2017 als Gäste den Berliner Autor Clint Lukas und Singer-Songwriter Johannes Kubin.

Thema zum Tag des Ungehorsams: Die Aufrührer!

Vision & Wahn ist die hauseigene Lesebühne von und mit Marion Alexa Müller, Thomas Manegold (falls er eine Wasserstraße nach Hause findet) und Robert Rescue. Jeden ersten Montag im Periplaneta Literaturcafé zu Berlin.

Ab 20 Uhr. Der Eintritt bleibt frei. Man zahlt, um zu gehen.

www.berlin.periplaneta.com

2 Stunden Neukölln: Berlins neue einmalige Lesebühne: Kekse unter Bäumen

48 Stunden Neukölln und Periplaneta präsentieren:
KEKSE UNTER BÄUMEN
Einmalige Lesebühne von und mit Viola Nordsieck, Mark Uriona, Gary Flanell und Thomas Manegold. Musik: Annika von Trier.
Samstag, 24.06.2017 20 Uhr
Eintritt frei, KüKa Mit Buchstand.

Es soll ja um Schatten gehen beim diesjährigen 48 Stunden Neukölln Festival. Ein sehr phrasengefährdetes Thema. Wo viel Licht ist … NEIN, da ist nicht zwangsläufig viel Schatten, sondern nur da, wo viel Zeugs im Licht rumsteht.
Eine Schattenseite des Lebens kann im Sommer durchaus Vorteile haben. Und wenn wir es „Geh mir aus der Sonne“ genannt hätten, dann hätten wieder viele die Ironie nicht verstanden. Also: KEKSE unter BÄUMEN. Was für die Synapsen. Und wir vier haben natürlich alle einen Schatten. Wir werden Texte vorlesen, aus unseren Büchern oder von Zetteln, auf denen sie bislang ein Schattendasein fristen mussten.

Viola Nordsieck ist Autorin, Philosophin und Kritikerin und schreibt u.a. für das Transform-Magazin.  Mark Uriona ist ein Jurist, der für Gerechtigkeit ist und deshalb auf dem zweiten Bildungsweg lieber Weltretter-Kameramann und Autor geworden ist.
Gary Flanell ist ein aufrechter Fanzine-Herausgeber, Autor und Off-Kultur Journalist.
Thomas Manegold ist Mediengestalter, Schreiber, Periplanetaner und Mitglied der Lesebühne „Vision und Wahn“. AnniKa von Trier ist Sängerin und Performancekünstlerin. In der Vielstimmigkeit ihres Gesangs kommt der polyphone Klang der Großstadt zum Ausdruck: Poetisch, politisch und schnoddrig wie Berlin.

Das Gute im Menschen

An manchen Stellen kann man das Meer noch brüllen hören. Die Fischendlager fielen von der Küste. Die Wasser holten die Heringskälber heim und verschoben des Nachts den Strand um eine Ewigkeit, vielleicht auch zwei. Die Ents um Baumbart krallten sich tief in den Sand. Und sind dann doch fürs Mutterland gefallen.

Jetzt gehen Menschen gesenkten Hauptes am neuen Ufer Richtung Sonnenuntergang. Baumbart denkt, dass Demut sie ereilte. Ich will ihm seinen Glauben nicht nehmen und lasse den Bernstein im Sand liegen.

 

Traumstrand

Die Wellen haben die Strandkörbe gefressen und der Wind  verwischt alle Spuren mit der Präzision einer illegal beschäftigten, mysophobischen Putzfrau. Wenn man nur fünf Minuten stehenbleibt, sieht man nicht mehr, wo man hergekommen ist. Vergangenheitsüberwältigung.
Die Gänse fliegen quietschend im Kreis, flattern immer landeinwärts, um sich dann wieder über die See treiben zu lassen.
Und die letzten Kolonnen kämpfen gegen den Sturm an, werden immer langsamer, bis sie schließlich mit ihren gerenteten E-Bikes vom Deich kippen.

ToM @ WGT 2017

Impressionen vom WGT 2017

 

ToM Manegold auf dem WGT 2017

Thomas Manegold liest auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig.

Auch 2017 liest ToM wieder auf dem WGT. Es  sind zwei Lesungen im Haus Leipzig geplant. Als DJ für eine Göttertanz-Party steht ToM allerdings dieses Jahr gesundheitsbedingt nicht zur Verfügung. Das Kreuz mit dem Kreuz.


Sonntag, 4. Juni 2017 – 15.45 Uhr
ToM Manegold: MORBUS DEI 2.0 – Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene
Haus Leipzig Elsterstraße 22, 04109 Leipzig, Deutschland (Karte)
MORBUS DEI 2.0 – Blasphemie für Anfänger und Fortgeschrittene. Neue und bewährte Geschichten und Tiraden über Götter und ihre Gläubiger. Ein Jahr zuvor nahm sich ToM dem Thema Geisteskrankheit an und referierte auf unorthodoxe Weise über Bipolarität, Neurosen und Psychosen. Der rote Faden durch diese Lesung wird das Thema Religion sein.


Montag, 5. Juni, 15:30 – 16:30 Uhr

ToM Manegold: Gespräche mit Goth
Haus Leipzig Elsterstraße 22, 04109 Leipzig, Deutschland (Karte)
Romanlesung. Deniere… Thomas Manegold liest zum letzten Mal aus dem Episodenroman „Gespräche mit Goth“ Eine vollkommen frei erfundene Geschichte über Zombies, Burn-Out, Depression und Party.
Beide Veranstaltungen finden im Rahmen des WGT statt, Eintritt also nur mit Festivalbändchen. Einlass ist eine halbe Stunde vorher. Wir bringen ein paar Bücher mit und freuen uns über jeden Besucher und jede Besucherin.

Chris Cornell ist tot!

Wieder plötzlich und unerwartet und ja, mittlerweile hat man sich irgendwie daran gewöhnt. Wieder ist einer meiner Heroen gestorben. Im zarten Alter von 52 Jahren. Chris Cornell. Einer der ganz ganz Großen. Absoluter Ausnahme-Sänger von Soundgarden, Temple Of The Dog und Audioslave.

Seit Anfang der 90er Jahre … ihr erinnert euch, damals, als Metallica aufhörten, gute Musik zu machen, sind seine Lieder ein fester Bestandteil des Soundtracks meines Lebens. In guten und in schlechten Zeiten. Bis heute.

Irgendwo zwischen 70er-Jahre-Psychedelic-Rock, Punk und Heavy Metal wuchs Ende der 80er etwas, was man später Grunge nennen sollte und was der harten Mucke nicht zuletzt auch den Weg auf die Tanzflure der Clubs ebnen sollte, die damals noch Diskos hießen. Aber so schnell, wie sie sich die Herzen der Metaller und MTV-Gucker eroberten, schossen sich die Helden auch die Birnen weg, meistens mit Heroin. Chris Cornell war einer von den wenigen großen Stars dieses beispiellosen Hypes, die das einigermaßen heil überstanden hatten. (Kurt Cobain von Nirvana oder Layne Staley von Alice in Chains ja bekanntlich nicht.) Und er war ein Sänger, dem niemand das Wasser reichen konnte.

Egal, ob mit Soundgarden („Jesus Christ Pose“, „Outshined“, „Spoon Man“, „Black Hole Sun“, „The Day I Tried To Live“ … ), Temple Of The Dog („Say Hello To Heaven“, „Hunger Strike“, „Call Me A Dog“ …) oder Audioslave ( „Cochise“, „Like a Stone“, „Show Me How to Live“, „I Am the Highway“, „Wide Awake“, „Be Yourself“ …) oder solo. All seine Projekte hatten ihre eigene Handschrift und ihre kreative Berechtigung. Obwohl Audioslave manchmal eher als Vernunftehe rüberkam, sind die Songs dieser Supergroup aus meinen DJ-Sets nicht wegzudenken. Und auch wenn Soundgarden dann doch einer Reunion nicht widerstehen konnten, haben sie dabei, im Gegensatz zu den meisten anderen Bands, eine erstaunlich gute Figur gemacht …

Chris Cornells Stimme half mir durch Krisen und über Tanzflächen, begleitete mich beim Hassen und Lieben und nachts über die Autobahnen.  Chris Cornell hat mir also sehr oft das Leben gerettet, insbesondere dann, wenn es andere Menschen mir oder anderen zur Hölle gemacht hatten.

Das Fatale ist, dass sich am Horizont weit und breit niemand findet, der so eine Lücke ansatzweise schließen könnte. Nicht für mich und auch nicht für die Musikwelt an sich, die einen ihrer besten Songschreiber, Texter und Sänger verliert.

Black hole sun, won’t you come and wash away the rain?
Eine Ära geht zu Ende.
Dankbar und traurig. ToM

 

P.S.: Und jetzt, da ich zwangsläufig  all die zahllosen Ereignisse wiedererlebe, zu denen diese abgrundtief geile Musik gelaufen ist, erinnere ich mich wieder … Chris Cornell ist auch daran schuld, das ich niemals versucht habe, in einer Band zu singen. Dafür muss die Welt ihm auf jeden Fall für alle Zeit dankbar sein. Und sie muss sich fragen, warum es trotz „Four Walled World“ oder „Say Hello To Heaven“ oder „Wooden Jesus“ so viele talentfreie Menschen versucht haben, es ihm gleichzutun.