Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

CORONA TAGEBUCH – Eintrag 6

Katastrophen-Sudoku

Mir schwirrt der Kopf, wenn ich Nachrichten lese oder schaue. Was dabei beinahe nicht auffällt: Mir schwirrt der Kopf von den immer gleichen Zahlen. Immer noch jongliert Deutschland die Begründungen für seine Maßnahmen anhand der Anzahl der positiven Tests. Eine Zahl, die für sich genommen überhaupt nichts aussagt, wenn man nicht weiß, nach welchen Kriterien wieviele Tests durchgeführt werden. Wieviele tatsächliche Erkrankungen und wieviele stationäre und wieviele intensivmedizinische Fälle es gibt, wissen zudem die Wenigsten. Vielleicht ist das auch gut so … weil, erfahrungsgemäß die Dummheit sehr gerecht auf alle Klassen und Schichten verteilt ist … Nun eröffnen auch die sogenannten seriösen Medien ihre Artikel und Meldungen sehr gern mit Suggestivfragen in der Headline oder in der Einleitung, die dann aber sehr oft nicht beantwortet werden. Heraus kommt dabei gefährliches Halbwissen, wobei „Halb“ ein Euphemismus ist. Wenn einem aber gerade das Leben um die Ohren fliegt und man ständig mit der eigenen Angst und der Panik der anderen konfrontiert wird, muss man nehmen, was da ist …

Was passiert bei einem schweren Verlauf? Wie hoch ist das Risiko, dass mir das passiert? Darf man den Idioten, die sich nicht benehmen können, sowas an den oder, besser gesagt  IN DEN Hals wünschen? Die ersten Fragen sind Suggestivfragen, damit der Beitrag gelesen wird. Die Antwort auf die letzte Frage ist: Nein. Niemandem wünscht man das.

Das Intubieren ist ein Horrorszenario, vor dem man als anwendendes Personal und als Patient vollkommen zurecht Angst und Respekt haben sollte. Sie ist die umstrittene ultima ratio im Kampf gegen Corona: Endotracheale Intubation. Der Mensch hängt sediert in einer Art Wachkoma an einem Schlauch, der direkt durch den Rachen in seine Lunge geschoben wurde, und verliert innerhalb kürzester Zeit 20% seiner Muskelmasse. Die meisten haben danach Probleme, zurückzukommen, bleibende Schäden und einen sehr langen Genesungsweg vor sich. Es ist wirklich schlimm. Aber das ist es vor der Seuche auch schon gewesen. Die Zahl der in Jahren vor Corona künstlich beatmeten PatientInnen in Deutschland ist fünfstellig.

Gestrandeter Fisch Usedom

Am 15. Juni wurden in Deutschland akut 425 Menschen wegen Covid 19 intensivmedizinisch behandelt. Davon wurden 262 beatmet. Die Sterblichkeit bei intubierten Patienten mit Covid 19 liegt bei rund 50% in Deutschland. In anderen Ländern ist sie höher. Seit Beginn der Pandemie sind 14190 in Deutschland wegen C19 auf Intensiv gewesen und 3614 davon gestorben. (Passt zu den Prozentzahlen. Wenn rund 60% der C19 Patienten auf Intensiv letztendlich intubiert werden und davon 50% es nicht überleben). Die Kapazitäten in Deutschland sind derzeit 40 000 Intensivbetten mit 30 000 Beatmungsplätzen. Für jedes leerstehende Bett dieser Art bekommt ein Krankenhaus wegen der C19 Pandemie rund 500 € pro Tag.

Die Auslastung ohne Corona-Pandemie lag bei 70% von rund 28 000 Betten. Die Auslastung wurde durch Verschiebung von OPs runtergefahren und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten hochgefahren. In Anbetracht der Zahlen liegt es nahe, dass während der Pandemie nicht mehr Menschen intensiv betreut werden mussten als davor.

Was ausdrücklich gut so ist. Und auch ganz anders hätte verlaufen können. U.a. weil Deutschland seinen Bettenleerstand in den Krankenhäusern noch nicht vollständig abgebaut hatte, haben wir ja die Pandemie so glimpflich überstanden. Vielleicht lernt man daraus und belässt es bei den 150 000 Betten, die bereits abgebaut wurden.  Das sagt zudem alles nichts über das Arbeitspensum von medizinischem Fachpersonal aus und soll auch niemanden verunglimpfen. Die Krankheit bringt in Deutschland viele Menschen arbeitstechnisch an ihr Limit, und die 425 kämpfen gerade gegen einen unbekannten Gegner um ihr Leben. Eine notwendige Diskussion über Panikmache, Verhältnismäßigkeiten, Statistiken und Maßnahmen sollte keinesfalls auf den Rücken der Kranken und des medizinischen Personals ausgetragen werden. Um sich ein objektives Bild zu machen, braucht es aber mehr, als die immer gleichen Zahlen vom RKI, die von den Medien immer wieder erbrochen werden.

Wieviele Infizierte gibt es? Wieviele Erkrankte gibt es?  Wieviele stationär Behandelte, wieviele Intensivpatienten, welchen Alters, wieviele ohne Symptome … wieviele falsche Tests … All das würde sehr helfen, nicht nur dieses Horrorszenario, sondern die Sitution insgesamt zu begreifen und vielleicht die metaphorische Kirche auch mal im Dorf zu lassen. Vielleicht können wir aus ihr auch einen Club oder ein Theater bauen  und vielleicht kann die Coronakrise dann auch dabei helfen, so manche Frage zu beantworten, die nix mit Corona zu tun hat … Sollte ein Krankenhaus wirklich Gewinn erwirtschaften müssen? Und was passiert eigentlich mit der ganzen Kohle, die ich jeden Monat einzahle, wenn es immer noch vorne und hinten nicht reicht? Darf man seiner Bevölkerung Angst machen, um sie zu retten? Und darf man die Angstmache dann auch mit Steuergeldern bezahlen?

Und wie war das gleich nochmal mit dem Presse-Kodex?

(Quellen: www.thieme.de , www.welt.de , dkgev.de , statista.com)

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 5

Ich kenne nun die Regeln, die für Essen, Shoppen, Veranstaltungen, Kinderbetreuung und Unterweisung gelten sollen… Zusammengefasst, zynischerweise, unter dem Begriff…. ich KANN es NICHT MEHR HÖREN… LOCKERUNGEN — LOCKERUNGEN, das Synonym für die Repressionen, unter denen wir die Abfuckprämien und Staatsbeteiligungen und anderen Fantastiliarden erwirtschaften sollen… Das Bewirten und Bespaßen wird nicht mehr möglich sein. Das was man noch darf, kann man so nicht mehr nennen. Und es wird damit nicht möglich sein, die Unkosten des Bespaßens und Bewirtens zu decken.

Ok, ich kann selber kochen und Musikvideos schauen und mit dem Shoppen und Veranstalten kann ich auch aufhören … ich bin alt genug, ich weiß, das ich gut bin, ich brauch keine Bestätigung … ist zwar schlecht für die Wirtschaft, aber so what … Und ich war schon immer gegen Bussies und Händeschütteln … Bei den Schule- und Kita- Regeln sind wir aber mittlerweile beim Unterweisen weit vor Fröbel und Pestalozzi, nur halt ohne Prügelstrafe, angekommen … sach mal, habt ihr sie noch alle??? Kids stundenlang isolieren, ihnen die Haut von den Händen waschen … und voneinander distanzieren? Die sollen maskiert bei euch einmarschieren, niemanden und nix anfassen, außer sich selbst – und ohne menschlichen Kontakt wieder ausmarschieren??? Ich meine, das ist Folter. Kinder brauchen andere Kinder und müssen ihre Bezugspersonen und ihresgleichen sehen und anfassen können. Und die ganz Kleinen müssen ja erst soziale Wesen werden.

Es soll mittlerweile Stätten geben, wo Frauen mit Mundschutz Kinder gebären müssen. Ihr lasst euch an Eingängen von Läden ungefragt mit irgendeinem Mist aus irgendeiner Flasche besprühen. Ihr zählt die Schritte, weil das Essen, was ihr nur noch „to go“ kaufen dürft, erst 50 Meter von der Futterluke entfernt gegessen werden darf. Ihr haltet eine Eisleckverordnung ein, die nur das Ablecken des tropfenden Eises gestattet, auch wenn man noch nicht ganz 50 Meter geschafft hat. Hallo? Habt ihr sie noch alle?

Liebe Soziopathen, don´t forget, … ihr regiert nicht euresgleichen, sondern Menschen. Der Spaß mit dem Waschzwang hat längst aufgehört. Das ist eine abartige Psychose geworden. Finde ich … Ihr könnt ja so weitermachen, aber ich glaube, dass diese Asozialisierung soziale Gefüge irreparabel beschädigt und in jeder Beziehung sehr krank macht. … ich bin da langsam raus. Ich kann das weder mir, noch meinem Sohn, noch meinen Gästen zumuten. Was soll das werden? Maskenpflicht und Kontaktverbot für alle und HomeOffice für Sternenobservatorien und GrafikDesigner? In meinem Bücherladen dürfen zukünftig fünf Leute Lesungen beiwohnen, statt 30, wenn sich überhaupt noch jemand reintraut. 

Auf der anderen Seite wollen ihr jetzt ANFANGEN, die Schlachtbetriebe zu kontrollieren. Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Gibt es einen Anlass, jetzt auch noch diese systemrelevanten Esskulturzentren in ihrer Andacht zu stören? 🙂 Ich schmeiß mich weg. Ihr habt Kinderspielplätze und Bibliotheken geschlossen und die Zwangsarbeiter in den Schweine- und Kuhmatschfabriken tatsächlich einfach so weiterwursten lassen wie bisher – und jetzt fangt ihr an, da mal nachzugucken, weil ein paar Hundert Rumänen sich angesteckt haben! Wieso denn, sind doch nur Rumänen …  Ach sooo … weil sie den Landkreisen die Statistik verhageln. Blöd.

Ach ja, Fußball geht auch wieder. Ich versteh die Kriterien nicht, nach denen da entschieden wird. Macht es doch wie damals, beim Rinderwahn. Keult die Herde, dann kann sich niemand anstecken.


P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. So oder so: Kauft bei den Erzeugern, bei den Urhebern und im Laden um die Ecke.

WIDER DIE MASSE

Erste Anthologie der Edition Subkultur erscheint am 08. Mai.

Am Tag der Befreiung, dem 08. Mai 2020, erscheint die erste Anthologie der Edition Subkultur Berlin.

Die erste Subkultur-Anthologie mit Geschichten und Gedichten über keimschleudernde Kleinkinder, die deutsche Fixierung auf den Allerwertesten, Anekdoten über Fastfood-Franchises und über (Alltags-)Apokalypsen. Wir schwelgen in Erinnerungen, entdecken die Unendlichkeit des Augenblicks oder springen jubelnd gemeinsam in den Abgrund.

Mit Beiträgen von René Sydow, Falk Fatal, Marion Alexa Müller, Daniel Marschall, Sascha Dinse, Kristjan Knall, Henrik Lode, Sarah Strehle, Jane Steinbrecher, Joost Renders, Matthias Niklas, Clint Lukas, Florian Langbein, Laura Alt, Holly Loose, Jan Lindner, HC Roth, Carsten Klatte, Christian Todoroski, Thomas Manegold und einem Cover von AKU!

ALT, MANEGOLD, MUELLER (HRSG.): „Wider die Masse. Subkultur-Anthologie“
1. Auflage, Mai 2020, Edition Subkultur Berlin
1. Print: Buch, Softcover, Softcover 180 S., print ISBN: 978-3-943412-96-3, GLP 12,50 €
2. Digital: E-Book, epub ISBN: 978-3-943412-97-0, GLP: 7,99 €

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 4

Mittwoch Mittag. Zur Stunde sitzen ein paar Wissenschaftler und ein paar Politiker irgendwo herum und versuchen, ein paar Dinge zu entscheiden, ohne sich festlegen zu müssen. Gut, klingt jetzt ein bisschen tendenziell kritisch – und ist auch so gemeint.  Ich habe wegen meiner Meinung darüber schon viele Freunde verloren… gut, es waren jetzt Facebook-Freunde. Aber das sind halt die einzigen, die man im Moment hat.

Auch kritiklos Befürwortende der „Maßnahmen“ bemerken langsam Sehnsüchte und psychische Auffälligkeiten, die Isolationen so verursachen.  Ich mach mir zudem Sorgen ob der Entwicklung der frühkindlichen Phase meines Sohnes. Das wird aber jene, die da gerade zusammensitzen und „entscheiden“, nicht tangieren, denn das sind alles Soziopath…ierende. Also nicht per se gestört, aber mindestens während der Ausübung ihrer Tätigkeit … ok, ich merk schon, an der Kunst des Relativierens muss ich noch arbeiten … also Soziopathen. (Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Anteil der psychisch gestörten unter den Politikern und Führern und Entscheidern … )

Mir ist aufgefallen, dass die größte Lüge in der Krise die Behauptung war, dass COVID 19 die Menschen gleichmachen würde, weil Grenzen, Geld und Status die Krankheit nicht aufhalten. Doch nur das letzte Hemd hat keine Taschen. Nichts hatte mir zuvor die Unterschiede zwischen den Menschen so klar vor Augen geführt, wie jetzt diese Krise. Wir rotten uns noch mehr in Meinungsblasen zusammen und diese sind immer von erstaunlich ähnlichen Menschen bewohnt. Die Systemrelevanten sind allein unter sich, die Corona-Urlauber, die Gelangweilten, die mit Kindern und die, deren Existenz massiv bedroht ist. Achja, hab ich ganz vergessen, da gibts ja noch die, die sich freiwillig wegschließen, weil sie bedroht sind. Die mit dem Risiko, schwer zu erkranken. Die können mein Geseier über meine Luxusprobleme ganz sicher nicht verstehen.
Um diese Menschen ist es erstaunlich still geworden.
Glücklich können sie jene schätzen, die zwei oder mehr Bubbles bewohnen, denn bei denen ist im Denken noch ein bisschen Perspektive, … also räumlich, nicht zeitlich.

Der hier Sinnierende ist, wie man unschwer erkennen kann, derzeit teilzeitalleinerziehend und gehört weder zu denen, die systemrelevant sind, noch zu jenen, die sich langweilen … Er ist über 50, also auf dem Weg von der Midlifecrisis hin zur sogenannten Risikogruppe.

Wir Künstler waren vor der Krise auch noch die Rebellen, die gerngesehenen Provokateure, Visionäre, Selbszerstörer, die Clowns, Mahner oder die Erstbegehenden der neuen Wege. Ok, das wurde, mit Alkohol übergossen, ein riesiges Freudenfeuer, das, als man es mit Geld löschte, eine drei Komponenten-Asche ergab: Schlager, Comedy und Kabarett. Aber immerhin. Heute dürfen die Clowns sich nur noch ein bisschen über die Verlotternden lustig machen, wenn sie vorher mit den Händen ein Dreieck über den Kopf gebildet und #Wirbleibenzuhause getanzt haben. Systemkonformität ist nach vier Wochen existenzrelevant geworden. Nicht, weil wir in einer Diktatur leben, sondern weil wir uns gegenseitig umbringen. Natürlich nur rein virtuell… solange das Internet noch geht.

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Ratschlag für die Beratungen: Macht die Läden wieder auf. Macht die Spielplätze und Parks wieder auf. Schickt die Kinder wieder in die Schulen und Kitas. Meinetwegen langsam, schrittweise in 8 Wochen, mit Abstands- und Hygieneregeln und mit Auflagen, dass beispielsweise Desinfektionsmittel ausgeschenkt werden muss, sobald es wieder welches gibt …. Aber ein Fahrplan sollte halt Abfahrtszeiten beinhalten. Nicht nur das ungefähre Jahr. Und tut halt einfach so, als wäre es vollkommen sinnvoll gewesen, alles zu schließen. Verhängt meinetwegen euer Vermummungsgebot in ÖPNV, ÖPFV und in allen Banken und Sparkassen, so als Ausgleich. Niemand würde behaupten, das wäre noch genau so bescheuert, wie es vor drei Wochen noch ganz offiziell bescheuert war – und niemand würde behaupten, eine Mischung aus Instrumentalisierung, Inkompetenz, Entscheidungsfeigheit, Aktionismus und Machterhaltungstriebtäteritis würde die Gesellschaft spalten und kaputtmachen. Was ja auch so nicht stimmt. Denn schließlich machen nicht Söder, Laschet oder der Robert Koch uns kaputt, sondern wir selbst. Auch und vor allem deshalb, weil letztendlich alle versuchen, das Richtige zu tun.

P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. So oder so: Kauft bei den Erzeugern, bei den Urhebern und im Laden um die Ecke. Es geht um Leben und Tod.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 3

„When people run in circles it’s a very very mad world“, sangen einst Tears Fears. Daran denke ich, wenn ich mit den anderen Privilegierten auf den sonst leeren Straßen meine Kreise ziehe. Mittlerweile kennt man sich. Und man grüßt sich wieder… auf der Straße… IN BERLIN(!)… Das hat schon ein bisschen was von Endzeit.

Der hier kreiselnde war vor der Krise frei, schaffend, Künstler und Workaholic. Er hat bereits mehrere Systemabstürze überlebt. Der eine war der Absturz des Sozialismus, da wechselte er nach Bayern, der andere war der von Windows 98, da wechselte er zu MacOS. Er hörte Metal auf Vinyl und Grunge auf CD und legte am Ende seiner DJ Laufbahn mit MP3-Files und Konsole auf und er hat 9/11 im Fernsehen gesehen. Da lag der Anteil der Deutschen, die das Internet täglich benutzten, noch unter 18%. Pandemien kann man nicht aufhalten. 

Privilegiert bin ich, weil ich Vater bin und überall hindarf, so lange ich mein Kind mit herumschleppe. Weil das Kind getragen werden will, ist mein Aktionsradius kleiner, als es mir mein Ausweis gestattet. Andere Privilegierte sind die Menschen mit systemrelevanten Berufen (Arschkarte, keine Ferien), also beispielsweise Lieferandos, Amazonen, SupermarktkassiererInnen, Ärzte, Drogenverkäufer, KrankenpflegerInnen… Die dürfen auch frei rumlaufen, schließlich werden deren Betriebe nicht geschlossen. Saufen daheim geht, aber Beutelwechseln oder Regaleeinräumen im Homeoffice muss erst noch erfunden werden, aber ja, das wird kommen, spätestens bei der zweiten Corona-Welle und falls wir bis dahin das Internet ausgebaut haben, sagt der Altmayer. Apropos, Talkshowgäste gelten bestimmt auch als systemrelevant. Ohne Talkshows wäre die Gesellschaft bestimmt schon blackholesunmäßig in sich zusammengefallen. Während Söder, Spahn und Laschet die Krise an der Front für den Kampf um die Vorherrschaft in Partei und Staat instrumentalisieren, drehen die Politiker und Experten in den Gesprächsrunden und Pressekonferenzen völlig frei. Die einen wollen morgen in den Stadien Corona-Partys feiern, die anderen wollen sie eigentlich für immer leerstehen lassen. Die einstigen Bewohner der Stadien schauen sich vor lauter Verzweiflung alte Spiele im Free-TV an. Die einen prophezeien uns „italienische Verhältnisse“, die anderen warnen davor, dass die Verheirateten sich umbringen werden, wenn man die Frauen nicht shoppen und die Männer nicht endlich wieder in den Puff gehen lässt. So hält uns die viele, nun mit Sicherheitsabstand inszenierte heiße Luft noch ein bisschen am Schweben, bis sie wie eine sanfte, stumme Flatulenz aus unseren Köpfen wieder entweicht. Diese Leere gilt es dann zu füllen, mit zur Not selbsterfundenen Facebook-Challenges, Schlüpfergummis an Topflappen nähen, Kochen, Essen, Vögeln, weil in 9 Monaten ist Babyboom, schreibt die BZ … Wäre locker zu schaffen, weil man ja Homeoffice macht, aber man muss das alles auch noch streamen oder instagrammen. Heute sind wir alle Influenzer.
Und wenn schließlich, weil man halt im Krieg gegen Corona nicht verhungert, sondern fett wird, die alte Magersucht-Latenz wieder durchbricht oder einem die Decke auf den Kopf fällt, weil die Kleinkinder in der Wohnung über einem durchdrehen, geht man joggen. Wer eng anliegende Kleidung trägt und rennt, darf nämlich auch auf die Straße. „Ich habe Dinge gesehen …“ sagte einst ein Android in Bladerunner (Wieso fällt mir das jetzt ein?).

Eine Sonderform der Privilegierten sind die Hundekackhaufenaufsammler. Wer von einem Hund am Strick durch die Gegend gezerrt wird und einen Plastikmüllsack in der Tasche hat, darf auch überall hin. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hunde nur unter Zwang auf Katzenstreu stoffwechseln. Außerdem sei das ist eines Hundes unwürdig und entspräche nicht seiner Natur. Hunde können wahrscheinlich nur kacken, wenn einer zuschaut und es dann hinerher in Geschenkpapier einwickelt. Deshalb treffe ich jeden Tag auf meiner Runde die große Frau mit dem schwarzen Hund. Mittlerweile reden wir ein bisschen. Wenn keiner zuschaut. Während ich, zum Leidwesen derer, die sich in ihrer Gartenlaube verschanzt haben, mit dem Kinderwagen emsig Furchen in die Gehwegplatten fuhr, wurde ich den Verdacht nicht los, verschiedene Menschen zu treffen, die aber immer denselben Hund dabei haben. Überhaupt sehen viele Hunde dehydriert und gehetzt aus. Wahrscheinlich haben die ganzen Hundebesitzer das Dosenravioli aus dem Netto gehortet und verfüttern es nun an ihre Vierbeiner, damit diese Durchfall bekommen und man sie an Menschen zum Gassigehen vermieten kann. Als ich die große Frau darauf anspreche, lächelt sie verschwörerisch. „Du kannst mit dem Schwarzen gern mal probelaufen“, sagt sie dann. „Sie kontrollieren dich nicht und  du kommst mit ihm auch bei der Straßensperre ohne Probleme durch.“
Ich nicke. Wenn der Kleine wieder in die Kita muss, um sich für den Herdenschutz anzustecken, werde ich ganz sicher drauf zurückkommen. Hauptsache, ich muss nicht joggen.

ToM

P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. Kauft bei den Erzeugern, bei den Urhebern, denn auch wenn diese Krise für die meisten sehr schlimm ist, so bleiben am Ende die Verlage auf ihren Büchern sitzen. Der Großhandel schickt sie nämlich einfach wieder zurück, wenn die Buchhandlungen zumachen.

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CORONA TAGEBUCH – Eintrag 2

„Mama?“, fragt der Kleine den Papa.
„Die Mama muss arbeiten. Die überlegt, wo wir Geld herbekommen.“
„Kita?“, fragt der Kleine den Papa.
„Nein, die Kita hat Ferien, die ist geschlossen.“ Für meinen Sohn wird wohl in der Grundschule der Begriff Ferien negativ belegt sein. Was jetzt nicht schlecht sein muss.
Dann zählt er noch die Vornamen derer auf, die er mit Vornamen kennt und die er seit über einer Woche nicht gesehen hat. Ich muss nicht antworten, weil wir gerade angekommen sind. Wir stehen vor der einzigen noch verbliebenen Wiese in unserem Distrikt, auf der wir regelkonform Ballspielen dürfen.

Der hier Schreibende wohnt am Rande von Berlin Prenzlauer Berg, einem Ort mit einer außergewöhnlich hohen Kinderdichte. Die sind eigentlich nicht das Problem. Aber es gibt hier naturgemäß auch viele Eltern und demzufolge Spannungen mit Menschen, die weder Kinder noch Eltern sind. Wie die meisten, die sich darüber lustig machten, ist auch er in den Augen der Anderen jetzt einer der Schlimmsten, also ein guter Vater. Er fragt sich immer, wenn diesbezügliches Erstaunen geäußert wird, was die Menschen denn erwartet hätten, wenn er Papa werden würde. Dass er seinem Sohn aus „Fight Club“ zitiert? Das ist doch vollkommen absurd.

Ja, ich gehe mit meinem Sohn (22 Monate) spazieren und ballspielen. Allerdings gehe ich mit ihm mittlerweile an Orte, die ich vor Kriegsb … Beginn der Maßnahmen zumindest mit ihm gemieden habe. Aber alle Spielplätze sind geschlossen. Weil ja alle, die dort Spaß hätten, auf einmal dort wären, weil sie ja alle daheim sein müssen und ihnen nix anderes übrig bliebe, als … schließlich haben sie alle Zeit, so wie ich, seitdem der Buchhandel komplett zusammengebrochen ist und Lesungen nur noch live from the Homeoffice möglich sind.
Das hatte also die Band „Wir sind Helden“ damals gemeint, als sie sang: „Dies ist das  Land der begrenzten Unmöglichkeiten“. Da soll mal einer sagen, dass deutsche Popmusik nicht visionär war – früher.
Jetzt teilen wir uns halt die eine Wiese mit all den anderen Eltern, deren Kindern, den Junkies, den Partypeople, den Hunden und denen, die sie besitzen. Mein Sohn buddelt im Dreck, weil er Sand und Staub noch nicht unterscheiden kann, er tritt beim Ballspielen in Hundekacka, er balanciert über bierverklebte Mauern und sammelt Kippenstummel und Kronkorken auf, wenn man mal nicht hinschaut. Aber das ist ein Risiko, dass ich eingehen muss, weil ich eben so sozialisiert bin. Mir wurde beigebracht, dass nichts befreiender und gesünder und kinderfreundlicher ist, als das Spielen an der frischen Luft. Und unser Sohn dreht sowieso nach einem Tag allein mit mir in der Wohnung vollkommen durch. Was ich und auch eine Reihe anderer Menschen, die das hier lesen, gut nachvollziehen können.
Aber alle Kinder, die in Wohnungen hocken, werden fibbelig und seuchenanfällig, Kinder die draußen spielen haben ein gutes Immunsystem und rote Bäckchen. Und in Zeiten wie diesen ist es für Groß und Klein eine sehr gute Idee, wenn man gesund bleibt.

Seit die Spielgeräte mit rotweißem, raschelndem Absperrband geschmückt sind, interessiert der Kleine sich sehr für sie. Das wäre auch nicht schlimm, wenn nicht andauernd jemand aus dem Off brüllen würde, dass ich meinen Balg da wegtun soll, sonst würde man „die Bullen“ rufen.
Und so muss ich mich in die Flugbahnen von Frisbeescheiben und Styroporflugzeugen werfen, aufpassen, dass mein Sohn nicht in die Scherben aus besseren Tagen fällt oder von einem Siebenjährigen mit dem Roller überfahren wird. Und immer dann, wenn er verträumt und neidisch auf eines dieser Spielzeuge schaut, die geiler sind, als sein Ball, dann sage ich ihm: „Mein Sohn, alles was Du besitzt, besitzt irgendwann dich.“

Er schaut skeptisch. Dann lacht er, gebietet mir, ihn auf den Arm zu nehmen und wir reiten gemeinsam in den Sonnenuntergang. In der Ferne heult ein Zug, es könnten aber auch schon die Wölfe aus MacPomm sein. Daheim werden wir die Mama vor ihrem Rechner sitzend vorfinden. Lächelnd, aber besorgt. Und eines Tages wird der nicht mehr ganz so Kleene dann sagen: „Mach dir keen Kopp, erst wenn wa alles verloren haben, ham wa och die Freiheit, alles zu tun.“

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P.S.: Wer diesen kleinen Rebellen mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an seinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um.  Bücher sind ein Lebensmittel. 🙂

Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

CORONA TAGEBUCH – Eintrag 1

Die Welt steht nicht mehr Kopf. Sie steht mit beiden Beinen wieder auf dem Grund. Schüttelt sich. Dafür schießt uns nun kollektiv das Blut in die Schädel. Pulsiert, macht Kopfweh. Und wir können plötzlich nicht einmal mehr selbst entscheiden, ob Ibuprofen oder Paracetamol. Uns ereilt eine Erkenntnis: Wir lagen falsch. Die ganze Zeit. Und weil wir, also „die Menschen“ im weitesten Sinne, alle falsch lagen, haben wir es nicht bemerkt.
Dabei ist nichts passiert. Wegen einer menschgemachten ansteckenden Krankheit, nämlich der Gier, und wegen eines Glaubens, nämlich, dass die Wirtschaft wuchern muss, hatte man die Bedrohung einer anderen menschgemachten ansteckenden Krankheit unterschätzt – und zu spät reagiert. So musste man nach Wochen der Beschwichtigung plötzlich die Reißleine ziehen, den Menschen die Wahrheit sagen und sie dann ein bisschen einsperren, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken und krank werden und dann merken, dass ihr einerseits teures und andererseits kaputtgespartes Gesundheitssystem doch nicht so gut vorbereitet ist …
Menschen flogen aus ihrem Hamsterrad, Kinder aus den Aufbewahrungsanstalten, die Flieger wurden vom Himmel geholt und die Uhren angehalten.

Der sich hier windet im Anblick des verordneten Dort-Draußens ist einer der vielen freidrehenden Kreativen Berlins. Er heißt ToM, ist Papa eines knapp 2 Jahre alten Sohnes und hatte sich mit Haut, den restlich verbliebenen Haaren und der nicht vorhandenen Seele einem Verlag und einer Community namens Periplaneta verschrieben. Im dreizehnten Jahr dieser beispiellosen Selbstausbeuter-Erfolgsgeschichte schlug er dann ein, der Komet, den keiner kommen sah und der die inzwischen in die Jahre gekommene Branche der Geschichtenerzähler und -aufschreiber sauriergleich vom Erdboden der kapitalistischen Weltordnung tilgte. Und während nun die Kulturbranche (was für ein herrliches Oxymoron) im Internet final vor sich hinglimmt, dachte er sich, dass es vielleicht an der Zeit sei, mit dem Aufhören aufzuhören. Er ist sich der traurigen Tatsache bewusst, dass er nicht selbst entschieden hat, wieder mit dem Eigentlichen anzufangen, nämlich selbst zu Schaffen, anstatt es den Anderen zu ermöglichen. Nein, man hat ihm sein Tun per Dekret verunmöglicht. Zwar steht die ganze Gesellschaft still, doch nichts stirbt schneller an der verordneten Asozialisierung, als die sozialisierenden Berufe. Die Einen an Überlastung, die Anderen am Totalausfall. Zu Letzteren zählt sein Arbeitsfeld, die brotlose Kunst.

Nach der ersten Woche dämmert es den einstigen Göttern, dass da zuvor etwas komplett aus dem Ruder lief. Missversteh mich nicht, ich zweifle keineswegs daran, dass wir früher oder später wieder genau da weitermachen werden wollen, wo wir aufgehört haben. Aber bis es soweit ist, haben wir wieder ein Interim. Klar, wir werden auch dieses wieder Vergeigen, so wie wir das nach den Weltkriegen und das nach dem Mauerfall vergeigt haben. Aber bis dahin ist erst einmal alles anders. Ein Virus schafft etwas, woran alle Bewegungen zwischen 68er und Fridays 4 Future gescheitert sind: Es zwingt uns, aufzuhören.

Bis vor einer Woche war uns nicht klar, dass man Social Distancing verordnen kann. Oder dass es da überhaupt noch was zu verordnen gäbe. Das soziale Miteinander war davor schon freiwillig beschränkt aufs Konsumieren, Zeittotschlagen und dem Sich-gegenseitig-übers-Ohr-hauen. Zumindest hatten wir alle den Eindruck. Seitdem aber unsere Lebensinhalte eingeschränkt und alles andere verboten ist, merken wir, dass wir gar nicht die Arschlöcher sind, die wir immer zu sein vorgegeben haben. Am Anfang haben uns die Reglementierungen beim Konsumieren, Zeittotschlagen und dem Sich-gegenseitig-übers-Ohr-hauen hart getroffen, ja zuweilen Angst und Panik ausgelöst. Jetzt aber, da der Schmerz nachlässt, hebt ein Erinnern unsere Schädeldecken an wie ein goldener Schuss.
Und versteh mich nicht falsch, mir ist bewusst, dass das Ausknipsen unserer schlechten Angewohnheiten nur ein Aspekt dieser Krise ist. Immerhin geht es in meinem Leben jetzt wahrscheinlich nur um meine wirtschaftliche Existenz. Bei anderen geht es um das Leben an sich. Ich kenne erstaunlich viele Menschen, die nicht über 70 – und deren Leben von diesem Virus bedroht sind. Die Angst haben müssen. Dass ich sie kenne, ist mir aber auch erst jetzt bewusst geworden. Was zum Geier haben die mit uns gemacht? Die da oben. Was ist aus uns geworden? (Wichtig: Zwinkersmiley)

Oder ist es nicht einfach an der Zeit, sich zu fragen: Warum habe ich mir das angetan? Gegen die kollektive Antwort auf diese Frage wäre der Crash der Börsen und der Tod von ein paar Branchen ganz sicher ein Kindergeburtstag. Also, ihr Menschen, Füße auf die Erde und die Köpfe hoch. Und guckt doch mal in den erstaunlich blauen Himmel.

ToM

P.S.: Wer meinen Zynismus mag, kann gern meine Bücher kaufen und so an meinem Überleben teilhaftig werden. Wenn nicht, dann schaut euch im Gesamt-Katalog meines Verlags um. Und bitte: Kauft bei den Guten 🙂

Wegen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie…

… sind alle meine Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt worden.

(TRESENLESEN im Periplaneta Literaturcafé, LESEBÜHNE VISION UND WAHN, LESEBÜHNE „Ohne Wenn und Laber“ (Z-Bar Berlin), MUNDWERK SPOKEN WORD GALA (Lovelite Berlin, Zimmer 16) …

Auch alle Veranstaltungen als DJ oder Vorleser außerhalb Berlins finden vorerst nicht statt. Das neue Buch musste auf Ende 2021 verschoben werden.

Bleibt gesund, bleibt zu Hause, lest meinen Blog und freut euch auf den Podcast, der in Arbeit ist. Wir sehen uns wieder…

 

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Frühlingsbücher bei Periplaneta.

Wir waren fleißig. Sieben Werke haben wir seit dem Jahreswechsel vollbracht. Pünktlich zum Frühlingsanfang sind die neuen Periplaneta-Bücher fertig. Und wir auch.

Denn die Buchmesse in Leipzig findet dieses Jahr wegen der neuen Seuche nicht statt. Das ist sehr schade. Wir haben viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt. Und sagen wir mal so: Die Art, wie sie abgesagt wurde, hat bei allen die Schäden maximiert. Wir hätten wieder ordentlich was geboten: Coole Bücher, Bier am Mittag, TresenLesen am großen Verlagsstand und Lesungen auf der Bühne der Jungen Verlage … Insgesamt wären über 20 KünstlerInnen und MitarbeiterInnen damit beschäftigt gewesen. Diese haben nun das Wochenende Pause, denn auch an den digitalen Übersprungshandlungen beteiligen wir uns nicht.

Vielmehr überlegen wir uns nun mittel- bis längerfristig funktionierende geeignete Konzepte für uns, denn wir wissen mittlerweile, dass uns die Corona-Krise hart treffen wird. Weil wir nämlich ein Live-Verlag sind. Und weil wir das auch bleiben wollen, werden wir in unserem Literaturcafé zu Berlin auch ganz normal weitermachen. Klar mit der gebotenen Vorsicht. Aber unser TresenLesen wird hier, so das Virus und die Besucher es wollen, auch weiterhin stattfinden.

Letztendlich sind Messeauftritte, Lesungen und diverse Internet-Aktivitäten von Verlagen Maßnahmen, die alle ein und dasselbe Ziel haben. Nämlich Bücher zu verkaufen. Und das ist auch das Einzige, was die Kulturbetriebe retten wird. Sie müssen anderweitig Verkäufe generieren, wenn es durch öffentliche Auftritte eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist. Auf dass also nicht das Fernsehen, sondern das Buch in diesen Zeiten eine Renaissance erfahren wird 🙂

Hier also die sensationellen Neuheiten, die Leipzig nun verpasst. Kann man alle jetzt kaufen:


EBERHARD KLEINSCHMIDT: „Der wandernde Dichter“

Cover "Der wandernde Dichter" (Strichzeichnung Autorenporträt)

Eberhard Kleinschmidt ist Slam Poet, ein wandernder Dichter, der sich auf Bühnen einem Publikum und einem Wettbewerb mit anderen Dichtern stellt. Er selbst sieht sich in der Tradition der fahrenden Sänger, die einst von Burg zu Burg zogen und ihre Botschaften und Geschichten unters Volk brachten. Eberhard Kleinschmidt hat viel zu erzählen, denn er ist inzwischen achtzig Jahre alt. Damit ist er wahrscheinlich der älteste aktive Slammer Deutschlands, was allerdings auf einem Poetry Slam bemerkenswert egal ist.

  • Edition MundWerk, ca. 140 S.
  • print ISBN: 978-3-95996-170-7
  • epub ISBN: 978-3-95996-171-4
  • Softcover, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

SILVIA KLEIN: „Nachts sind alle Gedanken grau“.

Cover "Nachts sind alle Gedanken grau" (Zeichnerpuppe in einem Bett)

Callie zieht für ihr Studium nach Amsterdam. Sie will dort ein neues Leben beginnen. Doch zwischen Unistress, Nebenjob und neuen Freundschaften muss sie feststellen, dass es nicht so einfach ist, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen – seien es andere Personen oder die eigenen Prägungen und Abgründe. Ein dramatische Geschichte über Vergangenheitsbewältigung, Depression und über die Liebe. Ein Beziehungs- und Selbstfindungsroman.

  • Edition Periplaneta, ca. 234 Seiten
  • print ISBN: 978-3-95996-164-6
  • epub ISBN: 978-3-95996-165-3
  • Großformatige, hochwertige Klappenbroschur, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

JOOST RENDERS: „Hop On Hop Off“ Eine Stadt, viele Katastrophen.

Cover "Hop On, Hop Off" -periplanetaAufstrebende Rechtsanwältinnen treffen auf ausgemergelte Berliner Junkie-Omas. Dicke Touristen aus der Provinz begegnen geflüchteten Neu-Berlinern. Aufmüpfige Feministinnen arbeiten im Dirndl-Kleid in bayerischen Biergärten und gescheiterte Schauspieler landen im Knast. Gnadenlos beschreibt Joost Renders in seinem Episodenroman das Chaos der Hauptstadt und karikiert ihre Insassen mit viel Insiderwissen und schwarzem Humor. Ein Berlin-Buch, was selbst im Meer der Berlin-Bücher einzigartig ist.

  • Edition Subkultur, ca. 396 S.
  • print ISBN: 978-3-943412-87-1
  • epub ISBN: 978-3-943412-88-8
  • Softcover, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

KRISTJAN KNALL: „Heldenhass – Das Böse siegt immer und das ist auch gut so“

Cover "Heldenhass", Kristjan Knall als Jesus StatueKristjan Knall ist berüchtigt für seine kritischen Bücher mit Fußnoten. Dieses Mal lässt der Mann mit der Fellmütze seinen Hass nicht an lebenden Berlinern, sondern an den (meistens toten) Helden unserer Gesellschaft aus. Ob Gandhi, Martin Luther, Mutter Teresa oder Henry Ford. Knall deckt auf, wie viel Dreck die Gefeierten und Glorifizierten am Stecken hatten.
Als Bonus erzählt Kristjan Knall dann noch von diversen Anti-Helden unserer Gesellschaft, also den „Bösen“. Auch dabei macht er es sich nicht einfach, denn: „Man kann nicht die ganze Zeit das pure Böse verkörpern. Ab und zu will man ein Eis essen, mit den Kindern spielen, kacken. Selbst die Bösesten sind Menschen wie wir.“

Lach- und Sachgeschichten über das allgegenwärtige Grauen, die Ambivalenz von Gut und Böse und das Absolute im Wahnsinn und der kollektiven Dummheit.

  • Edition Subkultur
  • print ISBN: 978-3-943412-89-5
  • epub ISBN: 978-3-943412-90-1o
  • Softcover, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

HEIDI LEHMANN: „Bienenjunge“

Cover "Bienenjunge" (Kolibri)Cosmas ist Autist. Sein Vater Kai versucht, ihm ein erfülltes Leben zu ermöglichen, während Cosmas’ Mutter Jorinde die Behinderung ihres Sohnes nicht wahrhaben will. So hat Kai das Gefühl, dass er sich allein den Problemen stellen muss, die zwar alle Eltern haben, die aber durch die Eigenheiten seines Sohnes verstärkt werden. Nur bei der Künstlerin Lilith findet er Rückhalt. Doch als Cosmas eingeschult werden soll, eskalieren die familiären und gesellschaftlichen Konflikte. Eine Geschichte über Familie, Liebe, Inklusion und über den Kampf für ein gutes Leben.

  • print ISBN: 978-3-95996-174-5
  • epub ISBN: 978-3-95996-175-2
  • Großformatige, hochwertige Klappenbroschur, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

KLAUS UNGERER: Ist Frühling. Muss schön sein.

Ist Frühling. Muss schön sein. CoverMiniaturen aus zwei Jahrtausenden. Kolumnen, Kurzgeschichten und groteske Kurzmeldungen. „Ist Frühling. Muss schön sein.“ erzählt vom Leben und vom Staunen auf einer immer heißer werdenden Erdkugel und zaubert Betroffenen wie Unbeteiligten trotz allem real existierenden Quatsch ein sonniges Lächeln ins Gesicht.

  • Edition MundWerk, ca. 154 S.
  • print ISBN: 978-3-95996-179-0
  • epub ISBN: 978-3-95996-180-6
  • Hochwertige Klappenbroschur, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

BARBARA FISCHER: „Freyja“ Baumweltensaga II

Barbara Fischer "Freyja" Das zweite Baumweltensaga-Buch.Mit „Freyja“ geht der Kampf gegen die drohende Zerstörung in die nächste Runde. Ein sagenhaftes Epos voller Magie, unvorhersehbarer Wendungen, Fabelwesen aus aller Welt, voller göttlichem Humor und nerviger Zwerge. Das Cover wurde einmal mehr von Holger Much gestaltet. Wie schon die erste Baumweltensaga „Lilith“, so kommt auch „Freyja“ als limitierte, hochwertige Klappenbroschur inklusive E-Book inside.

  • Edition Drachenfliege, ca. 258 S.
  • print ISBN: 978-3-95996-149-3
  • epub ISBN: 978-3-95996-150-9
  • Hochwertige Klappenbroschur, Azw3, Mobi und Epub
  • Bei Periplaneta

Bücher, die anders sind (auch als E-Book oder Kindle) gibt es bei: www.periplaneta.com

Soundtrack Of My Life (021 Red Hot Cili Peppers „Otherside“)

Ich schütte mein Leben in einen Papierbecher
Der Aschenbecher ist voll

und ich kotz mir die Seele aus dem Leib
Sie will wissen, ob ich mich immer noch verkaufe.
Ich muß hinüber auf die andere Seite.
Wie lange wird es noch dauern.
Wie lange werde ich noch getrennt sein.
Bitte glaube nicht, glaube nicht, dass es schlecht ist.

NEU: Jeden Freitag TresenLesen

Texte, Drinks & Rock´n´Roll

Am Freitag, den 24.1. 2020 beginnt etwas Neues: Das Periplaneta TresenLesen. Konzept: Die Bar ist die Bühne. Bei mir an der Periplaneta Bar sitzen drei KünstlerInnen. Es wird gelesen und geredet. Und getrunken. Mit von der Party sind gestandene Autorinnen und Autoren und die berühmten „Mitglieder zahlreicher Gruppierungen des organisierten Vorlesens“, die jeder eigene Texte vorlesen werden. Ab und zu wird sich auch mal ein Musikus oder eine Musikcousine in unser LineUp verirren. Und das Beste ist: Der Wahnsinn ist ab sofort wöchentlich.

Freitag, d. 24.1.20: Premiere
Clint Lukas, Meikel Neid, Jane Steinbrecher

Freitag, d. 31.1.20:
Johannes Krätschell (Leseduell), Annette Flemig (Tempel Slam), Bastian Mayerhofer

Freitag, d. 7.2.20:
Volker Surmann (Brauseboys), Michael Bittner (Zentralkomitee Deluxe), Johannes Kubin

Freitag, d. 14.2. 20: Valentinstag
Mareike Barmeyer (Rakete 2000), Heiko Werning (Brauseboys), Roman Shamov

Freitag, d. 21.2.20: Subkultur Special
Joost Renders (hop on hop off buchpremiere), Christian Schmitz, Kristjan Knall

Freitag, d. 28.2.20:
Ulrike Helms, Klaus Ungerer, Eva Wunderbar

Freitag, d. 6.3.20:
Thilo Bock (Brauseboys), Marien Loha, Mädchen aus Berlin

Freitag, d.13.3.20: (Periplaneta geschlossen)
TRESENLESEN AUF DER BUCHMESSE IN LEIPZIG

Freitag, d. 20.3.20 Subkultur Special
Falk Fatal (Polytox, Front), Joost Renders , HC Roth

Freitag, d. 27.3.20
Aidin Halimi (Couchpoetos), Christian Bartel (Ferkel im Wind), Mathias Wildenbruch

Freitag, d. 3.4.20
Paul Weigl, Roman Israel (Reformbühne Heim & Welt), Mädchen aus Berlin

Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20.00 Uhr
Vorverkauf 6,- €, Abendkasse 8,- €

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