Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

We are the good guys

Synchronicity PT. 2

Frankfurt am Main 2021. Buchmesse. Die erste seit der Pandemie. Dass sie mit Publikum ist, muss man extra erwähnen. Sieht man nicht. Wenn ich einen Verlag hätte, wäre der nicht dabei, weil mir ein paar Tausend Euro für eine Butze in einer leeren Halle einfach zu teuer wären.

Jetzt boykottieren einige als Vorlesende angekündigte Autorinnen und Autoren medienwirksam die mehrere Quadratkilometer große Messe, weil ein paar Verlage daran teilnehmen, die sie dem neurechten Spektrum zuordnen. Manche rufen gar zum Boykott der ganzen Messe auf. Obskure Kleinverlage erstehen aus der Versenkung auf und behaupten jetzt, dass sie die Messe aus Überzeugung boykottiert haben. Und da wird auch mal Karl Popper bemüht und die Theorie vom Ende der Toleranz, weil die Nicht-Toleranten die Toleranten wegbeißen werden. Das ist keine Philosophie. Das ist eine langweilige Selbstverständlichkeit, wie „Wasser ist nass.“ Ebenso so, wie der Umstand, dass die Beißenden in diesem Bild am Ende die Intoleranten sind. Wer zuerst beißt, hat halt gewonnen.

Ich hab keine Ahnung, um wen es geht, Rubikon? Neuschwanstein-Verlag? Oder den mit der Frakturschrift, Frankfurter Allgemeine? I don´t know. Inzwischen ist diese Kiste mit dem Camouflage und dem Hakenkreuz drauf riesig. Viele, die da drinnen sind, wissen es noch gar nicht. Aber, hallo: Grundgesetz? Die Meinungsfreiheit? Worüber reden wir hier? Über Betriebe, die Dinge publizieren von Menschen, die WAS denken oder WO teilgenommen haben oder in WELCHER Organisation sind? Wo soll das enden? Wer soll denn entscheiden, was darf und was nicht?

Toleranz ist, Dinge zu erdulden, die man Scheiße findet. Und was haben wir nicht alles schon für gequirlte Scheiße in Buchform erdulden müssen? „EIN KOHL, EIN TEIG, EIN RÜHRER“, diese Kochbuchschwämme. Oder die Ghostwriterbiografien von Bohlen, Steinmeier, Bärbock, Bushido, Justin TinderGate oder HC Roth? (Scherz, letzterer hat seine Bio selbst geschrieben.)

Religiöse Kinderbücher, Männer sind Schweine, Heim und Herd und Hingabe, Aufreißen für Zurückgebliebene (Sachbücher für Männer aus dem Osten), Der verklemmte, vegane Vampir, Huckleberry Fin (jetzt mit unversichert Beschäftigten People of Color mit Migrationshintergrund), Dinosaueriersexbücher, Wünsche ans Universum, Lebe Deinen Traum, Kalendersprüche aus Tibet, Dalai Lama, Al Paka Zucht auf dem Balkon, Urbane Bienen, Die wandernden Sexarbeiterinnen aus dem Mittelalter oder Wer sieben Nullen auf dem Konto hat, darf Frauen verprügeln. Und alle, die einigermaßen hüpfen konnten, sind auf diese Trends aufgesprungen. Das meiste davon haben sie der Mehrheit der des Lesens noch Mächtigen, also den Frauen, auch noch als Feminismus verkauft. Ich hatte regelmäßig Feuchtgebiete um die Augen.

Keiner beschwert sich über die hochsubventionierten Verlage, welche die immergleichen demokratie- und lebensverachtenden Schund-Bücher in der aberhundertsten Auflage feilbieten wie Bibel, Koran und Der kleine Prinz! (Monarchie- und Suizidverherrlichung … sorry, aber mit dieser Provokation ist es kein Whataboutism…)

Whatever.

So lange jemand nicht gegen geltendes Recht verstößt, kann und sollte man ihn nicht ausschließen. Von was auch immer. Natürlich hat die Messe ein Hausrecht. Das könnte sie anwenden. Die Grenze zur Zensur ist da aber fließend. Besonders bei Veranstaltungen dieser Größe.
Wenn ich als öffentlicher Veranstalter eine Zutrittsverweigerung falsch begründe, bekomme ich deshalb auch mit dem Gesetz Probleme. Herkunft, Aussehen, Geschlecht darf ich nicht angeben. Was ich als Hausrecht-Ausüber Scheiße finde, denn mir kann eine Gang japanischer Jugendlicher drei Mal die Einrichtung demolieren. Ich darf auch dann laut Gesetz niemanden draußen lassen, nur weil er Japaner ist oder asiatisch aussieht … Also erfindet man einen Dresscode. (Deswegen haben wir jetzt diese ganzen japanischen Jungs in Strapse und Tütüt.) Wenn die Frankfurter Buchmesse das machen würde, gäbe es da auch eine Cosplay-Halle, aber dann halt mit Menschen in Uniform.

Anyway.

Wir haben Gesetze, insbesondere ein Grundgesetz. Da steht auch drinnen, dass eine Zensur nicht stattfindet. Aber eben auch, dass niemand wegen seiner Glauberitis, Meinung, Gesundheit, Krankheit, Herkunft, seines Aussehens, Geschlechts, seiner sexueller Orientierung, seines Kontostands, wegen seiner Essgewohnheiten, Laster, PKWs, etc. pp. diskriminiert werden darf, er, sie oder es tun und lassen kann, was er, sie oder es will, es sei denn, es verstößt gegen der, die oder das Grundgesetz. Verstößt jemand gegen geltendes Recht, kannst Du ihn bestrafen und Dinge verbieten. Das ist klar geregelt.
In unserem Land darfst Du den Holocaust nicht leugnen, keinen Antisemitismus verbreiten, es sei denn aus religiösen Motiven. (Also die Katholen und die Muslime dürfen schon, aber nur ein bisschen…, die dürfen aber auch behaupten, dass sie die einzig wahre Herrenreligion sind, wobei Herrenreligion ja stimmt, nur eben in einem anderen Sinn.) Aber Du darfst nicht zu Gewalt aufrufen und auch nicht das Grundgesetz und/oder den Staat und/oder seine Grundordnung in Frage stellen. Klar ist aber auch, dass Du Bücher schreiben darfst, auch wenn Du ein reaktionäres, chauvinistisches Arschloch bist, dass böse Protagonisten nicht gendern dürfen und fluchen müssen und dass Du mehr darfst als Künstler, denn als Politiker. Ich darf mich auf eine Bühne stellen und mit ausgestrecktem Arm „Satire macht frei“ brüllen. Danach bricht zwar mein Netzwerk zusammen, keiner kauft mehr meine Bücher, oder halt nur noch die Rechten… Aber ich darf das. Und ich darf dafür nicht belangt werden.
Du kannst Dich als Politiker aber nicht in den Bundestag stellen, zum Sturm aufs Kanzleramt aufrufen und Dich auf die Satirefreiheit berufen, außer Du heißt Donald Trump.

Geht es dabei um seinen Arsch, dann reagiert der Staat auch sehr empfindlich. Und Du darfst ruhig auch ein bisschen sauer sein, wenn der Staat nicht genauso empfindlich reagiert, wenn es um Deinen Arsch geht. Wenn Du aber jede Sanktion oder jeden Aufruf zu Sanktionen geil findest, solange Du nicht ausgeschlossen wirst, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch Du zum Opfer wirst. Was kommt nach der Separation von Rechts und Links? Veganer vs. Fleischfresser, Autofahrer vs. Öffibenutzer … Geimpft vs. … ok, das haben wir schon, … oder halt „Menschen, die vielleicht andere ausgrenzen wollen, kommen hier nicht rein.“ Wenn ich da konsequent bin, bleibt die Halle leer.

Wir haben da feste Grenzen. Die gelten für alle. Werden die überschritten … Verbot, Verfassungsschutz, Knast und Folter und Pranger … außer es verstößt gegen das Grundgesetz. Das gilt nämlich bei uns sogar für Verbrecherinnen und Verbrecher. (Verbrechende fand ich jetzt widersprüchlich,)

Mir geht diese mehrstöckige Moral unserer sogenannten Gesellschaft mittlerweile extrem auf den Geist. Diese Selbstgerechtigkeit, dieses ständige Rumgeheule, das sogenannte Framing, das immer nur dann Framing ist, wenn es die Anderen machen, diese permanente Erregtheit, wenn jemand vom anderen Ende des Teiches mal angeschwommen kommt. Mittlerweile werde ich ja schon beschimpft, wenn ich Menschen kenne, die Menschen kennen, die eine andere Meinung haben, als die Beschimpfenden.

Cancel Culture ist Aufruf zur Zensur. In diesem Fall sogar ein Aufruf von unten. Es gibt ja Menschen, die behaupten, Zensur ginge nur vom Staat aus und das, was Google und Facebook gerade mit unseren Nippeln und Pandemiemaßnahmenkritisierern machen, wäre keine. Dann nennt es halt Verleumdung oder Beschneidung. Das macht es auch nicht besser. Und es endet, mit oder ohne Popper, in einem Desaster. Denn jeder gehört zu mindestens einer Minderheit, und die muss nicht zwangsläufig eklig und weiß sein. Wenn Konsens und Sympathie die Voraussetzung für Duldung ist, endet das in einem Krieg. Wenn Empörung alles ist, was Du gegen andere Sichtweisen aufbringen kannst, wirst Du ihn verlieren.

Also, wenn ich einen Verlag hätte, würde ich den Kollegas für die Super-Begründung danken und jetzt auch einfach sagen, dass wir die FBM 21 boykottiert haben und dann suhlen wir uns ein bisschen mit in diesem lauwarmen Gefühl, zu den Guten zu gehören.

Meine Bücher gibt es hier.

www.manegold.de

Herr Gottschalk und die Lizenz zum Zurückblicken

Christian Gottschalks Neuauflage von „Vereinigung der Freunde des Münzfernglases“

Eigentlich darf das niemand: Von früher erzählen. Auch wenn Christian Gottschalk erst der zweiten Generation angehört, die dann nicht von Krieg erzählt, ist das eigentlich immer peinlich. Aber unser damals ältester Mundwerk-Jungautor darf das immer noch: Über die 80er schreiben und seine Kindheit und Jugend Revue passieren lassen. Denn er wird dabei weder weinerlich noch übertrieben nostalgisch und …  er vermeidet es, dabei über Gegenwärtigkeiten herzuziehen.

Nach 7 Jahren gibt es das Buch nun als Version mit moderner Digital-Audio-Funktion. Das Album zum Buch kann man nun mittels QR-Code strömen und herunterladen, auch wenn wir über eine Auflage mit Magnetbandkassette kurz nachgedacht hatten …

Wir sind Helden …

SYNCHRONICITY PT.1

Dieses Bild habe ich gemacht. Es ist ein Urlaubsbild. Ich war mit meinem Sohn und der anderen Liebe meines Lebens für sechs Tage in der Uckermark. Seit vielen Jahren war das unsere erste Auszeit. Vater, Mutter, Kind.

Wir leben autark, outside the Box, wie man so sagt, inside of Hamsterrad, wie es sich anfühlt, wir machen was mit Medien. Wir sind Unternehmer. Wir gehören zum Mittelstand. Also zu jenem Mittelstand, der finanziell besser dran wäre, wenn er Hartz 4 bekäme und nebenbei ein bisschen schwarz arbeiten würde … (also arbeiten ohne gültigen Fahrschein, wie das heute heißen muss …) und der das auch machen würde, wenn man ihn in der Kindheit nicht verhauen hätte. Aber wir haben eine Vision …

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OHNE WENN UND LABER (Episode 3)

Donnerstag, 16.09.21 ab 20 Uhr in der Z-Bar in Berlin Mitte

Die Lesebühne „Ohne Wenn und Laber“ ersteht wieder auf. Ab September 2021 in neuer Besetzung. Mit von der Party ist nun, neben dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied ToM Manegold, der ehemalige Surfpoet, Skandälchenkolumnist und Autor Clint Lukas. Der bringt seinen neuen Roman „Asche ist furchtlos“ mit. Ab und zu laden wir uns noch einen Gast ein, aber wir haben uns gedacht, je kleiner die Crew, desto mehr passen rein. Wir werden lesen und lüften. Und vielleicht singt jemand. Zum Auftakt begrüßen wir als *Gast Mauerparkpoet Dan K. Sigurd. Es gelten die aktuellen Pandemie-Regeln (HAGAGALG), deswegen machen wir auch 2 Pausen. Der Eintritt kostet 5 EUR.

Der Periplaneta Sommer 2021

Wir machen was wir können und (noch) dürfen: BÜCHER

Im Periplaneta Verlag konzentrieren wir uns gerade auf unser Kerngeschäft. Wir machen Bücher. Lesungen und Kneipe ging ja nicht. In den Sommermonaten gab es daher viel Neues zu bewundern, Pandemiebedingt haben wir das zwar meistens alleine gemacht, aber wir müssen ehrlicherweise sagen, dass wir uns stellenweise sehr beeindruckend fanden 🙂 Hier sind unsere Neuheiten aus diesem Sommer:

Weiterlesen „Der Periplaneta Sommer 2021“

Vision und Wahn on Tour

Am 11.09.2021 im Haus der Sinne.

Zwar mit ein paar Besonderheiten und pandemiebedingter limitanter Teilnehmerzahl. Aber: Wir sind wieder da. Am 11.09.21 ist die Lesebühne “Vision und Wahn” zu Gast im Haus der Sinne on the other Side of S-Bahn-Graben. Da passen mehr Leute rein, als in unser Café. Mit von dieser unglaublichen Party sind Conferencier und Vorleser Thomas Manegold, Brauseboy Robert Rescue und Chefin Marion Alexa Müller und Stammgast Heiko Heller. Für die Musike sorgt die preußisch-bayarische Singer-, Songwriter und HipHop-Legende Thomas Franz. Wir bringen auch ein paar Bücher mit. Zum Angucken und Kaufen.

Achtung, es gelten die Pandemie-Verordnungen für Gastronomie und Versammlungen: Die Ticket-Anzahl ist limitiert. Nutzt den Vorverkauf im Shop. Zahlt mit Paypal. Wir machen kürzere Sets und zwei Pausen. Ihr könnt euch mit Isopropanol einsprühen und kontaktlos zahlen, wenn ihr wollt. (Bargeld geht aber auch.) Es gelten die aktuellen Pandemieauflagen und die sog. 3G-Regeln.

TICKETS

Haus der Sinne
Ystader Straße 10
10437 Berlin

Die periplanetanische Lesebühne Vision und Wahn existiert seit nunmehr über 15 Jahren. Wir lesen kurze Texte über uns, Berlin, Gott, die Welt und manchmal auch aus unseren Büchern. Feste Mitglieder sind Marion Alexa Müller, Thomas Manegold und Robert Rescue. Die Lesebühne fand vor der Pandemie jeden ersten Samstag des Monats statt.

Periplaneta-TresenLesen TV Folge 1 out now

Periplaneta hat eine eigene Fernsehshow. Aufgenommen im Periplaneta Literaturcafé zu Berlin. Moderiert von Thomas Manegold. Hier lesen, reden und singen Periplanetanerinnen und Periplanetaner sowie andere Künstlerinnen und Künstler. In Folge 1 mit von der Party: Clint Lukas, André Ziegenmeyer, Jürgen Pönn, Christian Schmitz, Robert Rescue und Josias Ender.

UNTERSTÜTZT UNS UND DIESE SERIE UNTER https://www.patreon.com/periplaneta.

Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Ein Herz für Annalena

„Baerbock will Bundeskanzlerin werden, es mit den Putins, Bidens und Erdogans dieser Welt aufnehmen, hat aber noch nie irgendetwas regiert – kein Bundesland, kein Ministerium, kein Landratsamt, nicht einmal ein Dorf-Rathaus, und sei es in ihrem Heimatort Patenssen bei Hannover. Ihr fehlt jedwede Regierungserfahrung, doch sie greift nach dem mächtigsten Regierungsamt im Staat.“ (schreibt N-TV)

Vorab: Ich mag weder die Grünen, noch ihr Programm.

Aber die Pressereaktionen, für die dieses Zitat exemplarisch stehen soll, sind gleich auf mehreren Ebenen schlimm. Es wird wieder einmal das gemacht, was man so am besten kann: Stimmung und Angst. Angst, sie wäre zu doof, zu unerfahren und sie könne es mit „den Erdogans und Putins dieser Welt“ nicht aufnehmen. Das wird nun flächendeckend lanciert. In einer Geschwindigkeit, die mir Angst macht. Selbst im Ausland blasen die Medien die gleiche Gülle auf die Felder …

Aber alles das, was man da gerade zum Problem stilisieren will, wirklich alles, wäre für mich ein Grund, SIE zu wählen. Wir haben ja sonst nur Erdogans und Putins zur Auswahl, also in dem weiter gefassten Sinne, dass das alles Männschen sind, die schon sehr lange an der Macht kleben und für eine wie immer geartete, ihren Machtstatus und die von ihnen geschaffene Verhältnisse bewahrende Politik stehen.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Pandemiedemenz Update

Wir leben in einer riesigen Depression, in der nichts mehr richtig funktioniert. Es ist die in dieser Art und in diesem Rahmen vollkommen unnötige Unplanbarkeit des Lebens, die uns verzweifeln lässt, profane Dinge, wie die Stapel der inzwischen verbotenen Arten der Gesichtsbedeckung, die wie Pilze aus dem Boden schießenden, befahrradeten Menschen mit Würfeln auf dem Rücken, die überall rumsitzen und darauf warten, Essen wild durch die Gegend fahren zu dürfen, was sicherer und hygienischer sein soll, als ein Kellner in einem Resaurant mit Hygieneauflagen, die sich ändernden Regelwerke der verschiedenen Verwaltungseinheiten (EU, Bund, Länder, Kommunen), die sich gegenseitig widersprechen und dich permanent beschäftigen, wenn du davon betroffen bist.

Das Monster, was uns bedroht, ist die Bürokratie, die uns als Staat zwar noch eine Selbstverwaltung ermöglicht, aber handlungsunfähig gemacht hat. Was, wenn man satt und dauerbefriedigt ist, nicht weiter schlimm zu sein scheint, außer … wenn man plötzlich handeln muss. Die Bürokratie schützt aber zu allererst die Strukturen, die sie hervorgebracht haben. Das ist ja per Wortdefinition auch das, was das Konservative ausmacht. Die Bürokratie, über die wir vor dem Krieg noch gelacht haben, haut uns aber jetzt die Beine weg.

Wenn ein Staat zu blöd, zu korrupt und zu träge ist, in einem Jahr sein Gemeinwesen und seine Regeln einer neuen Situation anzupassen und stattdessen seine Bevölkerung gängelt, paranoid macht und entmündigt, dann kann er reich und modern sein wie er will, er verliert den Rückhalt seiner Insassen. Der Grad der Abkehr wird davon bestimmt, wie sehr und wie die jeweilige Insasse davon betroffen ist. Menschen, die Kranke sehen oder behandeln, haben eine andere Meinung als Menschen, denen man die Existenz zerstört hat, haben eine andere Meinung als Menschen mit Kindern, haben eine andere Meinung, als Menschen, die schon vor der Pandemie das gleiche Leben geführt haben, wie ihnen jetzt aufgezwungen wird… Und da gibt es ja auch noch die Krisengewinnler … keine der Gruppen ist mehr in der Lage, über ihren jeweiligen Erlebnishorizont zu blicken. Durch das asoziale Distanzieren ist uns dann auch noch unsere Restempathie abhanden gekommen. So zerfleischen wir uns zwingend, zwanghaft und vollkommen logisch in irgendwelchen Kommentarspalten untereinander. Anstatt … (hier beginnt mittlerweile eine Grauzone 🙂

Habt euch lieb. Und bleibt gesund.

Funfact: Eine FFP2 Maske kostet in der Herstellung auch jetzt nicht mehr als 4 ct. Innerhalb Deutschlands belaufen sich die Maschinenkosten in der Herstellung auf 0,1 ct pro Maske (Anschaffungspreis/ Produktionskapazität). Der Einkaufspreis vor der Pandemie lag bei rund 10 ct. Nur, falls sich jemand vielleicht mal gefragt hat, wie man damit so unfassbar viel Asche machen kann, dass es sich lohnt, dafür sogar Politiker zu kaufen.

#novemberhilfe #pandemiedemenz #bananenrepublik

Thomas Manegold- Druckvorstufe

Frühling bei Periplaneta

Wir haben neue Bücher am Start.

Unter erschwerten Bedingungen kehrt der verlegerische Frühling bei Periplaneta ein. Mit leichter Verspätung sind die ersten neuen Bücher 2021 in die Welt hinaus gegangen:

CHRISTIAN SCHMITZ: „Benzin im Wischwasser“

„Benzin im Wischwasser“ ist nach seinem gefeierten Debüt „Der Fuchsflüsterer vom Zeltinger Platz“ Christian Schmitz’ zweites Buch mit Berliner Taxigeschichten in der Edition Subkultur. Diesmal erklärt er uns unter anderem, wie mit Schlechte-Laune-Verbreitern, Gurus oder Nazis im Taxi umzugehen ist, dass man als Pedant am besten über sich selbst lacht oder was Taxifahrer eigentlich unter einem „rauchenden Hund“ verstehen.

  • Edition Subkultur, ca. 182 S.
  • print ISBN: 978-3-948949-02-0
  • epub ISBN: 978-3-948949-03-7

Jürgen Pönn: „Der Tag, an dem Conny Kramer wie durch ein Wunder überlebte“

Eine ruppige Tragikkomödie über wahre Freundschaft, die meditative Wirkung von gemeinsamem Biertrinken und den Wert von letzten Versprechen. Und eine Hommage an das Ruhrgebiet. Fulminanter Debüt-Roman von Jürgen Pönn.

Mit einem Cover von Julian Weber.

  • Edition Subkultur, ca. 126 Seiten
  • print ISBN: 978-3-948949-06-8
  • epub ISBN: 978-3-948949-07-5

BARBARA FISCHER: „Frigg“ Baumweltensaga III.

Mit Barbara Fischer haben wir schon die Bücher „Lilith“ und „Freyja“ realisiert. Mit „Frigg“ geht der Kampf um die Baumwelten in eine neue Zeit. Eine magische Reise, eine Ode an die Fremde und an die Familie gleichermaßen und eine Saga von der Kraft der Liebe und der Macht des Feuers. Mit einem Cover von Holger Much.

  • Edition Drachenfliege, ca. 236 S.
  • print ISBN: 978-3-95996-151-6
  • epub ISBN: 978-3-95996-152-3

Ich durfte Satz und Druckvorlagen erstellen. Laura Alt und Silvia Klein waren als Lektorinnen tätig. Marion Alexa Müller, Holger Much und Julian Weber haben die Cover gemacht. Alle Neuerscheinungen gibt es, wie auch unsere 20 Bücher aus dem Jahr 2020, als Bücher und E-Books im Periplaneta-Onlineshop. Tut uns und euch einen Gefallen 🙂

Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Corona Tagebuch: Pandemiedemenz

18.01.21:
Wenn 40% der Eltern ihre Kinder in Notbetreuung geben, heißt das nicht, dass 40% der Eltern egoistische, verantwortungslose, coronaleugnende Bratzenhasser sind. Es könnte auch sein, dass diese 40% tatsächlich arbeiten müssen. Es könnte natürlich auch sein, dass sie immer noch fest daran glauben, dass Kitas und Schulen mehr sind als arbeitskrafterhaltende Aufbewahrungsanstalten für Geschlechtsverkehrsunfälle. Sind sie in unser Gesellschaft nicht der Ersatz für das sprichwörtliche Dorf, dass es braucht, um ein Kind großwerden zu lassen?

20.01.21:
Jetzt kommt die Mutante. Gerade noch pünktlich, weil ja die Zahlen nun doch wieder runtergehen. Dass wir bereits den zweiten Lockdown mit einer aus Spanien eingeschleppten Variante verbracht haben, dürfte bekannt sein. Viren mutieren. Die ganze Zeit, nur fangen wir in Deutschland halt jetzt erst an, es zu analysieren. Und irgendwann wird auch der Impfstoff nicht mehr wirken. Was alles auch nicht weiter schlimm ist. Jedenfalls nicht so schlimm, dass man den Karl schon wieder das Ende der Welt verkünden lässt. Ich kann es echt nicht mehr hören.

Weiterlesen „Corona Tagebuch: Pandemiedemenz“