Thomas Manegold - Der Schläfer in der Stadt (c) periplaneta 2014 - All rights reserved

Das ewige Lied über Zensur

Dieser Kelch ist bislang an mir vorübergegangen. Doch jetzt ist er über unser aller Köpfe ausgeleert worden. Dieser Kelch voller Gülle und abgestandenem Sperma. Die Ausgeburt des Dummen. Eine Mischung aus verstümmeltem Schlager, Technobumms und unterirdischen Wortgruppen.

Dabei ist eigentlich nichts passiert, würden sowas nicht Horden besoffener Dumpfbacken ständig zur Nationalhymne ausrufen. Der Hit war, wie viele Hits, einfach nur ein Joke. Im Video ist Layla wohl auch eine Lola, also ein Mann. (In Anlehnung an die Kinks)

Der Mensch neigt dazu, sich zusammenzurotten, sein Hirn zu betäuben und dann zu kopulieren oder zumindest davon zu träumen. „Ficken, Bumsen, Blasen, alles auf dem Rasen“, sangen schon die Toten Hosen. Selbst Freddie Mercury sang darüber, dass die Mädchen mit den dicken Hintern den Rock´n´Roll rundlaufen lassen.

Die Sehnsüchte sind immer die gleichen. Früher wollten untervögelte Männer das Wort Begehren buchstabieren. Heute sind wir nicht mehr so verklemmt, aber auch viel weniger poetisch. Wir können immer noch nicht damit umgehen und wir verbieten anderen, es zu thematisieren, dass wir nicht damit umgehen können. Wir tabuisieren noch immer und stürzen uns hernach wie die Geisteskranken drauf. Wir sind nicht aufgeklärter. Was früher heimlich verschämt ins Taschentuch gewichst wurde, hat man einfach nur hemmungslos verkommerzialisiert. Die letzten, die künstlerisch zum Thema Sex und Trieb etwas ordentliches beitrugen, waren Rammstein. Danach wurde es zappenduster.

Der Mensch liebt die gegenseitige Erniedrigung. Hat er keine Kultur und keine Skills, kann er darüber keine Lieder schreiben und seine Fantasien nicht in Stein meißeln. Dann entkleidet er sich und hält seinen Arsch in die Sonne, bis er rot ist. Und wenn Du sowas wie Freiheit, Dekadenz und Drogen oder eben jenen Kelch mit dem Gülle-Sperma-Gemisch über eine Horde von Affen auskippst, dann endet das nunmal unweigerlich in kultureller Kamikaze: Das Festival der Volksmusik auf Viagra oder kurz: BALLERMANN. Und der wird ab einem gewissen Umsatzvolumen Weltkulturerbe und schwappt auf die Festivals der Volksmusik ohne Viagra.

Ein paar Leute, die solche „Events“ in Deutschland organisieren, können sich das nicht mehr schönsaufen und wollen verbieten, was sie nicht mehr ertragen können. Unsere Multiplikatoren, die „Medien“ bescheren uns den Rest: Plötzlich reden gefühlt alle über die geile Layla. Und über die Frage, ob das Kunst ist oder weg kann oder weg muss. Nein, nein und nochmals: nein!

Es ist einfach, ein Tabu wegen etwas zu brechen, was überhaupt nicht wichtig ist. Wenn ich die Möglichkeit eines Verbots von Inhalten durchsetzen will, beginne ich mit etwas Belanglosem oder mit etwas, was die Menschen mehrheitlich sowieso Scheiße finden. Oder glauben, Scheiße finden zu müssen. Die meisten gesellschaftlichen Verwerfungen wie Zensur, Verbot, Diffamierung, Diskriminierung, Verfolgung, Ausgrenzung … folgen keinem Plan. Es fängt immer klein an und bekommt dann oftmals eine gespenstische Eigendynamik. Und wenn wir anfangen, Sauflieder über Puffmütter zu verbieten, dann könnte das ganz schnell so weit gehen, dass man eben auch die Lieder verbietet, die ich singe. Oder ganze Themenkomplexe im gesellschaftlichen Diskurs ausklammert. Dieses Lied ist vielleicht sexistisch, blöd und frauenverachtend. Das nächste ist kapitalismuskritisch und politikerfeindlich.

Also: „Wehret den Anfängen.“ Und nein, das ist keine Verharmlosung einer Warnung vor der Wiederkehr politischer Verhältnisse. (Das Zitat stammt von OVID … irgendwann um das Jahr 0 … und es ging ursprünglich um die Folgen des Sich-Verliebens …) Hier gehts nicht um die Gleichsetzung von unterschiedlichen und zum Teil ungleich schlimmeren Ereignissen, sondern darum, dass es immer das gleiche Prinzip ist.

Und wenn jemand auf der Basis von Hausrecht es nicht dulden will, dass sich Menschen so oder so verhalten, darf er das natürlich. Nur muss er sich bei der Bewertung der musikalischen Untermalung solcher „Events“ fragen, ob es kommerziell sinnvoll ist, da ein gewisses Niveau einzufordern.

Gefährlich ist die Vermischung einer inhaltlichen Diskussion mit der Diskussion über das Verbot an sich. „Soll das Lied verboten werden oder ist es nur ein Partylied?“ Zwei Mal ganz klar: Nein. Eine Zensur findet nicht statt. Lieder verbieten hat noch nie funktioniert. Auch wenn es nicht nur ein Partylied wäre, sollte es nicht verboten werden. Und überhaupt: Es wird vielleicht auf Partys gespielt, aber das ist doch kein Lied! Weniger als erbärmlich (was ja ein Synonym für bemitleidenswert ist.) Man könnte ihm unterstellen, dass es frauenverachtend ist und Prostitution glorifiziert. Aber soviel inhaltliche Substanz sehe ich da nicht. Früher brauchte es für so ein Urteil Inhalte.

Aber man kann sich schon mal fragen, was mit diesen unfassbar vielen Leuten nicht stimmt, die sowas abfeiern. Und warum Schlagerfazken in den letzten Jahren ihrer Karriere mehr Geld mit der Zurschaustellung ihres Alkoholproblems machen, als in ihrem ganzen Leben zuvor. Warum Horden von Menschen, die jahrzehntelang Kultur und Bildung schutzlos ausgesetzt waren, einer bedirndelten Blondine zujubeln, die ihnen ins Gesicht lügt, dass sie die Geilsten sind.

Es ist nun wirklich nicht neu, das der Mensch dazu neigt, sobald man ihn von der Kette lässt, abzuschalten, dass er gern über sexuelle Handlungen redet und singt – und wenn er es nicht hinkriegt, das mit dem Sex, dem Reden oder dem Singen, gerne zuhört oder zuschaut, wenn das andere machen, und dafür mitunter sehr viel Geld ausgibt.

Aber es ist schon offensichtlich, dass wir von der Verklemmtheit der Fünfziger hin zu einer Gesellschaft von sexuell freien und selbstbestimmten Menschen irgendwann mal falsch abgebogen sind. Wir haben immer noch ein kollektives Problem mit Toleranz und multikulturellem Miteinander, eine ewige Diskussion über sexuelle Orientierungen – und wir haben Ballermann. Und übrigens auch Vorbestraften-Sprechgesangskünstler, bei denen junge Frauen Schlange stehen, um sich auf der Bühne mit dem Bühnenhandtuch den Hintern versohlen zu lassen. Wir haben Verkupplungsshows, Dschungelcamps und Akteure, deren Hemmschwelle, deren Schamgefühl und deren Niveau sich gemeinsam mit dem Hosenbund auf Kniehöhe verabschiedet haben.

Ich würde eine Deutschlandtour organisieren. „Ballermann Hits“. Große Hallen. Jedes Kaff. Und alle, die kommen und mitsingen, würde ich nach der Tour abholen lassen, sterilisieren und in Lager stecken, weit, weit weg, dort, wo der Permafrostboden gerade auftaut. Jeden Morgen gehts in so eine Mischung aus Melkkarussell und Bolzenschussanlage zur Zwangspenetration, während dieses Lied läuft, was ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf bekomme. (Das hat jetzt schon was Kafkaeskes, oder?)

Man könnte das auch noch auf bestimmte Radiosender ausdehnen. Die Alexas dieses Landes abfragen, was für Musik die alle so freiwillig hören. Und alles, was in meinen Ohren entartet ist, wird ebenfalls interniert.

Die Mieten würden fallen, es gäbe keine Staus mehr auf den Autobahnen und die Züge wären nicht mehr so voll. Es wäre friedlich und die Musikanten, die Comedians und Poetryslammer würden sich endlich wieder Mühe geben. Aber so funktioniert das halt nicht in einer Gesellschaft. Und so stehts wohl auch nicht im Grundgesetz.

P.S.: Naja, vielleicht war es ja auch nur eine extrem geile Marketingidee, auf die alle außer mir reingefallen sind. Meiner Bücher gibt es hier. Vielleicht taugt ja das eine oder andere für einen handfesten Skandal.

Gehört: „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ von Kurt Krömer

Trigger: Kurt Krömers „Coming Out“ hat mich an mehreren Stellen ziemlich aufgeregt. Es funktioniert vielleicht als Lebensbeichte und als Tatsachenbericht. Aber nicht als Ratgeber. Auch dann nicht, wenn es ganz offensichtlich versucht, Ratschläge zu geben. Es basiert zudem auf den Notizen, die der Autor sich als Patient gemacht hat, so wie andere Patienten auch und das merkt man dem Buch an.

Kurt Krömer kreidet u.a. die Zweiklassenmedizin an, plädiert für ein System, in dem alle einkommensabhängig einzahlen müssen, verlässt aber selbst die Künstlersozialkasse, die genau so ein System ist, und wird Privatpatient. Er ist ein Alleinerziehender, der Oma und Nanny im eigenen Haus hat. Bekommt im Gegensatz zu den meisten anderen Betroffenen nicht nur die Arzttermine und Tagesklinikplätze, die er braucht, zu den Terminen, die ihn in den Kram passen, sondern auch die, die seine Hypochondrie einfordert. Wer hat noch einen Urologen, mit dem er sein kaputtes Leben besprechen kann?

Somit taugt „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ als Ratgeber oder Spiegel nur für die Depressiven seiner Einkommensklasse. Eine ganz sicher ungewollte unterschwellige Botschaft des Buches ist „Depressionen muss man sich leisten können“. Ich halte in dieser Problematik aber für wesentlich, dass die meisten Betroffenen neben dem Leidensdruck auch massive existenzielle Probleme und reale Ängste haben, während sich Kurt Krömer in seiner Depression mit Angststörungen herumschlägt.

Ich kann mir das alles auch nur einbilden. Will hier auch keine Neiddebatte beginnen oder Kritik an derlei Lebensentwürfen äußern. Ich halte den beschriebenen Werdegang für beeindruckend, auch Krömers Offenheit verdient Respekt, nur impliziert der Titel und der Medienrummel etwas, dass dieses Buch halt nicht ist. Es ist nunmal überhaupt nicht repräsentativ. Die Masse derer, die das nicht aus Voyeurismus konsumieren und Parallelen zu ihren Leben und Leiden suchen, werden sie nicht finden. Es ist ein Unterschied, ob man sich gegen Honorar auf Bühnen abfackelt oder an der Welt verzweifelt. Dafür kann Kurt Krömer nix. Es ist halt sein Leben. Und sein depressiv sein. Und nicht das der anderen. Er gestattet uns Einblicke in das Leben, Lieben und Leiden eines Künstlers, eines Menschen mit „Vollmeise“.

Und vielleicht ist es auch ein Segen, dass Menschen wie Krömer und Sträter das Thema aufmachen. Trotzdem musste ich an einigen Stellen die Stirn einfalten und den Kopf schütteln. Vielleicht ist das ja auch Parkinson. Ich sollte mal zum Arzt. … Wann … September …. ja, ok … was? … ach, 2023 … hmm.

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Soundtrack of my LifE 022: Wir sind Helden

„Wir sind Helden“ haben 2000 mit ihrem Erscheinen auf der Bildfläche und mit ihrem Debüt „Die Reklamation“ 2003 die deutsche Musikszene reformiert, reanimiert, revolutioniert … Keiner hatte sowas kommen sehen. Kam aber trotzdem. Niemand hat seitdem deutschsprachige Popmusik mit mehr Inhalt gemacht. Judith Holofernes Textwerk hatte es mir schwer angetan. Über die vier Alben haben sich die Themen logischerweise geändert und einige davon haben mich auch nicht interessiert. Aber die Art, relevante Verse mit eingängigen Melodien zu Ohrwürmern zu verschmelzen und durch Haufenreime, geistreiche Wortspiele, Sinnverschränkung und Metaphern das Mitsingen zu erschweren, hat mich nachhaltig berührt. Insbesondere ihre Zeilen für die Suizidalen und chronisch Traurigen sind mir im Kopf geblieben.

Ich erkenn‘ hier nichts wieder. Alles müde und alt.
Und ich male uns beide als Umriss aus Kreide auf den Asphalt

Du erkennst mich nicht wieder. Unerkannt
hab‘ ich dann drüben im Park meine Kleider verbrannt.

Ich erkenn‘ mich nicht wieder. Nur mein Herz, das noch schlägt
Und ich hebe die Arme, um zu sehen ob die warme
Nachtluft mich trägt.

Du erkennst mich nicht wieder. Unerkannt
flieg‘ ich ans Ende der Stadt, ans Ende der Welt –
und über den Rand.

Rund zehn Jahre nach diesem Song hier war dann leider Schluss. Und weitere 10 Jahre später, also heute, ist die deutschsprachige Popmusik in einem so schlimmen Zustand, als hätte es „Die Reklamation“ nie gegeben. Kann Frau Holofernes aber nix für. Ihre Soloschreiben reichen nicht so ganz an die alten Helden heran … haben aber auch ihre Momente für die Ewigkeit, wie „Der Krieg ist vorbei“.

#wirsindhelden #judithholofernes

Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Lauterbach zitiert Hegel

Headline des Grauens: „Lauterbach zitiert Hegel“ (NTV)…

Das ist jetzt eine Headline? Ok, wenn er ihn gelesen hätte, den Hegel … aber ein Politiker zitiert einen Philosophen. Das ist jetzt ein Ereignis für die Journalie? Wow!

Wenn das Thema hierbei nicht so wichtig wäre, würde man sagen: Ok. Kollektive Bankrotterklärung. Insolvenzverfahren und gut. Aber ausgerechnet: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit“ zu nehmen, um was genau zu rechtfertigen? Den Zwang, sich mit einem nicht zugelassenen Impfstoff penetrieren zu lassen, der nicht wirkt (der keine sterile Immuniät bringt)?

Selbst Hegel hatte irgendwann eingesehen, dass da ein Subjekt ist, das ohne wie auch immer geartete Freiheit nicht existent wäre. Hegel würde dem Karl diesen Kalenderspruch übrigens um die Ohren hauen.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Zu Reißerisch

Der Anlass des folgenden Textes ist die Züricher Zeitung. Die hatte nämlich festgestellt, dass „immer mehr Menschen“ in Deutschland auf die Demos gegen die Corona-Maßnahmen gehen. Dieses „immer mehr“ war einem folgsamen Bürger, nennen wir ihn Klaus, zu reißerisch, was er bei Facebook auch so postulierte … mit der Behauptung, das 63 Millionen Menschen die „Maßnahmen“ befürworten würden.


Hallo Klaus. Ich kenn dich nicht, aber dieses „reißerisch“ ist mir sauer aufgestoßen. Wenn die ZZ schreibt, es kämen immer mehr Menschen zu den Demos, das ist dann zu reißerisch?

Reißerisch ist es, von „Ausbrüchen“ zur reden, wenn sich zwei Menschen infizieren, oder von „Wellen, die uns mit Wucht treffen“ und die „wüten“. Reißerisch ist es, im September von einer Pandemie der Ungeimpften zu sprechen, ohne den Impfstatus der Betten-Insassen zu kennen … und Ende November erst damit anzufangen, überhaupt Daten zu erheben. Reißerisch ist die ganze Pandemieberichterstattung. In der Überschrift der ZZ steht doch nur, dass es „immer mehr“ werden. Was ja stimmt.
Überspitzt gesagt: Wenn in einer Stadt Montag zwei Menschen positiv wären und einen Monat später vier, dann spräche das RKI von einer Verdopplung der Fallzahlen. Und würde erst auf Seite 14 des Berichts erwähnen, dass sie dafür einen Monat gebraucht haben. Das ist reißerisch.
Und weil das so ist, haben die Menschen Angst. 63 Millionen Menschen begrüßen die Maßnahmen? In Europa? So viele freundliche Menschen gibts doch in Deutschand gar nicht. Woher weiß man das?

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„KLIMANEUTRAL“ auf der Umverpackung von feuchtem Toilettenpapier

(Thomas Manegold für „Wider die Masse“ – Edition Subkultur)

Es kotzt mich an, wie wir aus dem Klimawandel einfach ein Mega-Geschäft machen.
Und es kotzt mich an, dass die Youngsters diese Selbstverarsche in ihrer unendlich kapitalinfantilen Art einfach mitmachen, weil sie es nicht anders kennen. Man ist vorlaut und naiv, so lange man Pampers trägt. Und in der Übergangszeit, in der alle unten ohne rumlaufen, teilen sie sich dann auf in Schinder und Geschändete. Und dann wird die Gesinnung immer brauner, wie der Chitinpanzer einer Kakerlake, die sich nicht mehr häuten kann. Erst verhärtet das Exoskelett, dann brechen die Antennen ab, dann vertrocknen die Geschlechtsteile und schließlich geben die Beine den Geist auf.

Die Kinder gehen diesen Weg, der kein leichter ist und den im Grunde keiner gehen müsste, weil die Alten es genau so vorgelebt haben, gut, die ganz Alten halt ohne Wegwerfwindeln, aber im Prinzip machen wir das so, seit der letzte Krieg vorbei ist.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Betonpizza, Koks und Blaue Pillen

Synchronicity Pt. 3

24 Stunden nachdem ich „Harter Stuhl“ gegoogelt habe, überrascht mich Facebook mit Abführmitteln und Holzmöbeln. Und mit „1984- Sex Crime“ von den Eurythmics.

Die Pizzeria meines Vertrauens hatte selbiges gerade verspielt, weil eine Pizza sich kurz unterhalb meiner Speiseröhre zu einem Betonklumpen verdichtet hatte, der seitdem langsam die Eingeweide entlangschleicht.

Weil sich Facebook sicher ist, dass ich noch lebe und mir Medikamente verkaufen will, die über den Placebo-Effekt und Geldbeutelinhaltsverkleinerung hinaus keine Wirkung zeigen, beruhige ich mich. Weil die Kugel in meinem Inneren zu stechen anfängt, mache ich einen Corona-Test.
Negativ.
Ich versuche zu arbeiten.
Negativ.
Ich versuche, etwas Sinnvolles zu machen. Abwaschen.
Negativ. Das kleine Alien in mir bestraft jede Form der Bewegung.
Also beschäftige ich mich mit dem, was Facebook mir vorschlägt: Dünnschiss und Verstopfungen. Risiken und Nebenwürgungen.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

We are the good guys

Synchronicity PT. 2

Frankfurt am Main 2021. Buchmesse. Die erste seit der Pandemie. Dass sie mit Publikum ist, muss man extra erwähnen. Sieht man nicht. Wenn ich einen Verlag hätte, wäre der nicht dabei, weil mir ein paar Tausend Euro für eine Butze in einer leeren Halle einfach zu teuer wären.

Jetzt boykottieren einige als Vorlesende angekündigte Autorinnen und Autoren medienwirksam die mehrere Quadratkilometer große Messe, weil ein paar Verlage daran teilnehmen, die sie dem neurechten Spektrum zuordnen. Manche rufen gar zum Boykott der ganzen Messe auf. Obskure Kleinverlage erstehen aus der Versenkung auf und behaupten jetzt, dass sie die Messe aus Überzeugung boykottiert haben. Und da wird auch mal Karl Popper bemüht und die Theorie vom Ende der Toleranz, weil die Nicht-Toleranten die Toleranten wegbeißen werden. Das ist keine Philosophie. Das ist eine langweilige Selbstverständlichkeit, wie „Wasser ist nass.“ Ebenso so, wie der Umstand, dass die Beißenden in diesem Bild am Ende die Intoleranten sind. Wer zuerst beißt, hat halt gewonnen.

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Wir sind Helden …

SYNCHRONICITY PT.1

Dieses Bild habe ich gemacht. Es ist ein Urlaubsbild. Ich war mit meinem Sohn und der anderen Liebe meines Lebens für sechs Tage in der Uckermark. Seit vielen Jahren war das unsere erste Auszeit. Vater, Mutter, Kind.

Wir leben autark, outside the Box, wie man so sagt, inside of Hamsterrad, wie es sich anfühlt, wir machen was mit Medien. Wir sind Unternehmer. Wir gehören zum Mittelstand. Also zu jenem Mittelstand, der finanziell besser dran wäre, wenn er Hartz 4 bekäme und nebenbei ein bisschen schwarz arbeiten würde … (also arbeiten ohne gültigen Fahrschein, wie das heute heißen muss …) und der das auch machen würde, wenn man ihn in der Kindheit nicht verhauen hätte. Aber wir haben eine Vision …

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Der Periplaneta Sommer 2021

Wir machen was wir können und (noch) dürfen: BÜCHER

Im Periplaneta Verlag konzentrieren wir uns gerade auf unser Kerngeschäft. Wir machen Bücher. Lesungen und Kneipe ging ja nicht. In den Sommermonaten gab es daher viel Neues zu bewundern, Pandemiebedingt haben wir das zwar meistens alleine gemacht, aber wir müssen ehrlicherweise sagen, dass wir uns stellenweise sehr beeindruckend fanden 🙂 Hier sind unsere Neuheiten aus diesem Sommer:

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Ein Herz für Annalena

„Baerbock will Bundeskanzlerin werden, es mit den Putins, Bidens und Erdogans dieser Welt aufnehmen, hat aber noch nie irgendetwas regiert – kein Bundesland, kein Ministerium, kein Landratsamt, nicht einmal ein Dorf-Rathaus, und sei es in ihrem Heimatort Patenssen bei Hannover. Ihr fehlt jedwede Regierungserfahrung, doch sie greift nach dem mächtigsten Regierungsamt im Staat.“ (schreibt N-TV)

Vorab: Ich mag weder die Grünen, noch ihr Programm.

Aber die Pressereaktionen, für die dieses Zitat exemplarisch stehen soll, sind gleich auf mehreren Ebenen schlimm. Es wird wieder einmal das gemacht, was man so am besten kann: Stimmung und Angst. Angst, sie wäre zu doof, zu unerfahren und sie könne es mit „den Erdogans und Putins dieser Welt“ nicht aufnehmen. Das wird nun flächendeckend lanciert. In einer Geschwindigkeit, die mir Angst macht. Selbst im Ausland blasen die Medien die gleiche Gülle auf die Felder …

Aber alles das, was man da gerade zum Problem stilisieren will, wirklich alles, wäre für mich ein Grund, SIE zu wählen. Wir haben ja sonst nur Erdogans und Putins zur Auswahl, also in dem weiter gefassten Sinne, dass das alles Männschen sind, die schon sehr lange an der Macht kleben und für eine wie immer geartete, ihren Machtstatus und die von ihnen geschaffene Verhältnisse bewahrende Politik stehen.

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Thomas Manegold- Schläfer in der Stadt

Pandemiedemenz Update

Wir leben in einer riesigen Depression, in der nichts mehr richtig funktioniert. Es ist die in dieser Art und in diesem Rahmen vollkommen unnötige Unplanbarkeit des Lebens, die uns verzweifeln lässt, profane Dinge, wie die Stapel der inzwischen verbotenen Arten der Gesichtsbedeckung, die wie Pilze aus dem Boden schießenden, befahrradeten Menschen mit Würfeln auf dem Rücken, die überall rumsitzen und darauf warten, Essen wild durch die Gegend fahren zu dürfen, was sicherer und hygienischer sein soll, als ein Kellner in einem Resaurant mit Hygieneauflagen, die sich ändernden Regelwerke der verschiedenen Verwaltungseinheiten (EU, Bund, Länder, Kommunen), die sich gegenseitig widersprechen und dich permanent beschäftigen, wenn du davon betroffen bist.

Das Monster, was uns bedroht, ist die Bürokratie, die uns als Staat zwar noch eine Selbstverwaltung ermöglicht, aber handlungsunfähig gemacht hat. Was, wenn man satt und dauerbefriedigt ist, nicht weiter schlimm zu sein scheint, außer … wenn man plötzlich handeln muss. Die Bürokratie schützt aber zu allererst die Strukturen, die sie hervorgebracht haben. Das ist ja per Wortdefinition auch das, was das Konservative ausmacht. Die Bürokratie, über die wir vor dem Krieg noch gelacht haben, haut uns aber jetzt die Beine weg.

Wenn ein Staat zu blöd, zu korrupt und zu träge ist, in einem Jahr sein Gemeinwesen und seine Regeln einer neuen Situation anzupassen und stattdessen seine Bevölkerung gängelt, paranoid macht und entmündigt, dann kann er reich und modern sein wie er will, er verliert den Rückhalt seiner Insassen. Der Grad der Abkehr wird davon bestimmt, wie sehr und wie die jeweilige Insasse davon betroffen ist. Menschen, die Kranke sehen oder behandeln, haben eine andere Meinung als Menschen, denen man die Existenz zerstört hat, haben eine andere Meinung als Menschen mit Kindern, haben eine andere Meinung, als Menschen, die schon vor der Pandemie das gleiche Leben geführt haben, wie ihnen jetzt aufgezwungen wird… Und da gibt es ja auch noch die Krisengewinnler … keine der Gruppen ist mehr in der Lage, über ihren jeweiligen Erlebnishorizont zu blicken. Durch das asoziale Distanzieren ist uns dann auch noch unsere Restempathie abhanden gekommen. So zerfleischen wir uns zwingend, zwanghaft und vollkommen logisch in irgendwelchen Kommentarspalten untereinander. Anstatt … (hier beginnt mittlerweile eine Grauzone 🙂

Habt euch lieb. Und bleibt gesund.

Funfact: Eine FFP2 Maske kostet in der Herstellung auch jetzt nicht mehr als 4 ct. Innerhalb Deutschlands belaufen sich die Maschinenkosten in der Herstellung auf 0,1 ct pro Maske (Anschaffungspreis/ Produktionskapazität). Der Einkaufspreis vor der Pandemie lag bei rund 10 ct. Nur, falls sich jemand vielleicht mal gefragt hat, wie man damit so unfassbar viel Asche machen kann, dass es sich lohnt, dafür sogar Politiker zu kaufen.

#novemberhilfe #pandemiedemenz #bananenrepublik